Geplanter Militärtransporter Airbus-Chef warnt vor "Schrecken ohne Ende"

Abnehmer und Hersteller streiten sich seit langem - jetzt warnt Airbus-Chef Enders, dass der Militärtransporter A400M unter den bisherigen Bedingungen nicht gebaut werden könne. Im Gespräch mit dem SPIEGEL räumt er auch große Fehler des Konzerns ein.


Hamburg - Der umstrittene Militärtransporter A400M steht offenbar erneut auf der Kippe. In einem Gespräch mit dem SPIEGEL schließt der für das Programm zuständige Airbus-Chef Thomas Enders ein Scheitern des Projekts nicht mehr aus: "Unter den bisherigen Bedingungen können wir den Flieger nicht bauen", stellt der Top-Manager klar. "Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende", bekennt Enders.

Airbus-Chef Enders: "Große Fehler gemacht"
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Airbus-Chef Enders: "Große Fehler gemacht"

Aber auch sein Konzern habe im Vorfeld "große Fehler gemacht". Gleichzeitig nennt der Airbus-Chef erstmals konkrete Bedingungen, unter denen der Konzern noch zu einer Realisierung des Vorhabens bereit wäre. So sollen künftig die Regierungen Mitverantwortung für die Triebwerke übernehmen. Auch sollen die vereinbarten Leistungsanforderungen für die A400M erst nach einer Übergangsfrist erreicht werden. Er werde jedenfalls "nicht nach Berlin oder Paris pilgern, um für die Fortsetzung des Programms unter für uns inakzeptablen Bedingungen zu bitten".

Gegenüber dem SPIEGEL übt Enders auch massive Kritik an dem seit längerem schwelenden WTO-Handelskonflikt zwischen der EU und den USA um Anschubhilfen für neue Airbus-und Boeing-Flugzeuge. "Das ist schon eine bizarre Diskussion", rügt er, "wenn man sieht, mit welchen Multimilliardenprogrammen die Regierungen weltweit mittlerweile ihre Banken und Industrien retten wollen."

Das Bundesverteidigungsministerium drängt auf Aufklärung. "Ich erwarte, dass wir bereits im Laufe des Aprils Erkenntnisse über die Probleme erhalten", sagte Rüdiger Wolf, Staatssekretär im Verteidigungsministerium, der Tageszeitung "Die Welt". "Wir haben bis heute keine detaillierten Informationen über die Probleme bekommen und ob diese lösbar sind", kritisierte Wolf. Die Airbus-Mutter EADS hätte die erste Maschine ursprünglich im Oktober dieses Jahres ausliefern sollen. Wegen Problemen mit den Motoren fand der Jungfernflug jedoch bis heute nicht statt.

Laut dem Unternehmen dauert es danach noch drei Jahre, bis das Flugzeug geliefert werden kann. Die Abnahmeländer, darunter Deutschland mit 60 Maschinen, hätten wegen der Verzögerungen zum 1. April den Vertrag mit EADS kündigen können. Sie einigten sich aber Anfang des Monats darauf, EADS weitere drei Monate bis zum 1. Juli Zeit zu geben, um die Probleme zu lösen. "Ich halte es nicht für sinnvoll, die Frist bis zum bitteren Ende auszuschöpfen", warnte Staatssekretär Wolf jedoch in der "Welt" vor einem Spiel auf Zeit.

Wolf dementierte, dass es Verhandlungen mit EADS über die Änderungen des 2003 geschlossenen Vertrags gebe. Sollte EADS die Probleme nicht in den Griff bekommen, wollte Wolf eine komplette Kündigung der Bestellung ebensowenig ausschließen wie eine Reduzierung der Flugzeugbestellungen. Wenn die Verspätung zu lange andauere, werde man sich eventuell in der Zwischenzeit andere Maschinen beschaffen und dementsprechend weniger Airbus A400M ordern, sagte er.

Airbus-Chef Enders räumt im Gespräch mit dem SPIEGEL ein, dass bei der nach wie vor wichtigsten EADS-Tochter Airbus bis Ende Februar 14 Flugzeuge storniert wurden - bei nur 6 Neubestellungen. Trotzdem schließt er zumindest vorerst Kurzarbeit oder gar Entlassungen aus. "Wir haben gewisse Puffer, bevor wir ins Muskelfleisch schneiden müssen", versichert der Airbus-Chef.

Außerdem müssten bei der Produktion der A380 "die internen Prozesse noch besser werden". Zum Beispiel gebe es "noch zu viele Nacharbeiten in der Endmontage". Vor einigen Wochen hatte sich A380-Großkunde Emirates über etliche Probleme mit dem Jet beschwert.

ore/AFP



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Sgt_Pepper, 03.02.2009
1. ???
Zitat von sysopPannen beim A380, A350 und A400M - hat der europäische Flugzeughersteller Airbus sich mit gleich drei Großprojekten übernommen?
Von dem A350 wurden inzwischen 478 (!) Stück bestellt. Das heißt, Airbus ist schon vor Auslieferung des ersten Flugzeugs locker in der Gewinnzone. Der A380 hat sich durchgesetzt, 12 wurden schon ausgeliefert - die Gesamtbestellungen belaufen sich auf 198 Stück. Übernommen hat sich EADS / Airbus allein mit dem A400. Offensichtlich laufen ihnen die Kosten davon, während die Verkaufspreise festgeschrieben wurden...
kikolo, 03.02.2009
2.
was um himmels willen will die bundeswehr mit 60 riesen transport flugzeugen ...ja das glaub ich auch... .....bundeswehr abschaffen was man nicht hat kann man auch nirgends hinschicken...
Realo, 03.02.2009
3. Mal eine "dumme" Frage.....
....weil ich mich mit Flugzeugen wirklich nicht auskenne, bin nur Passagier..... Die Bundeswehr braucht ein neues Transportflugzeug, das steht fest, die Transall ist uralt. Die Russen bauen doch da riesige Maschinen, könnte man da nicht kaufen ? Oder geht das wieder nicht wg. Nato usw....?
nairobi 03.02.2009
4.
Zitat von sysopPannen beim A380, A350 und A400M - hat der europäische Flugzeughersteller Airbus sich mit gleich drei Großprojekten übernommen?
Man ist in einen Wettbewerb der Visionen eingestiegen und vieles versprochen, was man nicht einhalten konnte. Aber damit ist Airbus nicht allein, vor allem nicht in der Branche! Auf der anderen Seite das Atlantiks sieht es nicht anders aus. Dort überflüglt man Airbus bei den Pannen noch. Dort werden ganze Projekte aufgelegt und anschliessend wieder eingestampft. Und die 787 droht zum Nightmareliner zu werden!
Michael B. 03.02.2009
5.
Zitat von kikolowas um himmels willen will die bundeswehr mit 60 riesen transport flugzeugen ...ja das glaub ich auch... .....bundeswehr abschaffen was man nicht hat kann man auch nirgends hinschicken...
Haben Sie auch inhaltlich etwas zu sagen? Die A400M ist nicht riesig, sie ist zwar grösser als die Hercules und Transall aber bei weitem kleiner als eine C17 oder AN-124. Aber sie wollten ja eh nur ihr "bundeswehr abschaffen" loswerden und das gleich zweimal, als ob der Doppelpost ihren Wortbrocken mehr Sinn gäbe.
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