Von Anne Seith und Philipp Wittrock
Dmitrij Medwedew geht es um nicht weniger als eine "neue Weltordnung" für Finanzfragen. Diesen Begriff benutzte der russische Präsident kürzlich, als ihn sein französischer Kollege Nicolas Sarkozy in St. Petersburg besuchte - und um dem Gast zu schmeicheln, beteuerte er gleich noch seine "proeuropäische" Position.
Im nächsten Satz schränkte er allerdings ein, dass die russischen Positionen mit Blick auf Banken und Steuern "vielleicht nicht hundertprozentig identisch" seien zu denen der Europäer. Und tatsächlich liegt der Kreml bei zwei populären Tagesordnungspunkten überhaupt nicht auf der Linie der EU.
Russland sieht sowohl die Finanztransaktionssteuer skeptisch als auch eine Bankenabgabe. Man glaube, dass "die Einführung einer speziellen Bankenabgabe negative Auswirkungen auf die Kreditvergabe haben könnte", sagte Medwedews Wirtschaftsberater Arkadi Dworkowitsch jüngst und verwies auf die ähnliche Haltung von Kanada, Australien, China und Indien. Russland erwartet deshalb in dieser Frage keine Lösung beim G-20-Gipfel.
Beim Schuldenabbau ist Russland schon eher bei den Europäern. Die Euro-Krise beunruhigt den Kreml. Medwedew wollte unlängst gar einen Zusammenbruch der europäischen Währungsunion nicht ausschließen - und zwar keineswegs aus Schadenfreude über die Schwäche der Europäer. Vielmehr treibt den Präsidenten die Sorge um, dass die Wirtschaft seines Landes in Mitleidenschaft gezogen wird. "Russlands Wohlstand hängt großteils davon ab, wie sich die Dinge in Europa entwickeln", sagte er. "Wir sind kein EU-Mitglied, aber wir sind ein europäisches Land." Darum sieht der Kreml Europas Bemühungen durchaus mit Sympathie, die enormen Staatsdefizite in den Griff zu bekommen.
Medwedew will in Toronto auch über eine Neuordnung des internationalen Währungssystems sprechen. Eine Debatte über alternative Reservewährungen soll beginnen, denn Medwedew findet das auf Dollar und Euro basierende System mangelhaft. Gegenwärtig gebe es zwar keine Alternative, aber "wir prüfen, ob die Schaffung von regionalen Reservewährungen erwogen werden muss". Dabei denkt er auch - an den russischen Rubel.
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