Geheimnisvoller Abgang Märklin-Chef Dietz gibt seinen Posten auf

Aus nach nur eineinhalb Jahren: Der Geschäftsführer des Modellbahnherstellers Märklin, Axel Dietz, nimmt seinen Hut. Die Gründe des schnellen Abgangs bleiben im Dunkeln. Sicher ist nur: Dietz hinterlässt eine tief verunsicherte Belegschaft.


Göppingen - Ein Nachfolger ist noch nicht in Sicht, eine richtige Erklärung für den plötzlichen Abgang von Axel Dietz gibt es auch nicht. Der Märklin-Geschäftsführer werde sein Amt Ende des Jahres aus persönlichen Gründen verlassen, hieß es heute lediglich. Dabei hatte Dietz entsprechende Gerüchte vergangene Woche noch heftig dementiert.

Märklin-Mitarbeiterin mit Dampflokomotive: Auch dieses Jahr wird kein Gewinn angepeilt
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Heute verkündete der scheidende Unternehmenschef dazu noch vermeintliche Erfolgsnachrichten. Der Umsatz bei Märklin sei im ersten Halbjahr 2008 um 22 Prozent auf 47 Millionen Euro gestiegen, der Auftragseingang um 12,3 Prozent. "Wir sind auf einem guten Wege, der Markt honoriert unsere Innovationen und Märklin hat im Markt erstmals seit vielen Jahren wieder Schwung", sagte Dietz.

Eine recht freundliche Sicht der Dinge. Denn Gewinne wird das 1000-Mitarbeiter-Unternehmen - entgegen früherer Pläne - auch in diesem Jahr nicht machen. "Unser Ziel ist, 2009 wieder schwarze Zahlen zu schreiben", hieß es am heutigen Montag. Zudem ist Märklin tief verschuldet - schon 2006 überstiegen die Schulden das bilanzielle Vermögen um 6,3 Millionen Euro.

Dabei hat Dietz in den eineinhalb Jahren seiner Amtszeit ein harsches Sparprogramm durchgezogen. 2006 übernahm der britische Finanzinvestor Kingsbridge Capital den kriselnden Modellbahnbauer und rettete ihn damit vor der Insolvenz. Seitdem wurden zwei Werke geschlossen, Hunderte von Stellen abgebaut und Teile der Produktion nach Ungarn und Fernost ausgelagert.

Vor drei Wochen erst informierte Dietz die Belegschaft, dass nach seiner Einschätzung weitere fünf Millionen Euro eingespart werden müssten. In allen Bereichen - "vom Marketing bis zur Müllentsorgung" - müssten die Kosten geprüft werden, sagte Dietz. Angesichts drohender Lohnkürzungen will der Betriebsrat die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens in den nächsten Wochen zunächst von einem externen Prüfer untersuchen lassen. Erst dann sollen weitere Gespräche mit der Geschäftsführung folgen.

Die harte Sanierung verlief auch bisher alles andere als geräuschlos. Im März verließ Finanzchefin Ute Klapdor das Unternehmen, auch der langjährige Verkaufsleiter der Märklin-Marke Trix, Christoph Schmantek, trat ab. Ebenfalls gehen musste Chefentwickler Klaus Kern - nach 23 Dienstjahren. Nach Berichten des "Handelsblatts" wurde er von einem Vorgesetzten einfach in ein Taxi gesetzt mit der Anweisung, das Gelände nicht mehr zu betreten. Dem "Handelsblatt" zufolge hatte Kern auf Qualitätsprobleme bei einer Lok aufmerksam gemacht, die wegen mangelhaften Materials aufgetaucht seien. Weder Kern noch Märklin wollten sich zu den Umständen seiner Kündigung äußern.

ase/AP/dpa-AFX



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