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Geschichte des Euro: Erfolg im zweiten Anlauf

Von Annegret Loges

Die Idee für eine geemeinsame europäische Währung gibt es seit über 30 Jahren. In den 70er-Jahren wurde das Projekt schon einmal ad acta gelegt.

Nach über 30 Jahren Planung eingeführt: Der Euro
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Nach über 30 Jahren Planung eingeführt: Der Euro

Vom Euro träumt Europa seit dem Ende der Sechziger. Damals zeichnete sich bereits ab, was sich wenige Jahre später manifestieren sollte: Bretton Woods, das Weltwährungsregime auf Basis des Dollars, war nicht mehr tragfähig.

Nach der ersten Ölkrise 1973 wurde die Idee einer europäischen Währungsunion, skizziert 1970 im so genannten Werner-Plan, zunächst ad acta gelegt. Luxemburgs Ministerpräsident Pierre Werner hatte das Konzept zusammen mit Experten erarbeitet. Es hatte bereits die stufenweise Verwirklichung einer Wirtschafts- und Währungsunion bis zum Jahr 1980 vorgesehen.

Vorerst begnügte sich die Europäische Gemeinschaft 1979 mit dem Europäischen Währungssystem (EWS), das die teilnehmenden Währungen innerhalb gewisser Schwankungsbreiten halten sollte. Vorausgegangen war 1972 die so genannte Währungsschlange ähnlichen Zuschnitts, die jedoch bald wieder auseinander gebrochen war. 1979 schließlich rauften sich alle neun EG-Mitglieder zusammen - mit Ausnahme Großbritanniens.

Lange Zeit geschah weiter nichts. 1986 jedoch schuf die Gemeinschaft die Pläne für den Gemeinsamen Markt, der die wirtschaftliche Integration der Mitgliedsländer weiter vorantreiben sollte. Gemeinsamer Markt, gemeinsame Währung: Im Juni 1988 beauftragten die Staats- und Regierungschefs - federführend unter ihnen Kanzler Helmut Kohl - die Europäische Kommission, einen Zeitplan für die Währungsunion zu erstellen.

Dann ging alles ganz schnell: Anfang 1990 wurden, bis auf wenige Ausnahmen, sämtliche Kapitalmarktbeschränkungen innerhalb der EG aufgehoben. Mit den Unterschriften unter den Maastrichter Vertrag im Februar 1992 wurde der Termin zum Start der Währungsunion auf spätestens 1. Januar 1999 festgesetzt - unaufschiebbar. Großbritannien und Dänemark handelten noch schnell die Möglichkeit aus, ihre eigenen Währungen behalten zu dürfen.

Turbulenzen ließen im Sommer 1992 das britische Pfund und die italienische Lira aus dem Währungsverbund ausscheiden: Beide Währungen waren unhaltbar überbewertet. Das EWS musste bis August 1993 ausgesetzt werden. Großbritannien trat bis heute nicht wieder bei. Auch das neue EU-Mitglied Schweden sollte dem Währungsclub später die kalte Schulter zeigen.

Allen Widrigkeiten zum Trotz nahm im Januar 1994 das Europäische Währungsinstitut, Vorläufer der Europäischen Zentralbank, in Frankfurt seine Arbeit auf. Im Dezember 1995 bekam das Kind dann auch endlich einen Namen: Entgegen den Wünschen der Franzosen, die gemeinsame Währung Ecu zu nennen, wie bereits die aus den EWS-Währungen zusammengesetzte Kunstwährung, einigten sich die europäischen Staats- und Regierungschefs auf die Bezeichnung Euro.

Silvester 1998: Die Finanzminister der EU feiern die Euro-Einführung. Oskar Lafontaine ließ sich durch Wirtschaftsminister Müller vertreten.
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Silvester 1998: Die Finanzminister der EU feiern die Euro-Einführung. Oskar Lafontaine ließ sich durch Wirtschaftsminister Müller vertreten.

Silvester 1998 war es schließlich soweit: Gemeinsam gaben die Finanzminister der Euro-Länder die endgültigen Wechselkurse ihrer Währungen untereinander und im Verhältnis zum Euro bekannt (der einzige, der bei dieser Party fehlte, war Noch-Minister Oskar Lafontaine). Die EU-Recheneinheit Ecu wurde 1:1 auf Euro umgestellt. Banker weltweit verbrachten den Jahreswechsel nicht bei ihren Lieben, denn sie wurden als Geburtshelfer für den Euro gebraucht.

Seitdem hat der Euro zwar kaum seinen Weg in den Alltag der Bürger gefunden. Zumindest Eurolands Aktionäre haben sich aber schon an ihn gewöhnt, denn die Börsen in Mailand, Paris und Frankfurt notieren sämtliche Wertpapiere seit dem 2. Januar 1999 in Euro. Von September 2001 an werden Deutschlands Banken und Handel über das neue Bargeld verfügen - allerdings nur unter dem Tresen. Dann beginnt die so genannte Frontloading-Phase, die Versorgung der Kreditinstitute und Läden mit Bargeld.

Die Deutschen können sich in diesem Jahr ein nettes Weihnachtsgeschenk gönnen: Ab dem 17. Dezember kann jeder für 20 Mark in seiner Bank oder Sparkasse eine Haushaltsmischung Euro-Münzen in Höhe von 10,23 Euro, auch Starter-Kit genannt, eintauschen. Zwei Monate lang, im Januar und Februar 2002, wird der Handel noch alte Märker und Pfennige annehmen, dann ist das alte Geld endgültig ungültig und nur noch bei Geldinstituten einzutauschen.

Die Übergangsphasen hat jedes Land weitgehend selbst ausgestaltet. So kommt es, dass die Niederländer Gratis-Startpakete erhalten werden, die Iren ihre Pfund-Noten nur bis zum 9. Februar ausgeben können, dafür aber die französischen Geldautomaten erst im Laufe der ersten zehn Arbeitstage von Franc auf Euro umgestellt werden. Wem vor der heißen Phase der Bargeld-Umstellung graut, dem bleibt nur eines: Zum Jahreswechsel Urlaub im Euro-freien Ausland.

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