Führungsstreit Franzosen greifen nach der Macht bei Airbus

Airbus wird zum Aufreger im französischen Wahlkampf. Favorit Sarkozy schlägt offensiv nationale Töne an: "Wir sollten mit dieser französisch-deutschen Gleichheit aufhören." Er will die Doppelspitze beim Mutterkonzern EADS abschaffen - und auch Rivalin Royal hat Umbaupläne.


Paris – Der Widerstand der Belegschaft gegen das Sanierungsprogramm "Power 8" hat begonnen, vor allem in Frankreich. Gleichzeitig meldet die französische Politik einen Führungsanspruch bei EADS an. Die Regierung in Paris gab den Ton vor. Sie kündigte an, sie sei bereit, sich "zusammen mit den anderen Aktionären" an einer Kapitalerhöhung bei EADS Chart zeigen zu beteiligen.

Kandidat Sarkozy: Nur einer soll das Sagen haben
AFP

Kandidat Sarkozy: Nur einer soll das Sagen haben

In diesem Fall müsse aber auch das Führungsmodell mit den deutsch-französischen Doppelspitzen überprüft werden, sagte Premierminister Dominique de Villepin. "Es wäre nötig, ernsthaft über die Möglichkeit zu diskutieren, nur noch einen Verantwortlichen zu haben", betonte auch Wirtschaftsminister Thierry Breton.

Der Präsidentschaftskandidat Nicolas Sarkozy schloss sich dem an: "Wir sollten mit dieser französisch-deutschen Gleichheit aufhören und einfach die besten Leute nehmen, um die besten Entscheidungen zu treffen", sagte er nach einem Treffen mit Vertretern der Airbus-Gewerkschaften. Ein einziger Hauptaktionär solle die industrielle Führung bei dem Konzern innehaben und etwa über das Management entscheiden können.

Derzeit liegt die industrielle Führung bei EADS bei den Großaktionären DaimlerChrysler Chart zeigen und dem französischen Medienkonzern Lagardère Chart zeigen. Der französische Staat ist mit 15 Prozent an EADS beteiligt, sein Einfluss ist jedoch begrenzt.

Die sozialistische französische Präsidentschaftskandidatin Ségolène Royal warnte indes davor, die Beschäftigten in Frankreich und Deutschland gegeneinander auszuspielen. Die Gewerkschaften in beiden Ländern hätten lange auf die Krise bei Airbus hingewiesen. Nun müsse die Krise auch im Geiste gegenseitiger Solidarität gelöst werden. Eine Sicherung der Arbeitsplätze sei von strategischer Bedeutung für die gesamte europäische Industrie, betonte Royal. An Airbus werde sich auch erweisen, wie konkurrenzfähig Europa im Wettbewerb etwa mit China und den USA sei.

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Royal forderte die bei EADS beteiligten Staaten auf, weiteres Kapital in das Unternehmen zu pumpen. Dies sei nötig, um die Krise zu überwinden, sagte Royal vor einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin.

Royal kritisierte das Management und den Sanierungsplan: Es könne nicht sein, dass ein Unternehmen mit über Jahre hinweg gefüllten Auftragsbüchern einen derart radikalen Stellenabbau betreibe. "Ich bin davon überzeugt, dass es möglich ist, anders vorzugehen." "Power 8" sieht den Abbau von 10.000 Stellen konzernweit vor, Airbus will außerdem sechs seiner 16 Werke ganz oder teilweise verkaufen.

Die Proteste der Belegschaft dagegen kommen langsam in Schwung: Heute haben die französischen Gewerkschaften zu einem landesweiten Aktionstag gegen das Sanierungskonzept aufgerufen. Die deutschen Gewerkschaften haben einen europaweiten Aktionstag am 16. März angeregt.

EADS will bei der Hauptversammlung am 4. Mai laut "Handelsblatt" eine Kapitalerhöhung beschließen. Unter Berufung auf Unternehmenskreise hieß es, der Konzern wolle damit in diesem Jahr zwei bis drei Milliarden Euro für das Langstreckenflugzeug A350 einsammeln. Die Großaktionäre Lagardère und DaimlerChrysler wollen sich auf ihre Kerngeschäfte Medien und Auto konzentrieren. Damit stünde der Aktionärspakt zur Disposition, der aktuell 57,9 Prozent des Kapitals bündelt.

Die deutsche Bundesregierung betont weiterhin, dass die Führungsstrukturen mit der dominierenden Rolle von Deutschen und Franzosen nach einem möglichen Einstieg neuer Investoren nicht verändert werden dürften. "Wir sollten derzeit keine weiteren Anteilseigner in den Aktionärspakt von EADS dazu nehmen", sagte Merkel der "Süddeutschen Zeitung".

