Garantiefonds Die Rheumadecke unter den Geldanlagen

Garantiefonds sind seit jeher Renditekrücken. Union Investment, der Fondsdienstleister der Genossenschaftsbanken, lanciert dennoch immer wieder ein solches Investment-Vehikel - mit undurchschaubaren Inhalten und Verkaufsanreizen wie bei einer Kaffeefahrt.

Von Christian Kirchner

Zentrale von Union Investment: Ganz schön kompliziert
Union Investment

Zentrale von Union Investment: Ganz schön kompliziert


Tragen Fast-Food-Läden, Chipshersteller und Konditoreien eine Mitschuld am ungesunden Ernährungsverhalten? Oder bleibt am Ende jedem selbst überlassen, was er isst? Darüber kann man trefflich streiten.

Bei der Anlageberatung liegt der Fall ähnlich. Es wimmelt von überflüssigen und teuren Produkten. Kritik bügeln deren Anbieter gerne mit einem Satz ab: "Der Kunde wünscht das eben so!"

Ein gutes Beispiel für eine solche überflüssige Produktgattung sind Garantiefonds. Nach Abzug der Gebühren bringen diese selten mehr als klassische, risikoarme Spar- und Anlageprodukte ein, oft aber weniger.

Allein - die Kunden schätzen das wohlig-warme Gefühl im Bauch, zumindest zu einem festen Stichtag in der Zukunft das Geld sicher zurückgezahlt zu bekommen. Wer kann dazu schon nein sagen?

Ein kluger Anleger zum Beispiel. Die Fondsdatenbank der FWW GmbH etwa weist trotz der starken Kapitalmarktentwicklung in den vergangenen drei Jahren für die Garantiefonds je nach Ablaufzeitpunkt Durchschnittsrenditen von 0,8 bis 2,5 Prozent pro Jahr aus, Tendenz fallend. Nach Abzug von Ausgabeaufschlägen, der Abgeltungsteuer und Berücksichtigung der Inflation grenzt es an ein Wunder, wenn ein Anleger in den vergangenen Jahren mit Garantiefonds überhaupt eine schwarze Null geschrieben hat.

Und das ist die rosige Vergangenheit. Die Zukunft sieht noch düsterer aus, weil die neu aufgelegten Produkte aufgrund der extrem niedrigen Zinsen nur unakzeptabel schlechte Konditionen bieten können. Der Garantiefondsmarkt ist binnen drei Jahren um ein Fünftel geschrumpft, trotz der stark sicherheitsorientierten Anleger.

Undurchschaubare und lückenhaft dokumentiere Konstruktionen

Manche Anbieter reagieren wenig zimperlich auf die neue Lage. Sie verwandeln neu aufgelegte Garantiefonds in undurchschaubare und lückenhaft dokumentiere Konstruktionen mit exotischen Indizes, in denen bestenfalls noch Finanzmathematiker abschätzen können, welche realistische Chancen auf Renditen jenseits des Sparbuchzinses bestehen.

Eine aktuelles Angebot des Marktführers bei Garantiefonds, der Union Investment, zeigt, zu welchen Auswüchsen die Niedrigzinsphase inzwischen geführt hat. "Auf ein starkes Ensemble vertrauen. Aber sicher", heißt es groß auf den Internetseiten vieler Genossenschaftsbanken, für die die Union der Fondsdienstleister ist. Dazu illustrieren Bilder von Orchestern ein wohlklingendes Zusammenspiel. Angepriesen wird so der "UniGarant Chancen Vielfalt 2020 II"-Garantiefonds - und ein schneller Abschluss wird belohnt: Die ersten 200 Käufer des Fonds, die etwa über die Sparda West mindestens zehn Riesen anlegen, erhalten einen Reisegutschein über 200 Euro. Bei anderen Banken, wie etwa der Vereinigten Volksbank in Baden-Württemberg, gibt es gar für jeden Zeichner einen 100-Euro-Reisegutschein.

