Geheimer Investoren-Club Die Sorgen der Mega-Reichen

Einmal im Monat treffen sich 79 US-Multimillionäre zu Geheimsitzungen, um Finanztipps auszutauschen. Dabei plagen die Mega-Reichen ähnliche Sorgen wie den gemeinen Investor. Ihr Wissen, wie man Geld vermehrt, beziehen sie oft aus allseits bekannten Wirtschaftsbibeln - für Laien.

Von , New York


New York - Sie nennen sich die "Tiger" und geben sich meist nur mit ihren Initialen zu erkennen. Einmal im Monat treffen sich die Teilnehmer des verschworenen Zirkels aus 79 superreichen US-Investoren. In sieben Gruppen an geheimen Orten, um Finanztipps auszutauschen, Sorgen und Lebensweisheiten zu teilen, die Lage der Welt zu diskutieren. Oder um einfach nur Spaß zu haben, ohne von Shareholdern, Staatsanwälten oder Journalisten belästigt zu werden.

Händler an der Wall Street: Auch für Superreiche ein oft undurchschaubares Geschäft
DPA

Händler an der Wall Street: Auch für Superreiche ein oft undurchschaubares Geschäft

Die Mitglieder dieser Networking-Clique sind meist ehemalige Firmenchefs und -chefinnen, "die ihr Geschäft verkauft haben" oder "auf der Höhe ihrer Karriere ausgestiegen sind", wie es in der Aufnahmebroschüre heißt. Mit einem Anlagevermögen von 10 bis 100 Millionen Dollar pro Person kommen ihre Gesamtinvestments auf fast sechs Milliarden Dollar. Da macht sich die pauschale Mitgliedsgebühr für "Tiger 21" - 25.000 Dollar im Jahr - fast wie Kleingeld aus.

Wer also wissen will, wie die Investoren-Elite gerade wirklich denkt, welche Fragen sie umtreibt und, überhaupt, wie die Reichen es schaffen, immer reicher zu werden, müsste also nur die "Tiger" fragen ("Tiger 21" steht für The Investment Group for Enhanced Returns in the 21st Century). Leicht gesagt: Jedes Mitglied - darunter Reg Brack, der ehemalige CEO von Time Inc., Thomas Gallagher, Ex-Vizechef des Investmenthauses Oppenheimer, sowie US-Käsemilliardär Carl Wolf - hat sich zuvor verpflichtet, "alle Informationen, die aus der Teilnahme an einer 'Tiger 21'-Gruppe entstehen, streng vertraulich zu behandeln".

"Al-Qaida 2.0 oder 3.0"

Ab und zu aber lassen sich die "Tiger" in die Karten gucken. Und da merkt der einfache Anleger, dass Milliardäre kaum andere Sorgen haben als er: Terrorismus, Finanzen, Bauernfang von Banken, Erbsorgen, Stress. Nur die Dimensionen sind größer.

Einer der letzten Gastredner des Klubs war der selbsternannte - und in Branchenkreisen nicht unumstrittene - US-Terrorexperte Steve Emerson. Er zeichnete ein düsteres Bild der kommenden Jahre: Das Terrornetzwerk Al-Qaida habe sich "rekonstituiert" - "Al-Qaida 2.0 oder 3.0", wie er es nannte - und sei in der Lage, "in unserem eigenen Hinterhof heimischen Krieg zu führen".

Eine weitere Sorge der realen Dagobert Ducks: dubiose Finanzmanager. So merkten zwei "Tiger", als sie ihre Investment-Portfolios bei einer ihrer Sitzungen verglichen, dass sie zwar den gleichen Anlageberater hatten - ihm aber erheblich unterschiedliche Gebühren zahlten.

"Es ist nicht einfach, sich zu entblößen"

Auch die Reichsten brauchen noch Investment-Tipps. Also wählen die "Tiger" bei jeder ihrer finanziellen Gruppentherapien das Portfolio eines Mitglieds aus, um es dann gemeinsam zu zerpflücken und zu kritisieren. "Tiger Talk" heißt das: Da hagelt es oft harsche, doch gut gemeinte Worte - nach dem Motto: Ein Dutzend Köpfe sind schlauer als ein einziger. "Es ist nicht einfach, sich so zu entblößen", sagte "Tiger"-Gründer Michael Sonnenfeldt der "Financial Times". Sonnenfeldt, ein Investmentbanker aus New York, hatte seinen Job nach dem 11. September 2001 aufgegeben.

