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Gehälter der DGB-Bosse: Ver.di veröffentlicht, IG Bau mauert

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CSU-Chef Stoiber verlangt, Einkünfte von Gewerkschaftsvorsitzenden offenzulegen. Im DGB-Lager fällt die Resonanz auf den Vorstoß unterschiedlich aus, wie eine Umfrage von SPIEGEL ONLINE zeigt. Einige Gewerkschaften geben Auskunft über das Chefgehalt, andere schweigen.

DGB-Logo: Veröffentlichungspflicht für Gewerkschafter gefordert
DPA

DGB-Logo: Veröffentlichungspflicht für Gewerkschafter gefordert

Hamburg - "Auch Gewerkschaftsführer sollten ihre Bezüge offen legen, damit man weiß: Gibt es da irgendwelche Interessenkonflikte?", sagte Stoiber in einem "Stern"-Interview. Die Veröffentlichungspflicht solle nicht nur für Manager gelten, erklärte Edmund Stoiber und unterstützte damit eine Forderung des möglichen Koalitionspartners FDP.

Neu ist diese Idee nicht. Allerdings gewinnt die Debatte im Zuge der Lustreisen-Affäre bei Volkswagen an Dynamik. Bei dem Autobauer hatte es einen besonders krassen Fall von intransparenten Zahlungen an Gewerkschafter gegeben. Diese hatten in den vergangenen Jahren laut Presseberichten eine hohe sechsstellige Summe kassiert, ohne dass für die Verwendung Quittungen oder Rechnungen vorliegen. Nun wird bezweifelt, dass die Betriebsräte vor diesem Hintergrund ihre Aufgabe als Vertreter der Arbeitnehmer angemessen wahrgenommen haben.

Bei den Mitgliedern des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) gibt es zur Forderungen nach mehr Transparenz unterschiedliche Meinungen. Einige Organisationschefs geben auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE bereitwillig Auskunft über ihr Einkommen, andere schweigen zu ihren Einkünften.

Die Schweiger im DGB

Die IG BAU etwa lehnt als große DGB-Organisation die Veröffentlichung des Gehalts ihres Bundesvorsitzenden Klaus Wiesehügel ab. "Das ist allein Sache der jeweiligen Gewerkschaft. Stoibers Vorstoß ist der Versuch, einen Zusammenhang zur Volkswagen-Affäre herzustellen, der nicht vorhanden ist", sagt ein Sprecher.

IG-Metall-Chef Peters: Laut Presseberichten der Spitzenverdiener unter den DGB-Chefs
DPA

IG-Metall-Chef Peters: Laut Presseberichten der Spitzenverdiener unter den DGB-Chefs

Wie viele Gewerkschaftschefs wird Wiesehügel nicht nur von seiner Organisation bezahlt, sondern erhält zusätzliche Vergütungen als Aufsichtsratsmitglied. Der IG-BAU-Boss beispielsweise sitzt im Kontrollgremium des Hochtief-Konzerns Chart zeigen. Allerdings gilt hier wie bei den anderen DGB-Mitgliedern, dass die Aufsichtsratstantiemen zu 95 Prozent an die Hans-Böckler-Stiftung abgeführt werden müssen. Mit dem Geld werden dann unter anderem Forschungsprojekte und Studienstipendien finanziert.

Auch die IG Metall schweigt zu den Einkünften ihrer Chefs. Laut Presseberichten kassiert Jürgen Peters ein monatliches Bruttogehalt von 16.900 Euro, sein Stellvertreter Berthold Huber erhält demnach 13.520 Euro. Die IG Metall will die Zahlen weder bestätigen noch dementieren.

Mit der Gewerkschaft der Polizei hat auch eine kleinere DGB-Organisation geringen Mitteilungsbedarf, was das Gehalt der Vorsitzenden angeht. GdP-Chef Konrad Freiberg veröffentlicht sein Salär nicht.

Gehaltsspannen zwischen 7800 und 13.000 Euro

Während einige DGB-Chefs hartnäckig schweigen, geben sich andere demonstrativ transparent. Allen voran Hubertus Schmoldt, Chef der IG BCE, hat kein Problem mit der Veröffentlichung seines Gehalts. "Inklusive Urlaubs- und Weihnachtsgeld verdient Herr Schmoldt monatlich im Schnitt 10.125 Euro brutto", erklärt ein Sprecher. Der IG-BCE-Vorsitzende verwies gegenüber der Tageszeitung "Die Welt" auf das Vorbild Schweden, wo Arbeitnehmervertreter ihre kompletten Bezüge offen legen. "Das schafft Klarheit und Akzeptanz", erklärte Schmoldt.

Ver.di-Chef Bsirske: 13.000 Euro im Monat
DDP

Ver.di-Chef Bsirske: 13.000 Euro im Monat

Die Dienstleistergewerkschaft Ver.di als eine der größten DGB-Organisationen setzt ebenfalls auf Transparenz und legt das Gehalt ihres Chefs Frank Bsirske offen. "Herr Bsirske verdient brutto 13.000 Euro im Monat", erklärt eine Sprecherin auf Anfrage. Franz-Josef Möllenberg, Chef der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) erhält nach NGG-Angaben dagegen ein monatliches Bruttogehalt in Höhe von 7965 Euro.

Auch die Eisenbahnergewerkschaft Transnet und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) veröffentlichen das Gehalt ihrer Vorsitzenden. Transnet-Boss Norbert Hansen verdient nach Angabe eines Sprechers 7800 Euro. Der neue GEW-Chef Ulrich Thöne ist nach eigenen Angaben "prinzipiell bereit", sich zu seinem Salär zu äußern, muss allerdings erst mögliche Veränderungen seines Einkommens in der jüngeren Zeit prüfen. Seine Vorgängerin Eva-Maria Stange jedenfalls kassierte 8178 Euro.

Warnung vor billigen Populismus

Beobachter begrüßen die Veröffentlichung der Gehälter. "Das sorgt für mehr Transparenz. Wenn die Gewerkschaftsmitglieder die Offenlegung fordern, müssen die Vorsitzenden dem nachkommen", sagt der Gewerkschaftsexperte Walther Müller-Jentsch.

Allerdings kritisiert er, dass jetzt ausgerechnet CSU-Chef Stoiber die Gewerkschaften auf diesem Feld attackiert. "Das ist billiger Populismus", so Müller-Jentsch. "Dann müssten auch alle anderen Verbände und vor allem die Politiker ihr Einkommen veröffentlichen."

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