Gigantischer Steuerskandal Über hundert Verdächtige im Visier der Fahnder

Die Razzia bei Post-Chef Zumwinkel war nur der Anfang: In den kommenden Tagen wird es nach Informationen von ZDF und "Handelsblatt" in ganz Deutschland weitere Untersuchungen geben. Über hundert Verdächtige - vor allem Prominente - stehen im Mittelpunkt der Ermittlungen.


Berlin - Ein gigantischer Steuerskandal bahnt sich an - und es sind vor allem Prominente und Reiche, die unter Verdacht stehen. Über hundert sollen es sein. Offenbar gibt es massenhaft Unterlagen aus einer Bank in Liechtenstein, die darauf hinweisen, dass möglicherweise mehrere Millionen am deutschen Fiskus vorbei geschleust wurden. "Wir haben die ganze Bank geknackt", zitiert das "Handelsblatt" einen Ermittler.

Post-Chef Zumwinkel bei der Rückkehr zu seinem Haus: Ein Haftbefehl wurde gegen die Zahlung einer Kaution ausgesetzt.
DPA

Post-Chef Zumwinkel bei der Rückkehr zu seinem Haus: Ein Haftbefehl wurde gegen die Zahlung einer Kaution ausgesetzt.

Nach Informationen des ZDF geht es um die LGT Group in Liechtenstein. Das Unternehmen ist nach Angaben seiner Internet-Seite eine "Wealth & Asset Management Gruppe des Fürstenhauses von Liechtenstein". Ein Sprecher der LGT Treuhand AG sagte, das Finanzinstitut wolle sich derzeit nicht äußern. Dem ZDF zufolge wurden für die verdächtigen Geldgeschäfte eine Reihe von Stiftungen gegründet.

Der Erste, bei dem Ermittler gestern Haus und Büro filzten, war Post-Chef Klaus Zumwinkel. Er stehe im Verdacht, mittels Geldanlagen in liechtensteinische Stiftungen Steuern in einer Größenordnung von rund einer Million Euro an Steuern hinterzogen zu haben, teilte die Staatsanwaltschaft Bochum mit. Gegen den 64-Jährigen wurde Haftbefehl erlassen, aber gegen Kaution außer Vollzug gesetzt.

Zumwinkel hat heute seinen Rücktritt angeboten. Die Bundesregierung nahm das Angebot an. Zumwinkels Vertrag sollte zum Ende des Jahres auslaufen - bisher galt aber als weitgehend ausgemacht, dass Zumwinkel danach an die Spitze des Aufsichtsrats wechselt. Postsprecher Martin Dopychai sagte gestern Abend auf die Frage, ob es zutreffe, dass Zumwinkel abgelöst werde: "Das ist nicht der Fall."

"Ich wüsste nicht, was ich mit dem Geld machen sollte"

Die Steuer-Ermittlungen gegen Post-Chef Klaus Zumwinkel haben auch in der Politik Entsetzen ausgelöst.

Sollten die Vorwürfe gegen Zumwinkel stimmen, könnte der Post-Chef der "FTD" zufolge mit einer Bewährungsstrafe davon kommen. Nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung" kann er außerdem auch bei vorzeitigem Ausscheiden aus der Post mit einer hohen Pension rechnen. Ihm stünden nach derzeitigem Stand 1,071 Millionen Euro Ruhestandsgeld pro Jahr zu. Die Summe bemesse sich am fixen Teil seines Gehalts, das 2006 laut Geschäftsbericht bei 1,428 Millionen Euro gelegen habe. Für den Fall, dass Zumwinkel im vergangenen Jahr ein höheres Fixgehalt bekommen hat, werde die Pension noch höher ausfallen.

