Gewerkschaften Weichen für Verdi gestellt

Dem Fusionsprozess zur Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft Verdi steht offenbar nichts mehr im Wege. Nach der HBV stimmten am Freitag auch Postgewerkschaft und ÖTV für den Zusammenschluss. Bei DAG und IG Medien zeichnete sich eine deutliche Mehrheit für die dann weltgrößte Einzelgewerkschaft ab.


Dortmund - ÖTV-Chef Herbert Mai unterstrich, niemand stelle die Notwendigkeit der Fusion in Frage. Zahlreiche Delegierte äußerten sich jedoch besorgt, ob die Eigenständigkeit, Tradition und Kultur der Einzelverbände gewahrt bleibe. Die Abstimmungen von DAG und IG Medien werden für den Abend erwartet.

Die Delegierten der Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV) sprachen sich in Dortmund mit großer Mehrheit für das Grundsatzpapier der Großgewerkschaft aus. Der außerordentliche Gewerkschaftstag der Post in Bremen votierte einstimmig für das Konzept. ÖTV und DPG billigten zudem die Satzung der Gründungsorganisation und die für die Fusion notwendige Änderung der eigenen Satzungen.

Nach minutenlangem Applaus der Postgewerkschafter nannte ihr Vorsitzender Kurt van Haaren die Beschlüsse eine "solide Grundlage" für die geplante Gründung von Verdi. Er sicherte den Delegierten zu, die Interessen der Postgewerkschaft in Verdi selbstbewusst zu vertreten. Das gelte besonders für ein ausgewogenes Verhältnis zwischen der künftigen Gesamtorganisation und den Fachbereichen sowie die finanzielle Ausstattung der betrieblichen Gewerkschaftsebene. Die Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen (HBV) hatte bereits am Donnerstagabend abgestimmt.

Der Chef der Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV), Mai, sagte in Dortmund, nach anstrengender Diskussion seien die Kritiker überzeugt worden, dass "etwas Neues entstehen" solle. Um die Mitglieder für die Fusions-Idee zu gewinnen, plädierte Mai dafür, Begegnungen über die bisherigen Gewerkschaftsgrenzen hinaus zu fördern. Hier gebe es noch Defizite auf Ebene der Betriebsräte oder Vertrauensleute. Die ÖTV ist mit 1,5 Millionen Mitgliedern mit Abstand die größte der künftigen fünf Partnerverbände.

Mit 3,2 Millionen Mitgliedern wird Verdi noch vor der IG Metall die größte Einzelgewerkschaft der Welt. Sie wird rund 1000 Berufe vereinen, die in 13 Fachbereiche aufgeteilt werden sollen. Die Bereiche sollen die Interessen der Mitglieder etwa bei Tarifverhandlungen vertreten. Die endgültige Entscheidung wird voraussichtlich im Februar 2001 fallen, wenn die Delegierten wiederum auf außerordentlichen Gewerkschaftstagen abschließend über die Verschmelzung abstimmen.

Die Frage, welche Gewerkschaft den künftigen Verdi-Vorsitzenden stellen wird, wurde auf den Gewerkschaftstagen bewusst offen gelassen. Mai sagte, eine Entscheidung werde erst nach Verabschiedung der Gründungssatzung im Mai oder Juni 2000 fallen. Eine HBV-Sprecherin sagte, vom Alter her kämen nur die beiden Vorsitzenden von ÖTV und HBV, Mai und Margret Mönig-Raane, in Betracht.



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