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Gesundheit: Ärzte fordern Neuorganisation der ärztlichen Vergütung

Die Honorarreform sorgt für Zwist in der Ärzteschaft: Die Verlierer beschimpfen die Neuordnung als Weg ins Mittelmaß und fordern gar die Auflösung der Kassenärztlichen Vereinigung. Deren Spitzenfunktionäre keilen jetzt zurück. Sie schlagen ein Bezahlsystem nach Art der Privatabrechnung vor.

Berlin - Es wäre nicht weniger als die vollständige Neuorganisation der ärztlichen Vergütung. Der Einfluss der gesetzlichen Krankenkassen auf die Honorarverteilung solle beschnitten werden, forderte die Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) am Donnerstag in Berlin. Am kommenden Montag verhandeln Ärzte- und Kassenvertreter erneut über Ärzteforderungen nach Nachbesserungen.

Vorsorgeuntersuchung: KV als Sinnbild des gierigen Arztes
DPA

Vorsorgeuntersuchung: KV als Sinnbild des gierigen Arztes

Außerdem sollte für alle Kassenpatienten nach einer Übergangsfrist neben dem bisherigen Verfahren zusätzlich das Prinzip der Kostenerstattung eingeführt werden. Patienten würden Behandlungen demnach selbst bezahlen und bekämen das Geld hinterher wie bei der privaten Krankenversicherung von ihrer Kasse erstattet.

Zum 14-Punkte-Forderungskatalog der KBV-Vertreterversammlung zählt auch die Entmachtung der Krankenkassen. "Das Einvernehmen mit den Krankenkassen hat sich nicht bewährt, im Gegenteil", sagte KBV-Chef Andreas Köhler. Seit Monaten protestieren vor allem Fachärzte in Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Schleswig- Holstein mit der Abweisung von Kassenpatienten gegen die neuen Honorarregeln, die im Einzelfall zu deutlichen Einbußen führen können.

Laut Beschluss soll auch der "staatsmedizinischen Ausrichtung" der vergangenen Jahre ein Ende gesetzt werden. Ihr Bekenntnis zur weiteren Organisation der Versorgung knüpfte die Vertreterversammlung ausdrücklich an die Erfüllung ihrer Forderungen.

Umgekehrt verwahrte sich die Ständevertretung auch gegen die Kritik des Vorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Bayern, Axel Munte, der seine Standesvertretung als "Sinnbild des gierigen Arztes" attackiert hatte. Den Ärzten "Gier und Handeln auf Kosten der Patienten vorzuwerfen, ist ein Schlag ins Gesicht der Niedergelassenen", sagte der Vorsitzende der Vertreterversammlung, Andreas Hellmann.

Munte hatte sich in der "Süddeutschen Zeitung" für einen radikalen Umbau oder die Auflösung der KVen ausgesprochen. Eine Forderung, die bereits der bayerische Gesundheitsminister Markus Söder (CSU) und der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach erhoben hatten. Munte sagte: "Durch die neue Honorarreform gewinnen die mittelmäßigen Ärzte auf Kosten der Spezialisten. Das darf nicht sein." Wegen der Förderung mittelmäßiger Medizin durch die Honorarverteilung seien schon zu viele Menschen gestorben.

Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) wies die Forderungen indes kategorisch zurück. Sie kenne kein System in andern Ländern, das besser sei als die Selbstverwaltung in Deutschland, sagte Schmidt am Donnerstag in Berlin. Ohne KVen gäbe es kein Konzept für die Sicherstellung des Rechtsanspruchs der Versicherten auf medizinische Versorgung zu jedem Zeitpunkt. "Ich will kein staatliches System."

Schmidt rief auch gegen Widerstände der Länder und der Ersatzkassen zum Abschluss von Hausarztverträgen an den KVen vorbei auf. Das System brauche mehr Flexibilität. Ärzte warnte sie, aus Ärger um Honorareinbußen wie angedroht ihre Zulassung im KV-System kollektiv zurückzugeben. Solche Ärzte seien laut Gesetz für sechs Jahre von der Versorgung ausgeschlossen.

mik/dpa/AFP

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