Gescheitertes IT-Wunderkind Yahoo-Chef Yang tritt zurück

Er konnte Yahoos massive strukturelle Probleme nicht lösen - jetzt hat Konzern-Chef Yang seinen Rücktritt angekündigt. Sein Ausscheiden heizt neue Spekulationen an, der IT-Riese könne doch noch von Microsoft übernommen werden.


Sunnyvale - Jerry Yang tritt zurück, das gab Yahoo am Dienstag bekannt. Der Chef des krisengeschüttelten Internet-Konzerns Yahoo zieht damit die Konsequenzen aus dem Debakel um die gescheiterte Microsoft-Übernahme. Nachdem die Fusion der IT-Riesen Anfang November offenbar endgültig geplatzt war, geriet Yang massiv unter Druck.

Yahoo-Mitgründer Yang: Konsequenzen aus Microsoft-Debakel
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Yahoo-Mitgründer Yang: Konsequenzen aus Microsoft-Debakel

Sein Rückzug heizte nun neue Übernahmespekulationen an: Insider vermuten, der Milliardär Carl Icahn, der ebenfalls im Yahoo-Verwaltungsrat sitzt, könne sich nun dafür stark machen, einen erneuten Versuch zu unternehmen, den lila Riesen doch noch mit Microsoft zu fusionieren. Berichten zufolge sprach Yahoo auch wiederholt mit dem Internet-Portal AOL aus dem Time-Warner-Konzern über ein Zusammengehen.

Yang soll auch künftig wichtige Aufgaben für Yahoo wahrnehmen und wie bisher dem Verwaltungsrat angehören. Zusammen mit diesem werde er einen Nachfolger suchen, hieß es. Während dieser Zeit bleibe Yang noch im Amt.

Für den Chefposten kämen sowohl interne als euch externe Kandidaten in Frage, teilte das US-Unternehmen mit. Youssef Squali, ein Analyst der US-Investmentbank Jeffreys, hat einmal Jonathan Miller, einen früheren Top-Manager beim Yahoo-Konkurrenten AOL, als möglichen Kandidaten genannt.

Yang hatte Yahoo! 1994 mit gegründet und hatte erst im Juni vergangenen Jahres selbst wieder die Führung übernommen. In den vergangenen Jahren litt Yahoo unter massiven strategischen Problemen (siehe Info-Box).

Yahoos Problemfelder
Schwächelnde Suchmaschine
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Google ist die mit Abstand beliebteste Suchmaschine und hat Yahoo in den vergangenen Jahren immer weiter abgehängt. Google es geschafft hat, die Suche im Internet zu einem lukrativen Geschäft zu machen. Mit kleinen Textanzeigen, die neben Suchergebnissen stehen, verdient Google Millionen. Yahoo hat das Potential dieser Werbung lange unterschätzt, Google hat dadurch einen großen Technologievorsprung.

Der Erfolg des Firmenchefs wird stark am Suchmaschinengeschäft gemessen. Yang bemüht sich bislang vergeblich, gegenüber Google aufzuholen.
Technologie-Chaos
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Dutzende Anwendungen sind unter dem Markennamen Yahoo zusammengefasst. Doch die Software von vielen dieser Dienste sind untereinander nicht kompatibel. Für dieses Kompatibilitätschaos ist Jerry Yang mit verantwortlich: Eine seiner Aufgaben war schon immer die Beaufsichtigung der Technologie.
Verlustreiches Werbegeschäft
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Etwa 87 Prozent der Einnahmen macht Yahoo durch Online-Werbung, in den vergangenen Jahren sind die Einnahmen auf diesem Gebiet kontinuierlich gesunken. Eine Kooperation mit Google im Werbegeschäft, von der sich Yahoo bis zu 800 Millionen Dollar jährlich versprach, scheiterte im November an kartellrechtlichen Bedenken. Experten wie die Autoren des einflussreichen US-Branchenblogs Techcrunch hatten ohnehin schon den Versuch dieser Kooperation als Eingeständnis einer Niederlage gewertet.

Im Wettbewerb mit dem Rivalen Google verlor der lila Riese immer mehr an Boden. Zuletzt kündigte Yang an, er werde jede zehnte Stelle im Konzern streichen müssen.

Als Führungskraft stand Yang schon länger in der Kritik. Seine strategische Ansagen nannten Insider bisweilen "konfus". Für Spott sorgte unter anderem sein Ausspruch "Ich blute lila", auf einem IT-Kongress.

Ein anderes Mal sollte Yang definieren, was Yahoo ist. Er sagte: "Wir wollen, dass Sie den Tag mit Yahoo! beginnen." Der bekannte Technologie-Analyst Rob Enderle attestierte Yang zudem Führungsschwäche. Ehe er vergangenen Juni den Chefposten übernahm, habe er noch nie eine Firma geleitet, sagte Endele. Das mache sich "bemerkbar".

Am schwersten kreideten Kritiker Yang jedoch seine sture Haltung gegenüber Microsoft an. Der IT-Gigant hatte Yahoo vor einigen Monaten für gut 47 Milliarden Dollar kaufen wollen, um gemeinsam die Dominanz des Internet-Konzerns Google im boomenden Geschäft mit Werbung rund um die Online-Suche zu brechen. Yang lehnte mehrfach ab und strebte stattdessen eine Allianz mit Google an.

Google ließ die Pläne aber vor wenigen Wochen wegen Bedenken der Wettbewerbshüter und Protesten von Werbekunden platzen. Erst da brachte der Yahoo-Chef Microsoft wieder als möglichen Käufer ins Gespräch. Doch der Software-Riese ließ ihn abblitzen.

Zahlreiche Aktionäre wie der streitbare Großinvestor Carl Icahn hatten Yang für seinen Kurs scharf kritisiert. Viele Anteilseigner verloren durch das Nein zur Microsoft-Offerte hohe Summen, denn der Aktienkurs des Unternehmens stürzte seither deutlich ab. Microsoft hatte am Schluss 33 Dollar je Yahoo-Aktie geboten, zum Handelsschluss am Montag notierte sie bei 10,63 Dollar.

ssu/AP/AFP/Reuters



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