Gasprom-Lieferstopp Ukraine sichert Westeuropa reibungslosen Gas-Transit zu

Gasprom hat seine Lieferungen an die Ukraine am Neujahrsmorgen komplett gestoppt - der Gasexport des russischen Staatskonzerns nach Westeuropa soll aber ungestört durch das Land geleitet werden. Dies versicherte das Außenministerium in Kiew.


Moskau/Kiew - Die Ukraine hat der Europäischen Union am Neujahrstag den reibungslosen Transit von russischem Gas zugesichert. Die Verträge würden erfüllt, obwohl Russland seine Gaslieferungen an die Ukraine eingestellt habe, sagte der Sprecher des ukrainischen Unternehmens Naftogas, Valentin Semljanski, der Agentur Interfax zufolge in Kiew. Auch das Außenministerium in Kiew garantierte den Transit.

Gasleitung bei Kiew: Transit nach Westeuropa läuft ungestört
AP

Gasleitung bei Kiew: Transit nach Westeuropa läuft ungestört

Russlands Gasmonopolist Gasprom hatte zuvor die Belieferung der Ukraine komplett eingestellt, weil die Verträge zwischen Moskau und Kiew am Donnerstag ausgelaufen waren. Nach Angaben von Gasprom-Sprecher Sergej Kuprijanow wurde der Lieferumfang für die ukrainischen Verbraucher von 110 Millionen Kubikmeter pro Tag auf null gesetzt. Die Versorgung der Bevölkerung in der Ukraine soll nach Angaben des Naftogas-Direktors Oleh Dubina zunächst aus eigenen Reserven bestritten werden. Diese würden bis Anfang April ausreichen.

Sergej Kuprijanow sagte in Moskau, dass die Exporte nach Westeuropa über separate Leitungen durch die Ukraine um 20 Millionen Kubikmeter auf 326 Millionen Kubikmeter pro Tag erhöht worden seien. Russland befürchtet, dass die Ukraine illegal Gas für eigene Zwecke abzapfen könnte. Durch die Verbindung werden etwa achtzig Prozent des russischen Gases für Westeuropa geleitet. Deshalb baut Russland derzeit auch eine weitere Pipeline durch die Ostsee unter Umgehung der Ukraine und anderer osteuropäischer Länder.

Der Streit zwischen Gasprom und der Ukraine wird in Brüssel mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Europa bezieht etwa ein Fünftel seines Gases über die Pipeline in der Ukraine. Vor drei Jahren war bei einem ähnlichen Streit zeitweise weniger Gas nach Deutschland gelangt.

Die Ukraine hat inzwischen die EU um Vermittlung gebeten. Ein entsprechender Brief von Präsident Viktor Juschtschenko sei am Mittwochabend an die EU-Kommission gegangen, sagte ein Vertreter der Ukraine in Brüssel. Laut der russischen Agentur Interfax hat die Ukraine zudem neue Gespräche mit Russland angeboten.

In dem vielschichtigen Streit ging es zuletzt um eine Einigung auf neue Gaspreise. Gasprom will den Preis für die Ukraine von zuletzt etwa 180 Dollar pro 1000 Kubikmeter auf 250 Dollar erhöhen. Damit müsste die ehemalige Sowjetrepublik für das russische Gas immer noch nur etwa halb so viel zahlen wie andere europäische Kunden. Trotzdem lehnt die Ukraine die Erhöhung ab. Die Regierung in Kiew will nach Angaben der russischen Agentur Interfax höchstens 201 Dollar pro 1000 Kubikmeter Gas zahlen.

Neben dem Gaspreis streiten beide Seiten auch über die Gebühren, die Russland an die Ukraine für die Durchleitung des Brennstoffs nach Westeuropa zahlt. Russland will die Transitgebühr bei 1,70 Dollar (pro 1000 Kubikmeter) belassen, während die Ukraine eine Erhöhung auf mindestens zwei Dollar anstrebt.

cai/mik/Reuters/dpa



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