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Geldmarkt: EZB hilft mit weiterer Milliardenspritze

Die US-Kreditkrise hat größere Auswirkungen als angenommen: Zum dritten Mal in Folge seit Donnerstag will die Europäische Zentralbank Milliarden in den Markt pumpen, um den Geldmarkt zu stabilisieren. Die Börse reagiert heute gelassen.

Frankfurt am Main - Die Europäische Zentralbank (EZB) hat heute erneut Milliarden in den Geldmarkt gepumpt. Insgesamt stellte die Notenbank heute 47,665 Milliarden Euro zur Verfügung. Mit dieser Feinsteuerungsoperation unterstütze sie die Normalisierung der Bedingungen am Geldmarkt, teilte die EZB in Frankfurt am Main mit. Am Donnerstag hatte die EZB 94,8 Milliarden Euro in den Markt gepumpt, am Freitag 61,05 Milliarden Euro.

Aktienkurse in Tokio: Positive Vorgaben aus Asien
AFP

Aktienkurse in Tokio: Positive Vorgaben aus Asien

Auch andere Notenbanken weltweit, darunter in Japan, Australien, Kanada und in den USA, hatten dem Geldmarkt finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt.

Beim neuen Tender teilte die EZB ab dem marginalen Zinssatz von 4,06 Prozent zu, und der gewichtete Durchschnittszinssatz lag bei 4,07 Prozent, wie es hieß. Die EZB erhielt Gebote von 59 Banken für den Offenmarktkredit mit einem Tag Laufzeit. Das höchste Gebot lag bei 4,10 Prozent, das niedrigste Gebot bei 4,0 Prozent. Insgesamt wurden 84,452 Milliarden Euro geboten. Die Papiere valutieren heute und verfallen morgen.

Die US-Immobilienkrise hatte vergangene Woche massive Auswirkungen auf die Aktienmärkte. Weltweit brachen an den Börsen die Kurse ein. Angesichts immer neuer Finanzspritzen von den Notenbanken und dem Bekanntwerden, dass die US-Kreditkrise größere Ausmaße hat als bislang angenommen, rechnen Analysten mit einer turbulenten Woche an den Börsen.

Der deutsche Leitindex Dax schlug heute gleichwohl einen Erholungskurs ein. Unterstützung kam zudem von den freundlichen Vorgaben aus Übersee. Der Dax Chart zeigen lag am Vormittag 0,7 prozent im Plus bei 7397 Punkten. Der MDax Chart zeigen der mittelgroßen Werte stieg um 1,2 Prozent auf 10.047 Punkte. Der Technologiewerte- Index TecDax Chart zeigen verlor dagegen 0,35 Prozent auf 879 Zähler.

In den USA hatte der Leitindex Dow Jones Chart zeigen am Freitag zwar mit leichten Verlusten geschlossen, nach dem europäischen Handelsschluss indes noch um gut 100 Punkte zugelegt. In Japan schloss die Tokioter Börse heute Morgen zudem gut behauptet. Die japanische Notenbank hatte als Folge der amerikanischen Immobilienkrise heute zusätzliche 600 Milliarden Yen (3,7 Milliarden Euro) in den Geldmarkt gepumpt, um mögliche Liquiditätsengpässe zu überbrücken.

Schlusslicht im Dax waren die Titel der Postbank Chart zeigen mit minus 2,46 Prozent auf 52,43 Euro. Berichten zufolge war das Finanzinstitut mit 600 Millionen Euro bei zwei Gesellschaften des von der Krise schwer getroffenen Rhineland-Fonds der IKB Chart zeigen engagiert. Wie ein Sprecher der Bank sagte, entfiel von dieser Summe aber höchstens ein Drittel auf Immobilienkredite. Von denen wiederum seien die meisten von hoher Qualität.

Wie die EZB gehen auch Händler davon aus, dass sich die Lage am Geldmarkt beruhigt. "Die Situation sieht ruhiger aus, aber ich glaube nicht, dass der Markt schon alles vergessen hat", sagte ein italienischer Händler. Der Markt werde noch ein paar Tage brauchen, um Turbulenzen zu vermeiden. Aktienexperten hatten unentschlossen auf die Ankündigung des neuen Tenders reagiert. "An sich ist das sehr positiv und zeigt, dass die Marktmechanismen greifen", sagte ein Händler, fügte aber hinzu: "Dass sie jetzt noch mehr Geld reinschleusen, kann allerdings auch als Hinweis auf eine echte Krise gedeutet werden."

kaz/Reuters/dpa

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