Woran man genau partizipiert, bleibt völlig nebulös

Reisegutscheine für Leute, die Anlageprodukte möglichst rasch kaufen? Das klingt eher nach Kaffefahrten-Rheumadeckenverkauf denn seriöser Geldanlage. Und so wie auch der Erfolg von Leibwärmern gegen Gelenkweh wissenschaftlich mindestens umstritten ist, ist die segensreiche Wirkung dieses Garantiefonds für die künftige Rendite vollkommen undurchschaubar.

Denn der Anbieter garantiert zwar die Rückzahlung des eingezahlten Geldes im Jahr 2020 - abzüglich Ausgabeaufschlag, Steuerabzüge, Ausschüttungen, versteht sich. Doch woran man genau partizipiert, bleibt völlig nebulös. Man profitiere "mittelbar von der durchschnittlichen Entwicklung mehrerer Märkte". Genauere Informationen außer unzähligen Marketing-Blubberblasen gibt es weder im Kundeninformationsdokument noch im Verkaufsprospekt.

Erst Nachfragen beim Anbieter und der Blick in Vorgängerfonds legen offen, dass Anleger mit einer in der Zeichnungsphase noch nicht näher bestimmten Rate an der Kursentwicklung des "Barclays Union Investment Multi Asset RC-10% Excess-Return-Index" profitiert. Wie der genau zusammengesetzt ist, wie er sich entwickelt hat in der Vergangenheit - darüber erfährt man bei der Union nichts. Derlei Daten seien Eigentum und Sache der Indexanbieter wie Barclays, auf Nachfrage teile sie der Berater mit, heißt es bei der Union. Aufwand und Kosten für eine Veröffentlichung seien angesichts fehlender Kundennachfrage nach diesen Informationen zu hoch.

Die Zusammensetzung des Index über die verschiedenen Anlageklassen jedenfalls wird fortlaufend verändert, und je nach Schwankungen der Märkte wird das Risiko rauf- und runtergefahren. Dass Anleger nur an der "durchschnittlichen", quartalsweise ermittelten Kursentwicklung partizipieren, klingt eigentlich gut. "Dadurch werden die Wirkungen von Marktschwankungen gemildert", heißt es im Werbeprospekt. Tatsächlich ist diese Funktion eine enorme Renditebremse, sie kostet langfristig die Hälfte des Ertrags (hier mehr dazu) und dient vor allem dazu, die vom Anbieter eingekauften Optionen zu verbilligen.

Die bisherige Kursentwicklung macht wenig Hoffnung

Da nun nicht mehr die Kursentwicklung eines mehr oder minder bekannten Index wie dem Dax Chart zeigen oder EuroStoxx Chart zeigen Stoxx Chart zeigen , sondern eine exotische Eigenkreation maßgeblich für die Rendite ist, gehen Anleger in einen performancetechnischen Blindflug über.

Was ihnen egal sein könnte, solange solche - auch von der Konkurrenz wie etwa der Deka - emittierten Garantiefonds mit exotischen Basiswerten auch funktionieren. Doch das tun sie nicht. Der eigens entwickelte Index hat seit Auflage im April 2011 1,2 Prozent pro Jahr eingebüßt, die entsprechenden Garantiefonds besonders in den vergangenen Monaten aufgrund der ungünstigen Zinsentwicklung noch mehr. Daraus macht die Union auch keinen Hehl in ihren Prospekten: Das Geld ist nur zum Laufzeitende garantiert, zwischendurch können die Kurse schwanken.

Und tatsächlich: An den Aktienmärkten geht es stetig bergauf. Für den annähernd gleichnamigen, bis 2019 laufenden Vorgängerfonds des "UniGarant Chancen Vielfalt 2020 II" aber steht seit Auflage Ende 2012 ein Minus von gut vier Prozent zu Buche, und das ohne Berücksichtigung des Ausgabeaufschlags und trotz starker Entwicklung riskanter Anlageklassen in diesem Jahr. Damit ist er keine Ausnahme: Im laufenden Jahr haben die in den vergangenen beiden Jahren emittierten Union-Garantiefonds auf exotische Indizes im Schnitt ein knappes Prozent eingebüßt. Die Union verweist auf die Zinsentwicklung als einen Grund - und dass die im Fonds enthaltenen Optionen erst zum Laufzeitende ihre volle Wirkung entfalten könnten. Das zeige sich an den guten Renditen bereits aufgelegter Garantiefonds. Zudem lägen "die Wertentwicklungschancen neuer Garantiefonds über den aktuell zu erzielenden Renditen vergleichbarer Angebote wie Tagesgelder oder Bundesanleihen".

Wie man es auch dreht und wendet: Die bisherige Kursentwicklung macht wenig Hoffnung, dass man die Niedrigzinsprobleme für Garantiefonds mit "Financial Engineering" weghexen kann. Daran kann auch eine lückenhafte Dokumentation der Anlagestrategie und das Ausloben von Reisegutscheinen wenig ändern.



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insgesamt 18 Beiträge
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Seite 1
braman 12.09.2013
1. Fonds
Gibt es noch Leute die Fonds kaufen, gleich welcher Art?? MfG: M.B.
jwalter2 12.09.2013
2. Problem der
Die vermeintlich "großen" sind in der Rendite für den Anleger meist die "kleinen". Wirklich groß sind Sie in versteckten Gebühren, die idR. die Managementgebühr betreffen sowie den Ausgabeaufschlag. Diese Gebühren werden vereinnahmt, ohne das der Fondmanager einen wirlichen Perfomancedruck hat (denn er verdient "fix"). Anders bei kleinen, sog. Boutiquen: Diese Assetmanager haben sich irgendwann einmal selbstständig gemacht un geben idR. den Kostenvorteil eines kleinen Hauses an Ihre Kudnen weiter. Zusätzlich ist ein "ehrliches" Produkt an einer hohen Performance-Gebühr zu erkennen (10-20% nach high watermark prinzip) und einer vergleichsweise kleinen Managementgebühr (0,5-1%). Auch wird oft von den kleinen KEIN Ausgabeaufschlag verlangt. Der Manager verdient nur, wenn er auch Rendite für seinen Kunden generiert.
jwalter2 12.09.2013
3. Ergänzung,
an einer privaten Lebensversicherung verdient ein Vermittler etwa 2-3teur, an einem Bausparvertrag 0.8-1,5% der Bausparsumme und für einen Investmentfonds einer großen Gesellschaft sind schnell 2-5% Ausgabeaufschlag fällig plus 1-1,5% Managementgebühr plus div. andere Kosten (Depotführung, Depotbankgebühr, Prüfer ect.). Es gibt gute Fonds mit günstigen Gebühren, nur eben meist bei kleinen Gesellschaften. Würden Sie 4.5% Gebühr bei einem Baussparvertag mit 1% Guthabenszins zahlen? Leider könen die wenigstens heutzutage lesen was sie unterschreiben....
vhe 12.09.2013
4.
Zitat von bramanGibt es noch Leute die Fonds kaufen, gleich welcher Art?? MfG: M.B.
Klar, sonst würde es die Dinger ja nicht mehr geben. Fonds sind eine prima Sache - sie bringen schön regelmäßige Erträge in Form von Gebühren, und zwar praktisch unabhängig von der Performance. Plus Ausgabeaufschläge und Vertriebskosten, so dass das Marketing und die Vertriebler in den Filialen auch noch was davon haben. Klar, manchmal kommt man nicht umhin, auch den Anlegen etwas vom Kuchen abzugeben, aber dieses Problem wird sich auch noch lösen lassen.
Steuerzahler0815 12.09.2013
5.
Was die Linken sagen dass die Reichen automatisch ohne was zu tun reicher werden stimmt so eben nicht
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