Cannes - Der Internationale Währungsfonds ( IWF) soll künftig noch mehr zur Finanzfeuerwehr für Krisenstaaten ausgebaut werden. Auf dem Gipfeltreffen der G-20-Chefs in Cannes soll nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" ("FAZ") am Freitag beschlossen werden, dass der IWF kurzfristige Liquiditätskredite ausgibt, um Länder vorbeugend vor einer Finanzkrise zu schützen.
Die Maßnahme war in der Nacht zum Freitag Thema bei einem Gespräch von Spitzenvertretern der Euro-Zone in Cannes mit US-Präsident Barack Obama und US-Finanzminister Timothy Geithner. IWF-Chefin Christine Lagarde hatte zuvor davor gewarnt, dass sich die Wachstumsaussichten weltweit verschlechtert hätten.
Die Liquiditätslinie könnte laut "FAZ" auch in Ländern des Euro-Raums Anwendung finden. Regierungen sollen demnach bis zu 500 Prozent ihres Kapitalanteils am Währungsfonds ziehen können. Für Italien könnte das rund 45 Milliarden Euro bedeuten, für Spanien bis zu 23 Milliarden Euro. Die Liquiditätskredite würden für sechs Monate vergeben und könnten einmal verlängert werden. Zugriff auf die Kredite sollen nur Länder haben, die bis auf wenige Schwächen eine gute Wirtschaftspolitik und solide Fundamentaldaten vorweisen können.
Ein weiteres Thema der nächtlichen Sitzung in Cannes war nach Angaben aus den Delegationen die bereits beschlossene Stärkung des europäischen Krisenfonds für klamme Euro-Staaten EFSF. Bei einer Variante eines "Hebels" zur Steigerung der Ausleihkapazität soll der IWF beteiligt werden. Die Schlagkraft des Fonds soll mit dem Kredithebel auf rund eine Billion Euro ausgeweitet werden.
Russland, China und Co. beraten über Euro-Hilfen
Von europäischer Seite nahmen unter anderen Bundeskanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy und Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi teil. Auch Spitzenvertreter der EU-Institutionen saßen am Tisch, unter ihnen der neue Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi.
Am zweiten und letzten Tag des Cannes-Gipfels dürfte es erneut um die Krise in Griechenland gehen. Auf der Agenda stehen aber auch die Themen Klima und Energie. Außerdem wollen die Staats- und Regierungschefs über den Kampf gegen grenzüberschreitende Steuerflucht, die Regulierung der Finanzmärkte, Bekämpfung der Korruption und explodierende Preise von Nahrungsmitteln sprechen.
An der französischen Mittelmeerküste sind neben den großen westlichen Industriestaaten auch aufstrebende Nationen wie China, Indien, Brasilien und Mexiko mit ihren Staats- und Regierungschefs vertreten. Vertreter dieser Volkswirtschaften trafen sich in Cannes, um über Hilfen für die Euro-Zone zu beraten.
"Ich denke, wir werden den Ländern der Euro-Zone irgendeine Art von Unterstützung anbieten", sagte der russische Präsident Dmitrij Medwedew am Donnerstag. Getagt hätten Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika. "Heute hat sich alles um das Thema Krise in der Euro-Zone gedreht und um die extravagante Position Griechenlands, die sich im Verlaufe des Tages mehrfach geändert hat", sagte Medwedew. Er fügte hinzu: "Unsere Kollegen haben Kopfschmerzen wegen der Lage in Griechenland und wegen der in Italien und Spanien."
als/dpa/dapd
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wirtschaft | Twitter | RSS |
| alles zum Thema IWF | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH