Global City Hamburg Die Herren der Container

Dass Hamburg die globalste Stadt der Republik ist, liegt an ihnen: Die im Geld schwimmenden Reeder sind die Global Player der Meere.

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Hamburger Schifffahrtsmanager sind normalerweise nicht leicht aus der Ruhe zu bringen. In den vergangenen Jahrzehnten haben sie Sturmfluten und Ölkrisen überstanden, mörderische Preiskämpfe und jahrelange Ertragseinbrüche. Doch derzeit können selbst kühle Reeder manchmal die Fasson verlieren, vor Freude.

Neun Millionen Container wurden vergangenes Jahr im Hamburger Hafen umgeschlagen, dreimal so viel wie vor zehn Jahren. 12.400 Schiffe kamen letztes Jahr die Elbe hinunter. 400 Millionen Standardcontainer wurden 2005 auf den Weltmeeren bewegt - fast doppelt so viele wie vor sechs Jahren.

Plötzlich scheint ein Aufstieg Hamburgs zu Europas größtem Hafen nicht nur möglich, sondern sogar wahrscheinlich. "Wer das noch zur Jahrtausendwende prognostiziert hätte, der wäre direkt in eine Anstalt eingewiesen worden", sagt Michael Behrendt, Vorstandschef von Hapag-Lloyd.

Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit hat sich ein knappes Dutzend Hamburger Reeder in den vergangenen zehn Jahren zur weltweit dominanten Kraft in der Finanzierung und im Bau neuer Containerschiffe aufgeschwungen: Erck Rickmers etwa lässt gerade in Korea gleich acht Schiffe bauen, die je 13.000 Container tragen können. Es sind die größten der Welt. Claus-Peter Offen wird seine Containerflotte bis 2009 innerhalb von fünf Jahren auf über 100 Schiffe weit mehr als verdoppelt haben. Peter Döhle hat derzeit Neubauaufträge für 68 Schiffe ausstehen.

Die neue Hamburger Reederelite unterhält dabei keine eigenen Liniendienste rund um die Welt mehr, sondern verchartert ihre Schiffe - oft inklusive Besatzung. Dafür besitzen und betreiben die Linienreedereien wie Hapag-Lloyd meist nur noch die Hälfte ihrer Schiffe und mieten die andere Hälfte an: Ein 5000-Container-Schiff etwa ist derzeit bei einer Vertragslaufzeit von vier Jahren für 37.000 Dollar zu haben. Am Tag.

Der Welthandel treibt den Seeverkehr und die Hafenumschläge in zuvor nicht geahntem Tempo an. Es ist ein Boom, dessen Ausmaß auch die Experten überrascht hat: Noch zur Jahrtausendwende wurde für den Hamburger Hafen ein Umschlag von 6 Millionen Containern im Jahr 2015 vorhergesagt. Doch so viele waren es schon 2003. Nun sollen es 18 Millionen Container im Jahr 2015 sein.

Zwar wachsen auch die anderen großen europäischen Häfen dank der Globalisierung kräftig. Doch lange nicht so eindrucksvoll wie Hamburg: 2006 etwa wurden 770.000 Container mehr als im Vorjahr an der Elbe umgeschlagen. Rotterdam dagegen, der stets als uneinholbar geltende Konkurrent, schaffte nur ein Plus von 313.000 Stück.

Die Hamburger Traditionsreederei Hapag-Lloyd hat fast im Gleichschritt mit dem Hafen in den vergangenen zehn Jahren einen rasanten Aufschwung erlebt. Zwar hat Hapag-Lloyd in seiner 160-jährigen Geschichte - einst separat gegründet als "Hamburg-Amerikanische Packetfahrt-Actien-Gesellschaft" und Bremer Norddeutsche Lloyd, um deutsche Auswanderer nach Amerika zu bringen - wie kein anderes Unternehmen die deutsche Schifffahrt und damit auch die Hafenstadt Hamburg geprägt.



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