Fusionsgerangel: Porsche-Zukunft entscheidet sich Ende Juli

Showdown bei Porsche: Der hoch verschuldete Sportwagenhersteller könnte Ende Juli seine Zukunft regeln. Der Aufsichtsrat hat eine außerordentliche Sitzung einberaumt - Insidern zufolge geht es um den Einsteig von Katar und um den Verkauf von VW-Optionen.

Stuttgart - Eine Entscheidung über die Zukunft von Porsche fällt möglicherweise in knapp zwei Wochen: Der Vorstand des hoch verschuldeten Sportwagenbauers hat nach Angaben eines Unternehmenssprechers für den 23. Juli eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung beantragt. Details wollte der Sprecher nicht nennen.

Porsche-Chef Wiedeking: Ungewisse Zukunft
DPA

Porsche-Chef Wiedeking: Ungewisse Zukunft

Nach Angaben aus dem Umfeld des Aufsichtsrats liest sich die Tagesordnung aber eindeutig: Nach übereinstimmenden Agenturberichten geht es bei der Sitzung um den Einstieg der staatlichen Qatar Investment Authority bei Porsche.

Der Vorstand habe mit Katar den Einstieg des Emirats "endverhandelt", es liege ein Konzept vor. Dabei gehe es um eine Größenordnung von "mehr als fünf Milliarden Euro". Das Konzept sehe sowohl die Übernahme von Anteilen an der Porsche SE wie auch die Übernahme von Optionen an VW vor, die noch im Besitz von Porsche sind. Es sei möglich, dass Katar sowohl Stammaktien als auch Vorzugsaktien an der Porsche SE erwerbe.

Zudem soll Insidern zufolge die Offerte der Wolfsburger, 49,9 Prozent der Anteile an der Porsche AG zu übernehmen, diskutiert werden. Der Sportwagenbauer hatte dies bislang abgelehnt.

Ob es bei der Sitzung auch um die Zukunft von Porsche-Chef Wendelin Wiedeking geht, ist nicht bekannt. Der Manager, der den Konzern über Jahre erfolgreich geleitet hat, ist nach SPIEGEL-Informationen inzwischen ein Abschusskandidat. Immer wieder werden Gerüchte lanciert, dass Wiedeking, nachdem die Zukunft Porsches geregelt ist, recht rasch abdanken werde.

Der Porsche-Sprecher betonte, eine Allianz von VW und Porsche sei nach wie vor das Ziel des Kontrollgremiums. Mit einem Einstieg von Katar würde Porsche auch seine eigene Position in den Verhandlungen mit VW über das geplante Zusammengehen beider Autokonzerne stärken. VW wollte zur Tagesordnung keinen Kommentar abgeben.

Porsche ist mit knapp 51 Prozent größter VW-Aktionär vor dem Land Niedersachsen mit rund einem Fünftel der Anteile. Die Stuttgarter halten zudem Optionen zum Erwerb von weiteren rund 20 Prozent an Europas größtem Automobilkonzern.

Allerdings hat sich Porsche bei der Übernahme verhoben und einen Schuldenberg von neun Milliarden Euro angehäuft. Die Verhandlungen mit den Banken zur Verlängerung von Darlehen erwiesen sich in der Finanzkrise als schwierig. Die weitere Aufstockung des Stimmrechtsanteils bei VW auf die Beherrschungsmehrheit von 75 Prozent wurde daher abgeblasen.

Die allein stimmberechtigten Eigentümerfamilien Porsche und Piëch streiten seit Monaten über die möglichen Wege zur Entschuldung des Konzerns und die weitere Zusammenarbeit mit VW. Gespräche über eine Fusion der beiden Autobauer liegen wegen der Verbindlichkeiten von Porsche seit Wochen auf Eis, da VW auf eine Entschuldung drängt, um seine Kreditwürdigkeit nicht zu gefährden.

ssu/ddp/Reuters

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