Gezielte Kursgewinne China wertet seine Währung heimlich auf

Kursaufwertung Schritt für Schritt: Die chinesische Währung hat in den vergangenen Tagen ungewöhnlich viel an Wert im Vergleich zum Dollar gewonnen. Experten glauben, der Yuan solle unauffällig aufgewertet werden.


Shanghai – Der Yuan gewinnt dieser Tage rasant an Wert: Kostete ein Dollar am Freitag noch 7,3041 Yuan, musste man heute nur noch 7,2948 Yuan bezahlen. In den vergangenen zwei Monaten hat der Yuan 2,3 Prozent zugelegt. Dies ist eine deutliche Beschleunigung des Wertgewinns, da der Yuan im Gesamtjahr 2007 noch nicht einmal sieben Prozent aufwertete.

Die chinesische Währung wird in einer engen Spanne gehandelt, deren Mittelpunkt die Zentralbank vorgibt. Die Bank of China legte am vergangenen Donnerstag wie bereits an den vorigen Handelstagen eine überraschend hohe Handelsspanne fest und machte damit den Kursanstieg erst möglich.

Viele Händler sind mittlerweile fest davon überzeugt, dass eine "Mini-Aufwertung" des Yuan in vollem Gange ist - also ein beschleunigter Kursgewinn über mehrere Wochen anstelle einer schlagartigen Aufwertung wie zuletzt Mitte 2005. "Die Zentralbank hat offenbar nicht die Absicht, die Aufwertung sehr bald zu stoppen", sagte ein Händler bei einer staatlichen chinesischen Bank. Ein anderer erklärte: "China will sich die Verlegenheit einer offiziellen Aufwertung ersparen - weil Peking versprochen hat, dass dies nicht mehr vorkommt." Deshalb fädelten die Behörden die Aufwertung diesmal am Devisenmarkt ein.

Über das Jahr betrachtet rechnen die Finanzmärkte derzeit mit einer knapp zehnprozentigen Aufwertung, wie Devisen-Futures signalisierten. Dann würde ein Dollar nur noch etwa 6,66 Yuan kosten.

Eine Aufwertung des Yuan wäre auch für die exportorientierte deutsche Wirtschaft eine gute Nachricht. Westliche Regierungen werfen China vor, seiner Exportindustrie mit einem niedrigen Wechselkurs unfaire Wettbewerbsvorteile zu verschaffen.

Institut prognostiziert China schwächeres Wachstum 2008

Die schrittweise Aufwertung der Landeswährung soll aber vor allem den ungezügelten Boom der chinesischen Wirtschaft bremsen. Dieses Jahr soll die Konjunktur aber jetzigen Berechnungen zufolge auch nicht mehr ganz so stark anziehen wie noch 2007. Angesichts der staatlichen Bremsmanöver werde sich das Wachstum im Olympia-Jahr 2008 von 11,4 auf 10,8 Prozent abschwächen, hieß es in dem Bericht eines staatlichen Forschungsinstituts.

Die chinesischen Exporte werden demnach um 19 Prozent zulegen nach gut 25 Prozent 2007, hieß es in dem Bericht des Instituts, das der wichtigsten staatlichen Behörde für Wirtschaftsplanung angehört. Voraussichtlich wird China bereits 2008 mehr Waren auf dem Weltmarkt verkaufen als der bisherige Exportweltmeister Deutschland, wo die Wirtschaft nach allgemeiner Einschätzung 2008 weniger als zwei Prozent wachsen dürfte.

Die gigantischen Devisenreserven Chinas werden angesichts des Exportwachstums 2008 weiter ansteigen. Der Handelsüberschuss werde immerhin noch um gut 22 Prozent auf knapp 330 Milliarden Dollar anschwellen - 2007 legte der Überschuss sogar noch um rund 50 Prozent zu. Investitionen in die Landwirtschaft sollen gleichzeitig den Anstieg der Verbraucherpreise etwas abbremsen. Die Inflation werde sich deshalb 2008 auf 4,5 von 4,7 Prozent abschwächen.

ase/Reuters



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