Geschäftsklima US-Unternehmen befürchten Verschärfung der Krise

Die Stimmung in der US-Wirtschaft könnte US-Präsident Barack Obama die Argumente für das erweiterte Rettungspaket liefern: Einer Umfrage zufolge sind die US-Unternehmen so pessimistisch, wie seit 27 Jahren nicht mehr. In Deutschland fällt die Stimmung nicht besser aus.


Washington/Frankfurt am Main - Der unverwüstliche Optimismus der Amerikaner leidet unter der andauernden Krise: Fast die Hälfte der 105 befragten Unternehmen berichteten über eine rückläufige Nachfrage nach Dienstleistungen und Gütern in ihrer Branche oder Firma, wie aus einer am Montag veröffentlichten Studie des Ökonomen-Verbandes National Association for Business Economics (Nabe) hervorgeht. Eine derart negative Einschätzung der Lage hat es seit Beginn der Befragung 1982 noch nicht gegeben. Die wirtschaftliche Talfahrt hat sich demnach im Schlussquartal 2008 beschleunigt.

Hafen in Los Angeles: Stimmung so schlecht wie in den achtziger Jahren
AP

Hafen in Los Angeles: Stimmung so schlecht wie in den achtziger Jahren

Wegen der Nachfrageflaute und der Kreditklemme strichen viele Firmen ihre Investitionspläne zusammen und bauten Stellen ab. Rund 40 Prozent der zwischen Mitte Dezember und Anfang Januar befragten Experten gaben an, ihre Firma werde in den kommenden sechs Monaten Stellen streichen. Der Jobabbau werde neben der güterproduzierenden Wirtschaft auch den Finanzsektor treffen.

Auch die gesamtwirtschaftlichen Perspektiven für 2009 sehen die Experten düster: Mehr als die Hälfte der befragten Fachleute erwartet, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der USA um mehr als ein Prozent schrumpfen wird. Die USA stecken bereits seit Dezember 2007 in der Rezession. Allein in den letzten vier Monaten des vorigen Jahres sind nach Regierungsdaten 1,9 Millionen Jobs der Konjunkturflaute zum Opfer gefallen.

In Deutschland sieht es nicht viel besser aus: Experten rechnen damit, dass der Ifo-Geschäftsklimaindex - wichtigstes Stimmungsbarometer der deutschen Wirtschaft - mit 81 Punkten erneut schlechter ausfällt, als im Vormonat, in dem noch 82,6 Punkte gemessen wurden. Es wäre der achte Rückgang der Kennzahl in Folge. Belastend dürfte vor allem eine nochmals schlechtere Lageeinschätzung gewirkt haben, während die Erwartungskomponente etwas besser erwartet wird. Das Münchner Ifo Institut wird die neuen Umfrage-Ergebnisse am morgigen Dienstag vorlegen.

Pessimistischer als der Konsens gibt sich die Commerzbank, die mit einem Absinken des Ifo-Index unter die Marke von 80 Punkten rechnet. Jüngste Einbrüche bei den Auftragseingängen und der Produktion dürften den Index deutlich gedrückt haben, argumentiert die Bank. Die Erwartungskomponente mache hingegen etwas Hoffnung. Sie zeige zumindest leichte Anzeichen einer Stabilisierung, wenngleich auf sehr niedrigem Niveau.

Etwas zuversichtlicher zeigt sich die DekaBank, deren Prognose mit 81,3 Punkten sogar leicht über den Durchschnittserwartungen liegt. Zwar gehen auch die DekaBank-Experten von einer abermaligen Eintrübung der Lagebeurteilung aus. Die Geschäftserwartungen auf Sicht von sechs Monaten sollten sich indes stabilisieren: Deutliche Leitzinssenkungen und staatliche Rettungspakete ließen Hoffnung für die zweite Jahreshälfte 2009 aufkommen, heißt es zur Begründung.

mik/Reuters/dpa-AFX



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