Geplatzte Microsoft-Offerte Experten prophezeien Yahoo Kursrutsch von bis zu 30 Prozent

Yahoo-Aktionäre dürften voll böser Vorahnungen auf den Börsenstart an der Wall Street warten: Experten erwarten einen Kursrutsch von bis zu 30 Prozent, nachdem Microsoft die geplante Übernahme endgültig abgesagt hat.


Hamburg - So mancher Aktionär ist ziemlich sauer auf das Yahoo-Board: "Die Anteilseigner hatten nicht einmal die Chance, über den Deal abzustimmen", empört sich Eric Jackson, der eine Gruppe von Investoren mit insgesamt zwei Millionen Papieren vertritt. Er werde die Aktionäre drängen, dieses Jahr die aktuelle Führungsspitze nicht wiederzuwählen. Das Yahoo-Board kommentierte diese Äußerungen nicht. Wenn nichts passiere, droht Konzernchef Jerry Yang eine Flut von Klagen seitens der Aktionäre, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters.

Yahoo-Chef Yang: Muss seinen Aktionären jetzt einiges erklären
REUTERS

Yahoo-Chef Yang: Muss seinen Aktionären jetzt einiges erklären

Grund für die Empörung ist die starre Haltung der Yahoo-Führungsspitze gegenüber Microsoft Chart zeigen. Am Samstag hatte Microsoft das Kaufangebot für das Internetunternehmen von 31 auf 33 Dollar je Aktie erhöht - Yahoo verlangte aber mindestens 37 Dollar. Daraufhin zog der Softwaregigant seine Offerte zurück.

Nach dem Scheitern des Deals erwarten Experten erhebliche Kursverluste für Yahoo, wenn die Wall Street am heutigen Montag öffnet. Clayton Moran, Analyst bei der Stanford Group, erklärt, die Papiere könnten von ihrem Schlusswert von Freitag von 28,67 Dollar auf 20 Dollar rutschen. Andere Analysten prognostizieren einen Wertverfall bis auf 19,18 Dollar. So viel waren die Papiere am 31. Januar wert, einen Tag bevor Microsoft seine Offerte vorlegte.

Ein Alternativdeal könnte diese Entwicklung aber noch eindämmen, erklärt Jeffrey Lindsay von Sanford C. Bernstein. In den vergangenen Tagen hatten sich Gerüchte verdichtet, dass Yahoo eine Werbepartnerschaft mit Google eingehen werde. Mit der Sache vertraute Personen halten eine solche Kooperation für wahrscheinlich, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. Schon diese Woche soll der Deal demnach offiziell gemacht werden. "Hoffen wir, dass sie nicht geblufft haben", sagt Lindsay.

Die Gespräche von Yahoo und Rupert Murdochs Medienkonzern News Corp haben Reuters zufolge dagegen in den vergangenen Wochen an Schwung verloren. Das schwindende Interesse von News Corp würde die Optionen für Yahoo bei der Partnersuche auf AOL begrenzen, die Internet-Sparte des Medienkonzerns Time Warner - oder eben auf die Partnerschaft mit Google.

Die großen Drei: Microsoft, Google und Yahoo im Vergleich

Google Microsoft
und Yahoo
Microsoft Yahoo
Umsatz in Mrd. US-Dollar* 16,59 58,1 51,12 6,97
Gewinn in Mrd. US-Dollar* 4,20 14,73 14,07 0,66
Mitarbeiter 16.800 93.300 79.000 14.300
Suchanfragen weltweit in Mrd. 37,1 10,7 2,2 8,6
Anteil der Suchanfragen weltweit 60,8% 17,5% 3,5% 14,0%
Suchanfragen mobil USA in Mio. 6,3 5,4 1,2 4,2
Anteil Suchanfragen mobil USA 38,3% 32,7% 7,3% 25,4%
E-Mail-Accounts in Mio. 51 518 256 262

* Zahlen für Geschäftsjahr 2007
Stand: Februar 2008, Quelle: Unternehmensinformationen

Der lachende Dritte in der Geschichte ist Google aber auf jeden Fall. Ein aus Yahoo und Microsoft zusammengeschweißter Konzern hätte der Suchmaschine auf dem Internetwerbemarkt durchaus gefährlich werden können - jetzt kann Google seine Vorherrschaft von 75 Prozent Marktanteil aller Wahrscheinlichkeit noch weiter ausbauen. Trotzdem erwarten Experten, dass die Microsoft-Aktie heute erst einmal an Wert gewinnt, weil Konzernchef Steve Ballmer in den Verhandlungen hart geblieben ist und bei dem Angebot für Yahoo im Rahmen geblieben ist.

Dennoch stehen Microsoft schwierige Zeiten bevor. Noch führt der Konzern die ganze Softwarebranche zwar an: Allein im vergangenen Jahr standen unterm Strich 14 Milliarden Dollar Gewinn. Doch im Internet hatte Microsoft bislang wenig Glück. Der Marktanteil der Suchmaschine Live Search ist minimal, ein soziales Netzwerk oder kostenlose Online-Applikationen gibt es nicht. Und von attraktiven Online-Angeboten wie Facebook, Flickr oder YouTube kann Ballmer bislang nur träumen.

ase/Reuters



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