Vergangene Woche hatte sich der Außenminister des Öl-Emirats Katar mit Dominique de Villepin getroffen, um über einen EADS-Einstieg zu reden. Die staatliche russische Bank VTB hatte vergangenes Jahr über die Börse bereits eine Beteiligung von gut fünf Prozent erworben.

itz/Reuters/dpa-AFX/dpa



Forum - Airbus-Sanierung - unter Schmerzen aus der Krise?
insgesamt 772 Beiträge
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Seite 1
5mark, 28.02.2007
1.
---Zitat von sysop--- Nach Monaten sind die Details des Airbus-Sanierungsprogrammes Power 8 bekannt - 10.000 Stellen fallen weg, in Deutschland stehen die Werke Laupheim und Varel zur Disposition. Gleichzeitig bekommt das Werk Hamburg neue Kompetenzen. Kommt Airbus so aus der Krise? Und was bedeutet die Sanierung für den Standort Deutschland? ---Zitatende--- Offensichtlich finden die Mitarbeiter der in Frage kommenden Werke diese Lösung nicht so prickelnd. Sonst wären sie wohl nicht nach Haus gegangen,wie ich grad in der Eilmeldung gelesen hab. Naja wenn man das Gefühl hat, man wird nur noch verschaukelt kommt man ganz leicht an den Punkt wo man sich sagt "Dann spielt doch alleine weiter, ich habs satt." Persönlich glaub ich ja die Krise geht jetzt erst los. Mal sehen wie europäisch wir alle wirklich sind.
jocurt, 28.02.2007
2. Es wohl ein ziemlicher Gipfel an Unverfrohrenheit...
---Zitat von 5mark--- Offensichtlich finden die Mitarbeiter der in Frage kommenden Werke diese Lösung nicht so prickelnd. Sonst wären sie wohl nicht nach Haus gegangen,wie ich grad in der Eilmeldung gelesen hab. Naja wenn man das Gefühl hat, man wird nur noch verschaukelt kommt man ganz leicht an den Punkt wo man sich sagt "Dann spielt doch alleine weiter, ich habs satt." Persönlich glaub ich ja die Krise geht jetzt erst los. Mal sehen wie europäisch wir alle wirklich sind. ---Zitatende--- das ich dem Spiegel Post entnehmen darf, dass auch eine èbergabe an das Management anstehen kann: " Dazu zählt neben einem Verkauf an Hauptzulieferer auch eine Abgabe an das Management oder die Zusammenlegung mit anderen Werken. Für den Standort Nordenham (ebenfalls Niedersachsen) sowie für Filton in Großbritannien und Méaulte in Frankreich erwägt Airbus "industrielle Partnerschaften". Für diese Standorte gebe es bereits "unaufgefordert Angebote möglicher Investoren". " Das heisst ja, erst abzocken, Karre in den Dreck fahren und die Reste gewinnbringend als MBO übernehmen. Nimmt ein Mitarbeiter eine Schraube mit, wird er wegen Diebstahl entlassen. wie nennt man das aber jetzt?
Mathesar 28.02.2007
3.
---Zitat von sysop--- Nach Monaten sind die Details des Airbus-Sanierungsprogrammes Power 8 bekannt - 10.000 Stellen fallen weg, in Deutschland stehen die Werke Laupheim und Varel zur Disposition. Gleichzeitig bekommt das Werk Hamburg neue Kompetenzen. Kommt Airbus so aus der Krise? Und was bedeutet die Sanierung für den Standort Deutschland? ---Zitatende--- Wie so häufig zeigt sich auch bei Airbus mal wieder: Wenn man etwas wirklich gegen die Wand fahren will, muß man nur die Politik mitspielen lassen. Airbus ist dafür ein profundes Beispiel.
medienquadrat, 28.02.2007
4. wie soll das denn funktionieren?
Vielleicht kann mir das endlich jemand erklären, wieso 10.000 entlassen werden sollen? Haben die ansonsten immer herumgesessen und blöd in die Gegend gestiert? Wer soll denn deren Arbeit machen? Oder haben die nichts mehr zu tun, keine Aufträge mehr, oder werden die Flugzeuge von selbst fertig, setzen sich selbsttätig zusammen? Ist das denn etwa demnächst so, dass die Flieger notdürftig zusammengekloppt ausgeliefert werden? Muss man sich Sorgen machen, um die Flugsicherheit?
AttilaR, 28.02.2007
5. Faire Verteilung
Das Management hat versagt; Verkabelungsprobleme. So hieß es. Die Auslieferungen klappten nicht . Krise. Die Folgen. Krise. Es werden ca. 10.000 oder doch nur "8.5oo" Arbeiter entlassen? Das Management wird aufgrund des beherzten Durchgreifens be- fördert und/oder bekommt Prämien. Vielleicht als Krönung eine MBO. Und die Politik? Die Politik labert von "gerechter Lastenverteilung!! Attila Keiner ist so schwer zu überzeugen, als einer, der dafür bezahhlt wird, die Sache nicht zu verstehen. (Nach einen amerikanischen Schriftsteller.)
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