Gebäckfirma Lambertz Von Printen und Promis

Er ist mit Bill Clinton und Bill Gates bekannt, mit Boris Becker und Mario Adorf sowieso: Hermann Bühlbecker, Chef der Backfirma Lambertz, verzichtet auf klassische Werbung - und hat sich und sein Unternehmen dennoch bekannt gemacht.

Von Karsten Stumm, Düsseldorf


Aachen - Printen, Printen, Printen - wo man auch hinschaut. Auf dem Bauchnabel der Laufstegschönheit, auf ihrem Dekolleté, als Collier weit über die Schultern geworfen, sogar zum Hütchen geformt. Und dort oben, auf dem Kopfschmuck des Süßwarenmodels Yvonne Hölzel, klebt auch das Veranstalterlogo: "Lambertz. Seit 1688."

Der Aachener Unternehmer Hermann Bühlbecker hatte zu seiner legendären "Monday Night" in den "Alten Wartesaal" in Köln gebeten: mit Oben-ohne-Fräulein in Schokoglasur, Models in Schokodessous - und prominenten Gästen dazu. Mario Adorf war da, Chris de Burgh, Vitali Klitschko, auch die Topmodels Tereza Maxova und Alexandra Rosenfeld (Miss Europe 2006). Ebenso Hollywood-Star Fay Dunaway und der Chef der Einzelhandelsgruppe Metro Chart zeigen, Hans-Joachim Körber.

Auch Fußballnationalspieler Gerald Asamoah kam. Allerdings zu spät, um Model Hölzel noch in ihrem Schokoschurz bewundern zu können. "Ausgefallen" sagt Bühlbecker nachher. "Die Yvonne hat Original-Lambertz-Accessoires getragen, die nur für diesen Auftritt kreiert worden sind. Haben Sie das gesehen?"

Bühlbecker gehört die Aachener Printen- und Schokoladenfabrik Lambertz, die in Deutschland fast jedes Kind wegen ihres Weihnachtsgebäcks kennt. Doch Lambertz ist mehr: Die Firma gilt nach dem Branchenprimus Bahlsen als zweitgrößtes Gebäckunternehmen hierzulande, mit dem Bühlbecker mittlerweile fast eine halbe Milliarde Euro Umsatz macht. Und die Party im "Alten Wartesaal" ist Teil des Geschäfts.

"Jede dieser Lambertz Monday Night ist Live-Kommunikation mit den Kunden, übermittelt von Rundfunk und Fernsehen. Jeder Auftritt von Bühlbecker dort ist ein Statement, wie ein Titelbild, ein TV-Moment oder ein Zitat im SPIEGEL", sagt der Geschäftsführer einer Berliner Werbeagentur dazu.

Reporter empfängt Bühlbecker im "Vitrine-Saal" seiner Fabrik in Aachen, einem nüchternen, lang gestreckten Besprechungsraum, in dem die Produkte des Hauses in großen Glasvitrinen ausgestellt sind. Etwas zurückgelehnt vom Konferenztisch denkt er einige Sekunden über den Satz des Marketingexperten nach, bis er sagt: "Wir machen nicht viel Werbung. Ich kaufe beispielsweise keine teuren Fernsehspots oder Anzeigen in Hochglanzmagazinen. Stattdessen haben wir entschieden, bei großen Veranstaltungen als Unternehmen dabei zu sein und so den Blick der Leute auf uns zu lenken."

Vor allem Frauen kaufen

Da trifft es sich gut, dass Boulevardpresse und Frauenzeitschriften regelmäßig über seine prominenten Gäste berichten, "Bunte" und "Gala" und "Frau im Spiegel" etwa. Der Hauptteil ihrer Leser zählt auch noch zu den wichtigsten Kunden des Gebäckproduzenten: "Unsere süßen Produkte kaufen vor allem Frauen", sagt Bühlbecker.

Den Erfolg seiner Eigenreklame können Besucher in der "Galerie" des Unternehmens ablesen, einem nüchternen Sitzungszimmer, meterlang mit Beweisen seiner Schokoladenbekanntschaften geschmückt: Links hängen Fotos und Briefe der Politiker und Wirtschaftsbosse, rechts die der Sportstars und Sternchen. Die Galerie der Bühlbeckerschen Printenfreundschaften ist geteilt.

