Gesundheit Pharma-Unternehmen stoppt Rabattverhandlungen

Die Sorgen der Apotheker vor Versorgungsengpässen bei Medikamenten sind womöglich begründeter, als es das Gesundheitsministerium Glauben machen will. Die Verhandlungen zwischen den AOK und der Pharmaindustrie über neue Rabattverträge sind ins Stocken geraten.


Berlin – Zurzeit hakt es an der Blockade eines einzelnen Pharmaherstellers. Das Unternehmen habe erfolgreich eine Beschwerde beim Bundeskartellamt gegen das von der AOK betriebene Verfahren eingelegt, sagte Frank Münchberg vom Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller (BAH) in Bonn. Die Vergabeentscheidung werde nun überprüft.

Medikamente: Nachprüfverfahren für rund 40 Wirkstoffe
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Medikamente: Nachprüfverfahren für rund 40 Wirkstoffe

Der Mitteilung des Verbands Pro Generika an seine Mitgliedsunternehmen zufolge bezieht sich das Nachprüfverfahren auf etwa die Hälfte der 83 Wirkstoffe, für die die Ortskrankenkassen mit Herstellern Rabatte vertraglich vereinbaren wollen. Für den 24. Oktober ist ein Verhandlungstermin angesetzt. Bis dahin dürfen die Ortskrankenkassen nach Angaben beider Pharmaverbände über die betroffenen Substanzen keine Verträge abschließen.

Eigentlich wollte die federführende AOK Baden-Württemberg Anfang Oktober ihre Entscheidung bekannt geben, welche Firmen sie künftig in ihr Rabattprogramm aufnimmt. Apotheker dürfen an AOK-Versicherte dann nur noch die Präparate dieser Firmen aushändigen, die die AOK im Gegenzug zu einem vergünstigten Preis erhält. Ein Pharmaunternehmen, das einen Verstoß des Auftraggebers im Ausschreibungsverfahren bemängelt, kann einen Antrag auf ein Nachprüfverfahren stellen. Das Verfahren wird dann bis zu einer Entscheidung ausgesetzt.

Die neue Rabattrunde war eigentlich so gut wie beendet, die Verträge waren allerdings noch nicht offiziell unterschrieben. Einzelne Firmen hatten dennoch bereits bekannt gegeben, dass sie von den Ortskrankenkassen Zuschläge erhalten haben. So hatte beispielsweise der Bad Vilbeler Generikahersteller Stada mitgeteilt, dass er für die AOK künftig 23 Wirkstoffe liefern werde.

Die Verträge sollen für die Jahre 2008 und 2009 gelten. Der BAH schloss nicht aus, dass das Bundeskartellamt nach der mündlichen Verhandlung am 24. Oktober das Zuschlagsverbot bestätigen werde. Damit könnte auch das geplante Inkrafttreten der Verträge zum 1. Januar gefährdet sein.

Rabattverträge zwischen Kassen und Pharmaunternehmen sind seit 2003 möglich. Mit der zum 1. April in Kraft getretenen Gesundheitsreform dürfen Apotheker bei Rezeptvorlage nur Präparate derjenigen Hersteller an den Patienten ausgeben, die mit der jeweiligen Kasse einen Rabattvertrag abgeschlossen haben.

mik/Reuters



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