Geldquelle Libysche Rebellen bringen ersten Ölexport auf den Weg

Für die Regimegegner in Libyen ist es ein Signal der Hoffnung: Erstmals verschiffen die Rebellen einen Tanker voll Öl. Die Ladung ist mehr als hundert Millionen Dollar wert - und könnte den Aufständischen dringend benötigtes Geld einbringen. 

Ölfelder und Lizenznehmer in Libyen: Dringend benötigtes Geld
SPIEGEL ONLINE

Ölfelder und Lizenznehmer in Libyen: Dringend benötigtes Geld


London/Tobruk - Der libyschen Opposition fehlt es im Kampf gegen Gaddafis Truppen an Waffen, Lebensmitteln und Medizin, der Verkauf von Öl soll den Mangel lindern. Nun ist ein erstes Tankschiff in Tobruk eingetroffen. Am Dienstagmorgen erreichte die "Equator" - ein unter liberianischer Flagge fahrender Öltanker - die Terminals von Marsa al-Hariga in der ostlibyschen Hafenstadt. Diese ist seit Beginn der Aufstände gegen das Regime von Machthaber Muammar al-Gaddafi in der Hand der Rebellen und erweist nun seine strategische Bedeutung.

Die "Financial Times" erwartet, dass das Schiff etwa eine Million Barrel Öl laden wird. Zum gegenwärtigen Marktpreis würde das den Aufständischen einen Erlös von etwa 125 Millionen Dollar einbringen.

Derzeit kostet Öl so viel wie seit zweieinhalb Jahren nicht mehr - am Montag stieg der Preis für ein Fass Brent-Öl Chart zeigen über die Marke von 120 Dollar. Außer dem Konflikt in Libyen haben die Unruhen in anderen Teilen Arabiens entscheidend zu der Verteuerung beigetragen.

Der Tanker war am Montag vom ägyptischen Port Said aus Richtung Tobruk aufgebrochen. Nach Angaben der Zeitung gehört die "Equator" der Dynacom Tankers Management Ltd., der drittgrößten Ölreederei Griechenlands. Diese verweigerte der Zeitung auf Nachfrage jeden Kommentar, und auch Brancheninsider konnten ihr nicht verraten, wer den Tanker gechartert hat.

Die Öllieferung könnte die nächste Eskalationsstufe des Konflikts einleuten

Am vergangenen Freitag hatte eine Abmachung Aufsehen erregt, die die Übergangsregierung der Opposition mit Katar geschlossen hatte. Das Golfemirat will das Öl der libyschen Rebellen vermarkten und ihnen die Erlöse zur Verfügung stellen. Die USA decken diese Vereinbarung - die Öllieferungen fallen für sie nicht unter die Sanktionen, die die Uno gegen Libyen verhängt hat. Der Finanzminister der Übergangsregierung, Ali Tarhuni, konnte bei der Bekanntgabe des Deals allerdings noch nicht sagen, wann die Lieferungen beginnen - und wie das Öl aus dem Land transportiert werden soll. Nun scheint es so weit zu sein.

Die libysche Ölförderung ist seit Beginn der Kampfhandlungen nur noch ein Rinnsal im Vergleich zum normalen Produktionsniveau von etwa 1,6 Millionen Barrel am Tag. Allerdings lagern in den Öltanks des Landes noch beträchtliche Mengen des Rohstoffs. Die Arabian Gulf Oil Company (Agoco) etwa, die unter der Kontrolle der Opposition steht, hält in Tobruk noch etwa drei Millionen Barrel vor. Zudem ist das Terminal durch eine Pipeline mit dem Sarir-Ölfeld verbunden - es ist das größte des Landes.

Agoco fördert nach eigenen Angaben zurzeit noch etwa hunderttausend Barrel am Tag, das ist etwa ein Viertel der Vorkriegsmenge. Das Rohöl wird laut "Financial Times" teilweise in den Raffinerien von Tobruk und Sarir zu Treibstoff für die Rebellen aufbereitet.

