Prozess wegen Steuerhinterziehung Ex-Geheimagent Mauss schweigt vor Gericht

Jahrzehntelang war er als Geheimagent im Einsatz - auch für die Bundesregierung. Jetzt steht Werner Mauss mit seinen drei Alias-Identitäten wegen Steuerhinterziehung vor Gericht.

Werner Mauss (M.) mit seinen Verteidigern
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Werner Mauss (M.) mit seinen Verteidigern


Der ehemalige Geheimagent Werner Mauss muss sich vor dem Landgericht Bochum wegen Steuerhinterziehung verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 76-Jährigen nach Gerichtsangaben Steuerhinterziehung in den Jahren 2002 bis 2013 vor. Es geht um rund 15 Millionen Euro.

Zum Prozessauftakt am Montag erschien der 76-Jährige in einem Parka mit schützender Kapuze. Zu den Vorwürfen äußerte er sich am ersten Verhandlungstag nicht. Von Mauss existierte jahrzehntelang nicht einmal ein Foto, er galt als Phantom.

Nach Ansicht seiner Verteidiger unterliegt Mauss einer Geheimhaltungspflicht und müsste eine Aussagegenehmigung der obersten Bundesbehörden erhalten. "Wir haben um eine Klärung gebeten", sagte Verteidiger Rainer Hamm. "Dies ist jedoch noch nicht vollständig geschehen."

Richter Markus van den Hövel sieht allerdings im Moment keinen Grund, die Bundesregierung oder den Verfassungsschutz einzuschalten. "Ein Kausalzusammenhang zwischen einer sachgerechten Verteidigung und einer Aussagegenehmigung ist zurzeit nicht zu erkennen", lässt er im Prozess die Anwälte wissen. Auch die Staatsanwaltschaft sei da ganz seiner Meinung.

Die Anklageschrift nennt drei Alias-Namen

Laut Anklage hat Mauss seit den späten Achtzigerjahren unter verschiedenen Alias-Namen immer wieder Geld im Ausland angelegt. Es gehe um Beträge von bis zu 60 Millionen US-Dollar.

Die millionenschwere Umsätze sollen über Stiftungen und Nummernkonten gelaufen sein. So soll Mauss im Jahr 2007 etwa eine Unternehmensanleihe zum Nennwert von zehn Millionen US-Dollar erworben haben, die "unter erheblichem Verschleierungsaufwand" auf ein Stiftungskonto beim Geldinstitut UBS-Luxemburg S.A. übertragen worden sein soll. Nach zwei weiteren Transaktionen sei das Geld schließlich auf dem Konto einer Firma mit Sitz auf den Bahamas gelandet.

Die Staatsanwaltschaft wirft Mauss vor, diese und andere Geldanlagen seinem Finanzamt in Essen bewusst verschwiegen zu haben. Für die Jahre 2012 und 2013 sollen gar keine Einkommenssteuererklärungen eingereicht worden sein. Insgesamt soll Mauss Einkünfte aus Kapitalvermögen in Höhe von über 40 Millionen Euro verheimlicht haben. In der Anklageschrift sind drei Alias-Namen aufgeführt.

Eine Steuerhinterzieher-CD, die das Land Nordrhein-Westfalen 2012 von einem Insider der Schweizer Großbank UBS angekauft hat, hat die Ermittler auf die Spur des Ex-Agenten gebracht. Noch im selben Jahr wurde das Anwesen von Mauss im Hunsrück durchsucht.

Geiselbefreiung "unter höchster Lebensgefahr"

Zur Schadenswiedergutmachung hatte Mauss im Dezember 2012 laut Anklage vier Millionen Euro gezahlt. Außerdem hat er eine Kaution in Höhe von einer Million Euro hinterlegt. In Untersuchungshaft musste Mauss deshalb nicht.

Nach eigenen Angaben war Mauss jahrzehntelang in geheimer Mission unterwegs - auch für die Bundesregierung. Seit 2000 berate er vornehmlich Menschenrechtsorganisationen, sagte Mauss im April. Wenn Mitarbeiter etwa von Hilfsorganisationen entführt werden, bemühe er sich "unter höchster Lebensgefahr" um deren Freilassung. Auf diese Weise habe er bereits 43 Menschen das Leben gerettet.

Der Prozess wird am 4. Oktober fortgesetzt. Ein Urteil könnte kurz vor Weihnachten fallen.

sun/dpa



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