Geschäfte in der Steueroase Landesbanken betreiben Privatbank für Reiche in der Schweiz

Von der Bundesregierung muss sich die Schweiz oft harsche Kritik gefallen lassen - dabei betreiben zwei deutsche Landesbanken nach SPIEGEL-Informationen selbst eine Privatbank in der Steueroase. Die Zielgruppe: wohlhabende Kunden.


Hamburg - Man ist auf Diskretion bedacht: Gegen eine Gebühr von 350 Schweizer Franken pro Jahr bekommt der Besitzer eines Nummernkontos bei der LB Swiss Privatbank die Post nicht nach Hause, sondern direkt ins bankinterne Schließfach, als Vorsichtsmaßnahme gegen neugierige Verwandte und Steuerbeamte.

Landesbank Hessen-Thüringen in Frankfurt: Die Tochter in der Schweiz kümmert sich um wohlhabende Klientel
DDP

Landesbank Hessen-Thüringen in Frankfurt: Die Tochter in der Schweiz kümmert sich um wohlhabende Klientel

Die feine Schweizer Privatbank hat ihren Sitz in der Zürcher Börsenstraße - und gehört je zur Hälfte der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) und der Bayerischen Landesbank. Verwaltungsratspräsident war bis vor kurzem Günther Merl, der jetzt als Chef des Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (SoFFin) auch die Landesbanken mit staatlichen Hilfsgeldern versorgt.

Das Geschäftsmodell der Schweizer Tochter unterscheidet sich allerdings ziemlich von dem der kriselnden deutschen Landesbanken. Die deutschen Institute, die den Ländern und den Sparkassen gehören, sollen vor allem Service-Unternehmen für die Sparkassen und für den Mittelstand sein. Die LB Swiss kümmert sich dagegen gern um wohlhabende Klientel.

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Foto Jürgen Kirschner/ Action Press
Vor kurzem warben die LB-Swiss-Banker gar noch mit einem ziemlich zweifelhaften Service: "Beratung und Betreuung bei Gründungen von Stiftungen und Anstalten – unter anderem nach liechtensteinischem Recht – oder Trusts und Offshore-Gesellschaften", hieß es in einer Kundenpublikation.

Liechtensteinische Stiftungen waren bis zum Aufkommen der Steueraffäre im vergangenen Jahr ein zentrales Instrument für Tausende Deutsche, um Steuern zu hinterziehen. Doch gegen den Verdacht, bei solchen Tricksereien behilflich zu sein, wehrt sich die LB Swiss vehement. "Bei deutschen Kunden prüfen wir vorher genau, ob die Gelder versteuert sind", versichert Bankchef Holger Mai. In Liechtenstein installiere man nur "gemeinnützige Stiftungen".

Das Geschäft lohnt sich. Während die deutschen Mütter mit den Folgen der Finanzkrise kämpften, konnte die LB Swiss selbst im historischen Krisenjahr 2008 das verwaltete Vermögen um über 300 Millionen Schweizer Franken steigern. Das sind rund 200 Millionen Euro.

Auch die Vorteile anderer Steueroasen werden von den Landesbanken gerne genutzt. Die BayernLB hat Zweckgesellschaften auf der Kanalinsel Jersey angesiedelt, die dort den Handel mit strukturierten Kreditpapieren betreiben. Das habe auch "steuerliche Vorteile", teilte das Geldinstitut dem SPIEGEL mit. Die Helaba macht solche Geschäfte ähnlich wie früher die Sachsen LB von Dublin aus, weil solche Gesellschaften in Irland im Gegensatz zu Deutschland keine Gewerbesteuern auf die Zinseinnahmen zahlen.

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