Globale Folgen Finanzkrise stürzt Schwellenländer ins Desaster

Werksschließungen in China, Zahlungsnöte in Ungarn, Probleme sogar in Indien: Die Finanzkrise trifft jetzt auch Schwellen- und Entwicklungsländer - obwohl sie keinerlei Schuld tragen. Sogar die ärmsten Staaten der Welt müssen für die Fehler der reichsten büßen.

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Hamburg - Es ist die Zeit der großen Worte. Wo immer man derzeit hinhört, ist die Rede von "konzertierter globaler Aktion", der "Chance zum Umdenken", von "Gipfelserien" und "Weltfinanzgipfeln". Alles muss schnell gehen, denn es gilt, "keine Zeit zu verlieren". In ungeahnter Geschwindigkeit werden milliardenschwere Hilfspakte geschnürt, Ideologien über Bord geschmissen - während altehrwürdige Bankhäuser pleitegehen, ganze Staaten ins Trudeln geraten und hilflos nach dem Internationalen Währungsfonds (IWF) rufen.

Protest gegen Werkschließung in China: Die Krise trifft Unbeteiligte
AP

Protest gegen Werkschließung in China: Die Krise trifft Unbeteiligte

Doch nicht nur die westlichen Industrieländer leiden unter der Krise der Finanzmärkte, die sie selbst verursacht haben - die Folgen sind global. Sie trifft auch Länder, die nicht oder nur gering in die internationalen Finanzmärkte involviert waren. Sie trifft Staaten, die nicht mit Milliarden jongliert und dem Risiko gespielt haben. Hauptbetroffen: die sogenannten Schwellen- und Entwicklungsländer aus Osteuropa, Asien, Afrika und Lateinamerika, in denen mehr als die Hälfte der Menschheit lebt.

"Die Krise ist 2007 in den USA entstanden und hat sich in Europa festgesetzt", sagt Helmut Reisen, Forschungschef für Entwicklung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). "Sie ist nicht von den Schwellenländern verursacht worden - aber die werden trotzdem mit den Folgen zu kämpfen haben." Noch hätten sich die Schwellen- und Entwicklungsländer "relativ robust geschlagen", sagt Ulrich Volz vom Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE). "Aber die Auswirkungen der Krise sind schon in vielen Ländern sichtbar und werden sich weiter verstärken."

Tatsächlich kursieren schon die ersten Meldungen über staatliche Zahlungsschwierigkeiten in Ungarn, Wachstumseinbußen und Werksschließungen in China oder wachsende Nervosität in Indien. All das sind Vorboten einer Krise, die die eine Hälfte der Welt verursacht hat und die die andere Hälfte der Welt mit ausbaden muss. Fast schon hilflos klingt es deshalb, wenn Weltbank und IWF davor warnen, bei der Rettung des Weltfinanzsystems "die ärmsten Länder nicht zu vergessen".

Unter welchen Folgen der Finanzkrise diese Staaten leiden werden - SPIEGEL ONLINE gibt den Überblick:



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