Es hört sich an, als gäbe es in Bühlbeckers Welt keine Übernahmeversuche, nur Cocktails, keine Absatzeinbrüche, nur Galas. Doch das ist ein Irrtum, und wenn er sich auflöst, ist Lambertz' langer Unternehmenswandel zu sehen und dahinter, mal größer, mal kleiner, der Firmenlenker Bühlbecker. Er hat einen weiten Weg hinter sich gebracht.

Der 54-Jährige hat die eigene Firma innerhalb von 28 Jahren von 8 Millionen Euro Umsatz auf 463 Millionen Euro hochgezogen. Dazu das einst angestaubte Produktsortiment auf Vordermann gebracht. Eine Vielzahl weiterer Gebäcksorten neben den ehrwürdigen Printen ins Programm genommen, Biowaren noch dazu. In neue Produktionsstraßen investiert. Die traditionsreichen, aber unhandlichen Blechverpackungen seiner Väter über Bord geworfen und gegen kleine Pappkartonagen getauscht - und sich durch all das als Lieferant für die großen deutschen Handelsketten interessant gemacht.

"Die großen Blechdosen passten einfach nicht ins Kuchenregal der Supermärkte", sagt Bühlbecker im Rückblick lakonisch. Irgendwann war sein Unternehmen groß genug, um inländische Konkurrenten zu übernehmen. "Unser Haus zählt zu Deutschlands Standards", sagt Bühlbecker. Das ist der andere Teil von Bühlbeckers Leben.

Mittlerweile beliefert er von Edeka bis Aldi fast alle namhaften Supermarktfirmen: die besonders hochwertigen Waren unter dem eigenen Logo, nicht ganz so aufwendige Artikel unter den Schriftzügen der billigeren Discounter. Fast ein Drittel seines Umsatzes macht der Alleinbesitzer der Firma Lambertz derzeit mit Aldi und Co. Er ist trotzdem noch nicht am Ziel.

Jimmy Carter antwortete selbst und handschriftlich

Ihn zieht es jetzt ins Ausland, den deutschen Handelshäusern auf ihrem Marsch in den Osten hinterher. Der Exportanteil der Aachener Printen und Schokoladenfabrik Lambertz soll von derzeit 13 Prozent des Umsatzes auf 30 Prozent im Laufe des Jahrzehnts steigen. Die Produktion in Polen läuft schon. "Die Polen lieben Lebkuchen, nicht nur zur Weihnachtszeit", sagt Bühlbecker.

Aus dem Nachbarland heraus liefert er bereits nach Tschechien, Slowenien, auch in die Ukraine. Demnächst könnte ein Joint Venture in Russland folgen, irgendwo im Einzugsbereich der Megastädte Sankt Petersburg oder Moskau. Und bald will er sein Naschwerk in Amerika verkaufen.

Erst kürzlich wurde er vom früheren US-Präsidenten zum Clinton Global Initiative Meeting nach New York eingeladen - zusammen mit internationaler Prominenz von Warren Buffett über Bill Gates bis zu Ex-US-Außenminister Colin Powell. "Ich war selber überrascht, als die Einladung kam: 'Würde mich freuen, wenn du auch kommst', stand darauf. Das fand ich wirklich sehr aufmerksam."

"Kürzlich war Bill Clinton in Iserlohn, da habe ich ihn natürlich schnell besucht", fällt Bühlbecker noch zu Clinton ein. Auch noch, dass der Ex-Präsident Lambertz' Lebkuchen wirklich mag.

Irgendwo in dem Papierstapel auf dem Konferenztisch vor ihm findet er noch die Kopie eines Briefs von Jimmy Carter. Den hat Bühlbecker auch schon angesprochen, wie viele Tonnen Nüsse der Ex-Präsident und Farmer wohl liefern könnte. "Carter hat selbst und handschriftlich geantwortet", sagt Bühlbecker. Er eröffnet jetzt eine eigene Repräsentanz in New York. Er kann drüben wieder jeden Ansprechpartner gebrauchen.



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