Genfer Autosalon GM-Europachef legt Schließung von drei Werken nahe

GM macht Druck: Die Töchter Opel und Vauxhall hätten drei Werke zu viel, sagt Europachef Forster und nennt damit erstmals eine Zahl bedrohter Standorte. Die beste Lösung sei die Schließung - man prüfe aber Alternativen. Deutschen Forderungen nach einem konkreteren Sanierungsplan will er nachkommen.


Genf - Für die Mitarbeiter bei Opel und beim britischen Schwesterunternehmen Vauxhall könnte es ernst werden: Die beiden Tochterunternehmen des schwer angeschlagenen US-Autoherstellers General Motors Chart zeigen haben nach Ansicht des Managements zu viele Produktionsanlagen. Carl-Peter Forster, Chef von GM Europa, sagte auf dem Autosalon in Genf, in Europa gebe es drei Werke von Opel und Vauxhall zu viel.

GM-Europa-Chef Forster: Überkapazität von 30 Prozent
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GM-Europa-Chef Forster: Überkapazität von 30 Prozent

Nach Forsters Worten wäre die beste Lösung eine Schließung von Anlagen. Allerdings würden auch Alternativen erwogen, um die Kapazitäten zu reduzieren. Aktuell liege die Überkapazität bei 30 Prozent.

GM Europa steht derzeit in Kontakt mit mehreren europäischen Regierungen und bemüht sich um Staatshilfen. Die Verhandlungen mit der deutschen und der britischen Regierung dauern an. "Wir brauchen Unterstützung", sagte Forster. Die gegenwärtige Krise sei zu tiefgreifend, um sie ohne Hilfe durchzustehen. Allerdings dürfte die Krise nach Einschätzung des Managers ihren Höhepunkt bald erreicht haben. Dies mache weiteren Kapitalbedarf unwahrscheinlich.

Opel hatte am Freitag Details seines Sanierungskonzepts vorgestellt. Demnach plant das Unternehmen eine teilweise Abkopplung vom US-Mutterkonzern. Den Bedarf an Finanzhilfen für einen europäischen Opel-Konzern bezifferte das Unternehmen auf rund 3,3 Milliarden Euro. Die Bundesregierung, der das Konzept am Montag vorgestellt wurde, prüft derzeit mögliche Finanzhilfen für das Traditionsunternehmen.

GM will der Regierung entgegen kommen

Bisher hält sich Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) äußerst bedeckt, ob und wie der Staat Opel helfen werde. In Genf ging GM nun auf die Bundesregierung zu. Falls noch Fragen offen seien, werde man mögliche Hindernisse so rasch wie möglich aus dem Weg räumen, sagte Forster. Die Regierung hatte erklärt, dass es noch eine Reihe von offenen Fragen gebe. "Wir werden sehr, sehr schnell antworten", sagte Forster dazu.

Opel-Arbeiter in Bochum: Das Werk gilt als besonders gefährdet
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Opel-Arbeiter in Bochum: Das Werk gilt als besonders gefährdet

Er habe aber Verständnis für die Position der Bundesregierung, das Rettungskonzept für den Autobauer in den nächsten Wochen gründlich prüfen zu wollen. "Wir glauben, alle Fragen beantworten zu können." GM-Vizechef Fritz Henderson lehnte auch eine künftige Minderheitsbeteiligung von GM an Opel nicht mehr rundweg ab. "Wir müssen für alle Möglichkeiten offen sein."

Forster drängte allerdings auf schnelle Hilfe. "Wir brauchen Unterstützung von der deutschen Regierung. Wir haben keine Reserven." Opel drohe bereits Anfang des zweiten Quartals das Geld auszugehen.

Befürchtungen, mögliche Hilfen für Opel könnten an die US-Mutter fließen, wies Forster zurück: "Wir werden sicherstellen, dass das Geld nicht aus der Firma fließt." Bevor die Bundesregierung Opel Staatshilfen gewährt, will sie erst gesichert sehen, dass das Geld dem Unternehmen selbst und nicht dem Mutterkonzern in den USA zugute kommt.

In Europa hängen nach Unternehmensangaben 50.000 Beschäftigte an Opel, davon etwa die Hälfte in Deutschland. Eine Pleite hätte ernste Folgen, sagt Forster. "Wenn uns das Geld ausgehen würde, hätte das massive Auswirkungen auf die Beschäftigtenzahlen." Opel versuche die Schließung von Standorten zu vermeiden. Auszuschließen sei derzeit aber keine Option.

In der Vergangenheit war immer wieder über drei Werke spekuliert worden, die als besonders gefährdet gelten: Bochum in Deutschland, Antwerpen in Belgien und Ellesmere Port in Großbritannien. Forster selbst nannte am Dienstag keine konkreten Standorte.

wal/ddp/dpa



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