Frühjahrsgutachten Wirtschaftsinstitute prognostizieren Explosion der Staatsverschuldung

Die Wirtschaftsinstitute sagen Deutschland die schärfste Rezession seit 80 Jahren voraus - und einen drastischen Anstieg der Staatsverschuldung. Demnach wird die Regierung dieses Jahr 89 Milliarden Miese machen, 2010 sogar 132 Milliarden.


Berlin - Der Bundeshaushalt rutscht durch die Wirtschaftskrise immer tiefer ins Minus: Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute erwarten in ihrem Frühjahrsgutachten einen drastischen Anstieg der Staatsverschuldung. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf eine Vorabversion des Dokuments.

Finanzminister Steinbrück: Explosion der Schulden
DPA

Finanzminister Steinbrück: Explosion der Schulden

In beiden Jahren rechnen die Institute demnach damit, dass Deutschland die Verschuldungsgrenze der EU von drei Prozent nicht einhalten kann. Für 2009 sei mit einem Haushaltsdefizit von 89 Milliarden Euro zu rechnen. Das entspräche 3,7 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP). Im kommenden Jahr kalkulieren die Institute sogar insgesamt mit 132 Milliarden Euro Neuverschuldung bei Bund, Ländern und Kommunen. Dies wären dann 5,5 Prozent des BIP.

Die Institute wollen ihr Gutachten am Donnerstag in Berlin veröffentlichen. Zuvor war am Mittwoch bereits bekannt geworden, dass sie in diesem Jahr mit einem Wirtschaftseinbruch in Deutschland von sechs Prozent rechnen.

Die Neuverschuldung anderer EU-Staaten steigt ebenfalls stärker als angenommen. Wie die europäische Statistikbehörde Eurostat am Mittwoch in Luxemburg mitteilte, wuchs das Defizit in Athen im vergangenen Jahr auf fünf Prozent nach 3,6 Prozent im Vorjahr. Die EU-Kommission war bisher von 3,4 Prozent Defizit für 2008 ausgegangen. Der Fall Griechenland ist delikat, weil das Land bereits hohe Risikoaufschläge für seine langfristigen Staatsanleihen zahlen muss.

Irland, das stark unter der Finanzkrise leidet, erreichte ein Defizit von 7,1 Prozent. Bisher war in Brüssel von 6,3 Prozent die Rede gewesen. Das nicht zur Euro-Zone gehörende Großbritannien kam im vergangenen Jahr auf 5,5 Prozent - die EU-Kommission nahm bisher 4,6 Prozent an.

Die EU-Behörde hatte bereits im Februar Defizitverfahren gegen eine ganze Reihe von EU-Staaten eingeleitet, da die Marke von 3 Prozent überschritten wurde.

Nach Jahren mit Rückgängen stiegen die Defizite in Europa im vergangenen Jahr wieder an. In der Euro-Zone nahm der Wert auf 1,9 Prozent zu nach 0,6 Prozent zuvor, in der EU gab es einen Zuwachs auf 2,3 Prozent nach 0,8 Prozent zuvor. Auch die öffentlichen Schuldenstände wuchsen. In der Euro-Zone wurde ein Stand von 69,3 Prozent vom BIP erreicht, in der EU von 61,5 Prozent.

ssu/dpa/Reuters



© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.