Interessant auch die empfohlene Lektüreliste für "Tiger"-Mitglieder. Darauf finden sich exakt dieselben Ratgeber, die auch jeder gemeine Anleger im Buchhandel kaufen kann. Zum Beispiel "The World Is Flat", der jüngste Globalisierungs-Bestseller des "New York Times"-Kolumnisten Thomas Friedman, oder "Der Tipping Point" von Malcolm Gladwell und die auch in Deutschland inzwischen populäre Wirtschafts-Laienbibel "Freakonomics".

"Geld erleichtert das Unglück nur"

Andere Weisheiten, die die "Tiger" bisher einander weitergegeben haben: Beim Investieren ist es einfacher, Ärger zu vermeiden, als ihn wieder loszuwerden; wähle deine reichen Freunde mit Umsicht ("Geld gibt einem Idioten nur die Gelegenheit, ein noch größerer Idiot zu werden"); bringe deinen Kindern so früh wie möglich bei, mit Geld richtig umzugehen - notfalls durch den Sparknüppel.

Geld allein, so heißt es ja, mache nicht glücklich, sondern erleichtere das Unglück oft nur. Am Ende müssen alle den gleichen Gesetzen gehorchen, ob reich oder arm - so sehen es zumindest die "Tiger". "Es ist egal, wie viel Geld du hast", sagt Sonnenfeldt. "Wenn du nicht haushalten kannst und ein Budget hast, verschwindet es durchs Fenster."



insgesamt 780 Beiträge
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Seite 1
Martin Franck 24.04.2006
1. Geld und Glück
Das Geld macht ja nicht per se glücklich, aber man kann sich mit Geld Dinge leisten die einen glücklicher machen. So kann man sich ein Haus kaufen mit fließend Wasser, und muss nicht mehr zum Brunnen und Wasser schleppen. Mit elektrischem Stom und Telefon kann man sogar hier an diesem Forum teilnehmen. Jedoch ab einem gewissen Reichtum, macht mehr Geld nicht automatisch auch glücklicher. Wenn man vergißt, dass auch freie Zeit wertvoll ist, dann hat man den Sinn des Geldes nicht verstanden. Geld ist dazu da, um sich solche Dinge zu leisten, wie beispielsweise einen Tag ohne Verdienst. Umgekehrt macht es auch nicht glücklicher wenn man sich lauter Luxus leistet. Die Frage, ob Geld glücklicher macht, scheint also hauptsächlich an der Balanz zu liegen, zwischen Geld und dem wofür das Geld gut ist.
Kurt W., 24.04.2006
2.
---Zitat von sysop--- Geld regiert die Welt und oft unser aller Leben. Viel Geld gleich viel Glück? Oder erleichtert Geld nur das Unglück? ---Zitatende--- Geld macht nicht glücklich, aber es weint sich leichter!
Jochen Binikowski 24.04.2006
3.
Lieber reich und gesund - als arm und krank!
R.S., 24.04.2006
4. Lottomillionäre
---Zitat von Kurt W.--- Geld macht nicht glücklich, aber es weint sich leichter! ---Zitatende--- Ich kenne das anders: Ich heule lieber im Taxi als in der U-Bahn. Von einem anderen Blickwinkel: Es ist doch unvorstellbar, aber eine Studie über 14 Lotto-Gewinner, die im Lotto mehr als eine Mio. Euro gewonnen haben, hat gezeigt, dass sich keiner der Gewinner seinen großen Traum (das Haus in der Toskana, die Weltreise usw.) erfüllt hat. Sie leben alle weiter wie bisher, nur mit einem sicheren finanziellen Kissen. Das ist doch traurig!
w00sh, 24.04.2006
5.
Nein, Geld macht nicht glücklich. Ich bin lieber arm und gesund als reich, hässlich und einsam.
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