Fusionspoker um Euronext Deutsche Börse überbietet NYSE

Das Wettbieten um die Vierländerbörse Euronext steuert auf seinen Höhepunkt zu: Überraschend überbietet die Deutsche Börse das Angebot der amerikanischen NYSE. Heute wollen die Euronext-Anleger eine Entscheidung treffen.


Frankfurt am Main - Die Aktionäre der Euronext sollen nach dem in der heutigen Nacht veröffentlichten Angebot der Deutschen Börse pro Anteilsschein rund 76,60 Euro in bar und Aktien der neuen Gesellschaft erhalten. Die New Yorker Börse New York Stock Exchange (NYSE) hatte gestern lediglich rund 71 Euro in bar und Aktien geboten.

Frankfurter Börse, Pariser Börse: Neue Runde im Fusionspoker
DPA

Frankfurter Börse, Pariser Börse: Neue Runde im Fusionspoker

Der Vorstoß der Deutschen kommt überraschend. Gestern Abend hatte es noch geheißen, im Fusionspoker um die Euronext stehe die Deutsche Börse kurz vor dem Aus. Der neue Vorschlag für einen Zusammenschluss mit den Handelsplätzen in Paris, Amsterdam, Lissabon und Brüssel sieht nun ein kombiniertes Angebot in Aktien und in bar vor.

Das Gesamtvolumen der Barkomponente, das eine neu zu bildende Konzernobergesellschaft den Aktionäre beider Gesellschaften zahlen soll, liegt den Angaben zufolge bei rund zwei Milliarden Euro, wenn alle Aktien angedient werden.

Das endgültige Angebot der Frankfurter Börse kann jedoch je nach Entwicklung der Aktienkurse beider Unternehmen noch schwanken. Gestern Abend war die Euronext-Aktie in Paris mit 67,55 Euro gehandelt worden.

Die Anteile der neuen Gesellschaft sollen unter den Eigentümern der beiden Börsenbetreiber nach dem Verhältnis des über drei Monate ermittelten volumengewichteten Durchschnitts der Marktkapitalisierung von Euronext und Deutscher Börse verteilt werden.

Die Aktionäre der Vierländerbörse Euronext kommen am Dienstag in Amsterdam zusammen, um über eine mögliche Fusion oder Übernahme zu beraten. Zur Abstimmung steht ein Antrag, mit dem eine Fusion der Euronext mit der Deutschen Börse als beste Lösung im Interesse der Euronext-Aktionäre bezeichnet wird.

Die Deutsche Börse erhofft sich durch die Fusion Synergien in Höhe von brutto 300 Millionen Euro pro Jahr. Dies ist ebenfalls etwas höher, als die NYSE für den Fall einer Übernahme angegeben hatte.

Nach dem Vorschlag der Deutschen Börse soll sich die Zentrale der neuen Börse in Amsterdam befinden. Die Hauptverwaltung soll in Frankfurt angesiedelt sein. Euronext-Chef Jean-François Théodore und Deutsche-Börsen-Chef Reto Francioni sollen die neue Börse demnach zunächst gemeinsam führen.

Nach einer Übergangsfrist soll dann Francioni alleiniger Vorstandschef werden, so der Vorschlag. Den Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden beanspruchen die Deutschen von Beginn an für sich.

ank/dpa/ddp



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