ase/AP/ddp



Forum - Steuerflüchtlinge härter bekämpfen?
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achwas! 14.02.2008
1.
Zitat von sysopDer Fall Zumwinkel zeigt, dass offensichtlich noch immer immense Steuerflucht-Schlupflöcher existieren - die Staatsanwaltschaft Bochum geht offensiv dagegen vor. Müssen Steuerhinterzieher härter als bisher bekämpft werden?
Sicher ... ... es handelt sich stets um Betrug an der Gemeinschaft.
mitwisser, 14.02.2008
2.
Zitat von sysopDer Fall Zumwinkel zeigt, dass offensichtlich noch immer immense Steuerflucht-Schlupflöcher existieren - die Staatsanwaltschaft Bochum geht offensiv dagegen vor. Müssen Steuerhinterzieher härter als bisher bekämpft werden?
Hey moment mal, wenn die Steuerschlupflöcher legal sind, ist alles in Butter! Allerdings bei Steuerhinterziehung sollten wir anders mit den Kameraden umgehen. Aber das schon bei der Steuererklärung. Mit diesem Mist kann man sich tagelang abasten und auch noch bezahlen. Der Staat sollte seinen Bürgern mehr Vertrauen entgegen bringen: die Steuerschuld aus dem Einkommen, welches der Steuerbürger angibt, berechnen und einnehmen. Sollte es da zu Diskrepanzen oberhalb von Toleranzgrenzen kommen ( Bei Kontrollen ), dann sollten die Vögel auch schnell eingeknastet werden. In den USA läuft das wohl so ähnlich und das ist gut! Hier haben wir die Untertanen- und Kontroll-Mentalität aus dem 19. Jahrhundert, die nur extreme Kosten verursacht. Also mehr Vertrauen und gleichzeitig bei Mißbrauch dieses Vertrauens: Knast. Das dürfte abschreckend sein! Allerdings muß auch die Frage erlaubt sein, ob es sich angesichts von alljährlich wiederkehrenden Steuerverschwendungen in Milliarden-Höhe nicht schlicht um Notwehr handelt, wenn man nicht alles angibt. Schließlich wird dadurch das schwer verdiente Geld des Steuerzahlers in der Kanalisation versenkt....
firstart 14.02.2008
3.
Zitat von mitwisserHey moment mal, wenn die Steuerschlupflöcher legal sind, ist alles in Butter! Allerdings bei Steuerhinterziehung sollten wir anders mit den Kameraden umgehen. Aber das schon bei der Steuererklärung. Mit diesem Mist kann man sich tagelang abasten und auch noch bezahlen. Der Staat sollte seinen Bürgern mehr Vertrauen entgegen bringen: die Steuerschuld aus dem Einkommen, welches der Steuerbürger angibt, berechnen und einnehmen. Sollte es da zu Diskrepanzen oberhalb von Toleranzgrenzen kommen ( Bei Kontrollen ), dann sollten die Vögel auch schnell eingeknastet werden. In den USA läuft das wohl so ähnlich und das ist gut! Hier haben wir die Untertanen- und Kontroll-Mentalität aus dem 19. Jahrhundert, die nur extreme Kosten verursacht. Also mehr Vertrauen und gleichzeitig bei Mißbrauch dieses Vertrauens: Knast. Das dürfte abschreckend sein! Allerdings muß auch die Frage erlaubt sein, ob es sich angesichts von alljährlich wiederkehrenden Steuerverschwendungen in Milliarden-Höhe nicht schlicht um Notwehr handelt, wenn man nicht alles angibt. Schließlich wird dadurch das schwer verdiente Geld des Steuerzahlers in der Kanalisation versenkt....
Es ist nur mit ziemlicher krimineller Energier möglich viel Geld am Staat vorbei zu schleusen. Auf der anderen Seite kassiert das Finantamt derart unverschämt ab, das ich durchaus ein gewisses Verständnis dafür aufbringen kann. Zumal, wie sie selber sagen - man sein Geld auch aus dem Fenster werfen kann. So findet es vielleicht jemand der etwas damit anfangen kann. Beim Staat ist das sicherlich nicht der Fall. Zumwinkel ist für mich gestorben. Nicht weil er Millionen am Fiskus vorbei geschoben hat (zumindest der Vermutung nach), sonder weil er sich mit seinem Wissen auch noch erwischen lässt. Unfassbar!
Mule, 14.02.2008
4. Schlupflöcher? Wo?
Zitat von sysopDer Fall Zumwinkel zeigt, dass offensichtlich noch immer immense Steuerflucht-Schlupflöcher existieren - die Staatsanwaltschaft Bochum geht offensiv dagegen vor. Müssen Steuerhinterzieher härter als bisher bekämpft werden?
Die Schlupflöcher gibt es nur für die "Oberen Zehntausend". Der "Otto Normalverbraucher muß bereits 6,57€ Zinsgewinn auf seinem Girokonto versteuern und Soli dafür entrichten. Außerdem muß O.NV. jedes Jahr all seine Einkünfte in der Steuererklärung angeben, ansonsten wird die Kontoführende Bank befragt. So wird es in Niedersachsen gehandhabt - vorher ging man in Bayern und BaWü wesentlich kulanter mit uns um. Das ist Wulffi, der Lieblingsschwiegersohn aller Mütter!!!!!!!!!
Baptist 14.02.2008
5. Habe ich mir doch gedacht ...
... dass der feine Herr mehr oder weniger ungeschoren davon kommt. Jeder kleine Krauter käme wegen Verdunkelungsgefahr in U-Haft, jeder kleine A.... müsste um seinen Arbeitsplatz bangen. Es kommt anscheinend nur auf die Dimensionen an. Die Kleinen hängt man wegen den mehr oder weniger steuerlichen Kleinigkeiten, die sie begehen können, die Großen lässt man laufen. Da hilft das ganze großkotzige Gerede von der Verfolgung von Steuerflüchtlingen nichts.
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