Die nun anlaufenden Öllieferungen der Rebellen könnten eine weitere Eskalationstufe im Libyen-Krieg einleuten: Experten wie Samuel Ciszuk, Energieanalyst bei der Beratungsfirma IHS Global Insight, befürchten nun Angriffe der Gaddafi-Truppen auf die Ölfelder der Rebellen: "Berücksichtigt man die organisatorische, logistische und waffentechnische Überlegenheit der Truppen des Regimes, wäre es eine große Überraschung, wenn sie nicht versuchen würden, den Ölfluss nach Tobruk abzuschneiden."

fdi/Reuters



Forum - Libyen - darf der Westen Waffen an die Aufständischen liefern?
insgesamt 3080 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Leto_II., 02.04.2011
1.
Zitat von sysopDass der Westen die Kräfte, die Staatschef Gaddafi stürzen wollen, unterstützen soll, darüber herrscht Einigkeit. Über die einzelnen Maßnahmen jedoch wird gestritten. Soll die Nato über die Flugverbotszone hinaus aktiv werden? Sollen auch Waffen an die Aufständischen geliefert werden?
Vielleicht fällt wenigstens dem Spiegel mal auf, dass das jetzige UN-Mandat eine reine Flugverbotszone schon jetzt weit übertrifft.
peet73 02.04.2011
2. Waffen für Dschihadisten?
Unter den bei Wikileaks veröffentlichte cables befindet sich eine Depesche der US-Botschaft in Tripolis, die bislang kaum in den Medien gwürdigt wurde. Aus dem cable geht eindeutig hervor, dass die Politik einiges mehr über die Hintergründe des Aufstandes in den libyschen Nordostprovinzen weiß als sie zugibt. Die Öffentlichkeit scheint im Vorfeld der UN-Resolution bewusst desinformiert worden zu sein, die ideologische und praktische Nähe der Aufständischen zum radikalen Islamissmus ist evident. Ich denke niemand, der das cable aus Tripolis gelesen hat, wird anschließend noch Waffen an die Rebellen liefern wollen. http://213.251.145.96/cable/2008/02/08TRIPOLI120.html
R Panning, 02.04.2011
3. Libyen - Afghanistan
Was ist denn los SPON? Zu jederm Libyen Artikel ein neues Forum und bei Afghanistan tote Hose? Passt wohl nicht in die Line, daß ein anderes Land, in dem der Westen ja so erfolgreich eingehgriffen hat nun doch nicht so erfolgreich ist, oder? Ist ne schlechte Publicity for die Libyne Befürworter...
wilhelm1871 02.04.2011
4. Was nutzt das?
Zitat von sysopDass der Westen die Kräfte, die Staatschef Gaddafi stürzen wollen, unterstützen soll, darüber herrscht Einigkeit. Über die einzelnen Maßnahmen jedoch wird gestritten. Soll die Nato über die Flugverbotszone hinaus aktiv werden? Sollen auch Waffen an die Aufständischen geliefert werden?
Ich möchte behaupten, dass den Aufständischen Waffen, die der Westen liefert, keinen großen Vorteil verschaffen. Denn was nutzen Waffen, wenn die militärische Überlegenheit der Gaddafi-treuen so erdrückend ist wie jetzt. Sicher hat Gaddafi in seiner Armee meist nur alte Sowjetpanzer und -waffen, aber die Aufständischen kämpfen z.T. mit Waffen, die im letzten Weltkrieg aktuell waren. Fazit: Was nutzen Waffen, wenn es nicht genügend Leute gibt, um sie zu nutzen? Ohne die Bombenangriff aus der Luft durch den Westen werden die Rebellen verlieren und der Westen muss zusehen. Dies wäre wohl die größte Blamage die passieren könnte und dann wäre sogar dieses NICHT-Eingreifen der Bundesregierung zu entschuldigen, denn wir müssen uns dann nicht die Niederlage eingestehen.
Hans58 02.04.2011
5. Nie mehr einen Titel...
Zitat von Leto_II.Vielleicht fällt wenigstens dem Spiegel mal auf, dass das jetzige UN-Mandat eine reine Flugverbotszone schon jetzt weit übertrifft.
Nein, es fällt dem Redakteur / der Redakteurin nicht auf, sonst hätte er / sie sich diese Frage sparen können: "Soll die Nato über die Flugverbotszone hinaus aktiv werden? " Die NATO hat das Kommando über beide Operationen, die in der Resolution 1973 verankert sind, gestern (01.04.2011) formal und in Übereinstimmung mit der genannten Resolution übernommen. Im Übrigen: von einer Waffenlieferung an die Rebellen steht nichts in der Resolution drin. Selbst die US-Regierung hat dieses nunmehr erkannt und ihr Vorhaben zu den Akten genommen. Ich bin gegen jegliche Waffenlieferungen nach Libyen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.