G7-Treffen US-Bankier warnt vor undurchsichtigen Hedgefonds

Die G7-Finanzminister setzen auf freiwillige Selbstkontrolle. Doch einflussreiche US-Banker warnen: Der Kollaps eines Fonds könnte die Weltwirtschaft in Wanken bringen. Höchste Zeit, die klandestine Branche zu durchleuchten, fordert Ex-Citigroup-Chef Weill im SPIEGEL-Interview.

Von Gabor Steingart und , New York


Hamburg/New York - Der ehemalige Chef der weltgrößten Bank, der Citigroup in New York, fordert die in Deutschland tagenden G7-Finanzminister auf, die hochspekulative Hedgefonds-Industrie zu kontrollieren: "Hedgefonds müssen gegenüber einer öffentlichen Kontrollinstanz endlich ihre Bücher öffnen. Wir brauchen eine oberste Kontrollinstanz, die sämtliche Handelspositionen überblickt und hoffentlich im Voraus erkennen kann, wo eine gefährliche Geldkonzentration entsteht und welche Auswirkungen das haben könnte."

Ex-Citigroup-Chef Weill: Kaum jemand hat Gespür für die Branche
U.S. Department of State

Ex-Citigroup-Chef Weill: Kaum jemand hat Gespür für die Branche

Weill hält die fehlende Transparenz der Hedgefonds, die im Wesentlichen hochspekulative und auf Kredit basierende Aktien- und Rohstoffgeschäfte abschließen, für eine Gefahr für die Weltwirtschaft: "Das Missverhältnis von Fremd- und Eigenkapital ist bei ihnen enorm. Sie investieren nicht nur ihr eigenes Geld, sondern in viel größerem Ausmaß geliehenes Kapital."

Wenn dann unvorhergesehene Ereignisse das Marktgeschehen veränderten oder wenn der Geldzufluss austrockne, dann wird es schwer, sich in Sicherheit zu bringen.

Als Beispiel für die Gefahren führt Weill den Hedgefonds Long Term Capital Investment (LTCM) an, dessen Zusammenbruch 1998 beinahe zu einer globalen Finanzkrise geführt hätte. Die Fondsmanager hätten insgesamt 100 Milliarden Dollar investiert, obwohl sie lediglich 3,5 Milliarden Dollar an eigenen Mitteln besaßen. Um nach ein Jahr nach der Asien-Krise und den andauernden Problemen mit den russischen Rubel eine weitere globale Finanzkrise zu verhindern, hätten die Banken 3,6 Milliarden Dollar an frischem Kapital investieren müssen. Danach erst habe LTCM in einem drei Jahre andauernden Verfahren liquidiert werden können.

Die Krise habe den Beleg dafür geliefert, dass kaum jemand Gespür dafür habe, wie diese Branche funktioniert. " Die Leute hielten sich für bestens abgesichert, wenn sie nur in etliche unterschiedliche Hedgefonds investiert hatten. Nach dem Motto: Wenn einer schlecht läuft, gleicht das der Nächste schon aus."

Handelsraum der weltgrößten Warenterminbörse CBOT (Chicago Board of Trade): "Das Missverhältnis von Fremd- und Eigenkapital ist bei Hedgefonds enorm"
Getty Images

Handelsraum der weltgrößten Warenterminbörse CBOT (Chicago Board of Trade): "Das Missverhältnis von Fremd- und Eigenkapital ist bei Hedgefonds enorm"

Welcher Schaden entstehen könne, wenn Kontrolle fehle zeige überdies das Beispiel Amaranth. Der Hedgefonds hatte mit großen Summen auf Energiepreise gewettet. "Dummerweise ist der Unterschied zwischen den Preisen im Winter und jenen zu anderen Jahreszeiten völlig anders ausgefallen, als es die Amaranth-Manager erwartet hatten. In kürzester Zeit entstand ein Verlust von sechs Milliarden Dollar, und der Fonds wurde liquidiert."

Dem Einwand, die meisten Banker würden lieber im Stillen ihren Geschäften mit den Hedgefonds nachgehen, widerspricht Weill: Die Manager der gut geführten Institute wehrten sich nicht gegen Offenlegungspflichten. "In der Citigroup hatten wir ständig etwa 60 oder 70 Leute aus dem US-Finanzministerium im Haus. Die hatten ein eigenes Büro und haben unsere Zahlen Tag für Tag geprüft. Ich fand das extrem hilfreich."

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Ähnlich sollte es bei den Hedgefonds laufen, ergänzte der Bankmanager: "Wir brauchen eine oberste Kontrollinstanz, die sämtliche Handelspositionen überblickt und hoffentlich im Voraus erkennen kann, wo eine gefährliche Geldkonzentration entsteht und welche Auswirkungen das haben könnte. Es ist doch viel besser, ein aufziehendes Problem frühzeitig anzugehen, als hinterher den Schaden aufzuräumen."

Lesen Sie das vollständige Interview mit Ex-Citigroup-Chef Weill im neuen SPIEGEL.



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