Gfk-Studie Wo die reichen Deutschen wohnen

Reichtum ist regional unterschiedlich verteilt - so weit, so klar. Doch wo leben Deutschlands Top-Verdiener genau? Wo die Geringverdiener? Eine Studie der Gesellschaft für Konsumforschung kartografiert unser Einkommen - SPIEGEL ONLINE gibt einen Überblick.


Hamburg - Wo lebt die Unterschicht, wo die Oberschicht? Wo wohnen Singles, wo die Familien mit Kindern, wo sind viele Senioren-Haushalte? Diesen Fragen geht die Gesellschaft für Konsumforschung einmal jährlich nach. Erstmals in diesem Jahr hat sie ihre Geomarketing-Studie um eine besondere Neid- und Nabelschaukategorie ergänzt: Sie analysierte die Verteilung der Top-Verdiener, jener Haushalte, die jeden Monat netto mehr als 7500 Euro verdienen.

Die Topverdiener wohnen demnach vor allem in den beiden südlichen Bundesländern Bayern und Baden-Württemberg. Spitzenreiter ist laut GfK die Region Starnberg bei München. 15,2 Prozent der Haushalte fielen hier in die Kategorie der Top-Verdiener. Platz zwei belegt der Hochtaunuskreis (14,7 Prozent), Platz drei der Main-Taunus-Kreis (14 Prozent). Im Bundesdurchschnitt sind es der Studie zufolge lediglich 2,6 Prozent.

Kreise mit hohem Top-Verdiener-Anteil

Rank Kreis Anteil in Prozent
1 Starnberg 15,2
2 Hochtaunuskreis 14,7
3 Main-Taunus-Kreis 14,0
4 München 12,7
5 Ebersberg 12,6
6 Rheinisch-Bergischer Kreis 9,3
7 Erlangen Höchstadt 9,2
8 Rhein-Pfalz-Kreis 9,0
9 Dachau 8,9
10 Mainz-Bingen 8,7

GfK GeoMarketing

Deutlich erkennbar ist laut GfK das sogenannte Speckgürtel-Phänomen. "Die Zahl der Top-Verdiener ist in den Randgebieten großer Städte meist höher als in den Städten selbst", sagt Gfk-Sprecherin Cornelia Lichtner SPIEGEL ONLINE. Häuslebauer und -käufer ziehe es noch immer ins Grüne, dorthin, wo die Grundstücks- und Immobilienpreise niedriger und die Lebensqualität oft höher sind.

Zu den Regionen mit dem höchsten Anteil von Geringverdienern, nach GfK-Rechnung diejenigen, deren Nettoeinkommen unter 1100 Euro pro Monat liegt, gehören die Städte Bremerhaven, Aachen und Trier sowie der niedersächsische Landkreis Lüchow-Dannenberg. Unter den Metropolen Deutschlands habe Berlin mit 26 Prozent den höchsten Anteil an Geringverdiener-Haushalten.

Auch laut einer OECD-Studie reißt die Kluft zwischen Arm und Reich in Deutschland immer weiter auf. Während die Armutsquote in Deutschland Anfang der neunziger Jahre noch rund ein Viertel geringer war als im OECD-Mittel, liegt der Anteil der Menschen, die in relativer Armut leben, der Studie zufolge mittlerweile knapp über dem OECD-Schnitt. Das Arm-Reich-Gefälle wächst damit schneller als in den meisten anderen Ländern der Welt. Nach neuen Daten der Bundesagentur für Arbeit benötigen immer mehr Deutsche Hartz IV, obwohl sie einen Voll- oder Teilzeitjob haben.

Bundesdurchschnitt Einkommensklassen

EK-Klasse Netto pro Monat in Euro Anteil in Prozent
1 unter 1.100 14,1
2 1100 - 1500 12,2
3 1500 - 2000 13,4
4 2000 - 2600 14,8
5 2600 - 4000 25,1
6 4000 - 7500 17,8
7 über 7500 2,6

GfK GeoMarketing

Die GfK-Studie bestätigt diese Tendenz (siehe Einkommensklassen-Tabelle oben), auch wenn sie andere Maßstäbe ansetzt, beispielsweise nicht explizit das Segment der Armut untersucht, sondern nur die Geringverdiener. Grund für einen hohe Geringverdiener-Quote sei oft auf eine hohe Arbeitslosigkeit in der Region zurückzuführen, heißt es in der GfK-Studie. Aber auch auf einen überdurchschnittlichen Anteil an Single-Haushalten. In diesen verdient nur einer Geld - Mehrpersonenhaushalte haben öfter zwei oder mehr Einkommen.

Stadtkreise mit hohem Single-Anteil

Platz Stadtkreis Anteil
1 Berlin 52,4
2 Hamburg 49,6
3 Bremen 48,3
4 Aachen 47,7
5 Bremerhaven 47,3
6 München 47,4
7 Braunschweig 46,7
8 Leipzig 46,7
9 Trier 45,9
10 Regensburg 45,1

Quelle: GfK GeoMarketing

In ländlichen Gebieten findet man der Studie zufolge deutlich weniger Single-Haushalte als in Städten So bildet beispielsweise der Landkreis Borken das Schlusslicht der Studie. Der Anteil an Singles liegt dort 23 Prozent unter dem Bundesschnitt. Auch in den Landkreisen Landshut, Straubing-Bogen, Kelheim und Coesfeld leben deutlich weniger Singles als durchschnittlich in deutschen Städten.

Das durchschnittliche Alter der Hauptverdiener stieg wie schon in den Vorjahren leicht an und liegt jetzt bei 48,4 Jahren. "Der Anstieg des Altersdurchschnitts spiegelt den demografischen Wandel in Deutschland wider", sagt Simone Baecker-Neuchl, Leiterin der Abteilung "Market Data & Research" bei GfK GeoMarketing. Ludwigshafen liegt beim Anteil der Senioren-Haushalte auf der Spitzenposition: 53,4 Prozent der Ernährer dort sind bereits 60 Jahre oder älter.

Kreise mit hohem Seniorenanteil

Rang Kreis Anteil
1 Ludwigshafen am Rhein 53,4
2 Würzburg 52,4
3 Frankenthal (Pfalz) 52,1
4 Schweinfurt 52,0
5 Bamberg 51,7
6 Wilhelmshaven 50,4
7 Koblenz 50
8 Augsburg 49,7
9 Mainz 49,5
10 Passau 49,3

GfK GeoMarketing

Der Anteil der Haushalte mit Kindern geht dagegen stetig zurück. Bundesweit liegt er inzwischen nur noch bei 31,2 Prozent. Der Anteil von Mehrpersonenhaushalten ohne Kinder liegt bereits bei 30,6 Prozent. Den höchsten Anteil von Haushalten mit Kindern hat wie in den Vorjahren der Landkreis Landshut mit 44,4 Prozent. Generell ist der Anteil von Haushalten mit Kindern in ländlichen Regionen höher. In Großstädten wie Berlin oder Hamburg hingegen liegt der Anteil mehr als 23 Prozent unterhalb des Bundesdurchschnitts.

Für die Studie hat die GfK den Angaben zufolge alle Haushalte einer Region nach der Höhe des verfügbaren monatlichen Einkommens (mit Transferzahlungen wie Kindergeld und Renten) in sieben Kategorien eingestuft.

ssu/AFP/AP



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