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14. Februar 2008, 14:10 Uhr

Gewerkschaftsschätzung

30 Milliarden Euro werden jährlich hinterzogen

Der Fall Zumwinkel ist spektakulär, das Delikt selbst aber nicht ungewöhnlich: Jedes Jahr werden in Deutschland 30 Milliarden Euro Steuergelder nicht gezahlt, schätzt die Deutsche Steuergewerkschaft.

Leipzig - Es ist eine gewaltige Summe, die dem Staat jedes Jahr entgeht: Rund 30 Milliarden Euro an Steuergeldern werden jedes Jahr hinterzogen, schätzt die Deutsche Steuergewerkschaft. "Davon könnten rund zehn Milliarden Euro für den Staat gerettet werden, wenn die Steuerfahndung ihren Aufgaben angemessen ausgestattet wäre", sagte der Vorsitzende der Gewerkschaft, Dieter Ondracek, der "Leipziger Volkszeitung". Der Fall des Post-Chefs Klaus Zumwinkel zeige eines deutlich: "Dass auch der prominente Name nicht vor konsequenten Ermittlungen schützt", wenn die Fahndung Ernst machen könne, fügte Ondracek hinzu. Das sei "das positive Signal" der Ermittlungen gegen den Privatmann Zumwinkel.

Zugleich zeigt dieser Fall laut Ondracek aber auch, "dass Steuerhinterziehung in Deutschland zum Volkssport geworden ist". Leider sei "das schlechte Gewissen eingeschlafen, weil die Steuerfahndung personell so schwach gerüstet ist, dass sie nicht zeitnah allen Fällen nachgehen kann". So habe sich herumgesprochen, "dass das Entdeckungsrisiko relativ gering ist".

Heute Morgen hatten Steuerfahnder und die Staatsanwaltschaft sowohl das Büro als auch die Privatwohnung von Post-Chef Klaus Zumwinkel durchsucht. Die Bochumer Staatsanwaltschaft prüft, ob der 64-jährige deutsche Top-Manager einen zweistelligen Millionenbetrag am Fiskus vorbei in das Fürstentum Liechtenstein geschleust habe. Ein Post-Sprecher hatte bestätigt, dass es Ermittlungen gegen Zumwinkel gibt und dessen Büro durchsucht wurde.

sam/AFP

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