Gerichtsurteil Textildiscounter Kik zahlte sittenwidrige Löhne

5,20 Euro sind zu wenig: Der Textildiscounter Kik hat zwei Minijobbern sittenwidrige Löhne gezahlt, so hat es nun ein Landesarbeitsgericht entschieden. Jetzt muss der Konzern den Frauen Gehalt nachzahlen. Laut Gewerkschaft Ver.di bekommen auch Tausende weitere Discounter-Angestellte Dumpinglöhne.


Hamm - Der Richterspruch lässt an Klarheit nichts zu wünschen übrig: Man sehe ein "auffälliges Missverhältnis zwischen Leistung und Gegenleistung", heißt es in dem Urteil des Landesarbeitsgerichts in Hamm. Die 5,20 Euro Stundenlohn, die der Textildiscounter Kik an zwei Minijobberinnen gezahlt hat, stuften die Richter denn auch als sittenwidrig ein.

Kik-Filiale in Duisburg: Rund 9000 Mitarbeiter bekommen zu geringe Stundenlöhne
AP

Kik-Filiale in Duisburg: Rund 9000 Mitarbeiter bekommen zu geringe Stundenlöhne

Die sechste Kammer verurteilte das Unternehmen deshalb zu Nachzahlungen an die beiden geringfügig Beschäftigten und bestätigte damit Entscheidungen des Arbeitsgerichts Dortmund vom vergangenen Jahr. Es lägen "sittenwidrige Vergütungen" vor, sagte der Vorsitzende Richter Werner Ziemann. Außerdem seien die Arbeitsverträge in mehreren Punkten gesetzeswidrig. Eine Revision wurde in beiden Fällen nicht zugelassen.

Zwei 47 und 62 Jahre alte Frauen aus Mülheim an der Ruhr hatten das Tochterunternehmen des Einzelhandelskonzerns Tengelmann verklagt, weil sie nur 5,20 Euro Stundenlohn erhielten. Die Gerichte in Dortmund und Hamm sahen 8,21 Euro als angemessen an. Für die Berechnung dieses Betrages zogen die Richter Tariflöhne aus dem Einzelhandel heran. Die 62-Jährige erwartet nun insgesamt knapp 10.500 Euro Nachzahlung, die 47-Jährige rund 8900 Euro. Die jüngere Frau ist seit November nicht mehr bei Kik beschäftigt. Die ältere Beschäftigte ließ offen, ob sie weiter bei Kik arbeiten will: "Das überlege ich mir noch mal", sagte sie nach dem Urteil.

Die Gewerkschaft Ver.di, welche die beiden Frauen im Prozess vertreten hatte, äußerte sich erfreut über die Entscheidung. "Stundenlöhne unter 8,21 Euro sind sittenwidrig", sagte die Geschäftsführerin des Bezirks Mülheim-Oberhausen, Henrike Greven. Die Gewerkschaft wolle nun "durch die Filialen tingeln" und die Kik-Beschäftigten über das Urteil informieren. Nach Grevens Angaben sind rund 9000 der insgesamt 18.000 Beschäftigten geringfügig beschäftigt und erhalten Stundenlöhne von 4,25 bis 5,25 Euro. In Deutschland seien mehrere ähnliche Verfahren von Kik-Beschäftigten bei Arbeitsgerichten anhängig.

Kik mit Sitz im westfälischen Bönen (Kreis Unna) beschäftigt nach eigenen Angaben 15.000 seiner rund 18.000 Mitarbeiter in Deutschland. Im Geschäftsjahr 2007/08, das zum 30. April endet, setzte Kik insgesamt über 1,4 Milliarden Euro um. Derzeit betreibt die Firma mehr als 2700 Filialen in Deutschland, Österreich, Slowenien, Ungarn, Tschechien und der Slowakei.

sam/dpa/ddp



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