Globale Leitwährung: Goldman Sachs prophezeit Dollar-Verfall

Miese Aussichten für die wichtigste globale Währung: Erst sagte die Weltbank das Ende der Dollar-Vorherrschaft voraus. Jetzt legt eines der einflussreichsten Finanzinstitute nach. Goldman Sachs rechnet damit, dass die US-Währung gegenüber dem Euro deutlich an Wert verliert.

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DPA

Ein-Dollar-Note: Dauerhafte Talfahrt?

Frankfurt - Die Wirtschaft ist auf Schleichfahrt, die Schulden häufen sich. Die Krise der Vereinigten Staaten scheint zum Dauerzustand zu werden - mit Folgen für den Dollar, der beständig an Wert verliert. Offenbar verlieren nun auch die Amerikaner den Glauben an ihr Geld.

Denn auch die Finanzexperten der US-Großbank Goldman Sachs stimmen jetzt in den Chor der Pessimisten ein: Sie senken ihre Prognose für die Kursentwicklung des Dollar.

Als Hauptgrund für die Dollar-Schwäche nennen die Analysten von Goldman Sachs das immense wirtschaftliche Ungleichgewicht in den USA. Die hohe Arbeitslosigkeit, die anstehende Haushaltskonsolidierung und die andauernde Flaute im Immobiliensektor vermiesten den Ausblick für die US-Konjunktur.

Yuan oder Euro könnten Dollar ablösen

Die Goldman-Banker senkten die Dreimonatsprognose für den Dollar daher von 1,40 Dollar auf 1,45 Dollar je Euro. Mittelfristig sehen sie den Dollar sogar noch schwächer: In einem halben Jahr werde er bei 1,50 Dollar je Euro liegen, auf Jahressicht bei 1,55 Dollar je Euro - und das trotz der derzeitigen Euro-Krise. Am Donnerstag hatte sich der Euro mit deutlich über 1,42 Dollar behauptet.

Experten rechnen schon länger mit dem Bedeutungsverlust des Dollar, doch dass nun auch US-Institutionen die Währung abschreiben, dürfte die Amerikaner schmerzen. Kürzlich hatte bereits die US-geführte Weltbank mit ihrer Prognose für Aufsehen gesorgt. Die Organisation glaubt, dass die Zeiten des Dollar als Leitwährung bald vorbei sein könnten. Der chinesische Yuan oder sogar der Euro könnten ihn ablösen.

Immerhin glaubt die Notenbank Federal Reserve noch an die amerikanische Wirtschaft. Die Zentralbanker hatten am Donnerstag für das laufende Jahr ein Wirtschaftswachstum zwischen 3,2 und 3,7 Prozent prognostiziert.

seh/Reuters

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insgesamt 33 Beiträge
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1. stellt sich die Frage
fritz_64 20.05.2011
was die Herren von Goldman unter Wirtschaft verstehen? Sicher nur ihre eigene Branche, denn scheinbar scheint das billige und in Massen verfügbare Geld der FED nicht wie in der Vergangenheit dafür zu sorgen das die "richtige" Wirtschaft anspringt (evtl. auch wegglobalisiert?). Oder es ist tatsächlich so, dass der über Jahre hinaus geförderte private Konsum an seine Grenzen gestossen ist und der amerikanische Normalbürger sich eben nicht noch weiter verschulden kann (Kein Platz mehr für eine neue Kreditkarte in der Börse).
2. Wie die DDR
scharnhorst24 20.05.2011
Seit 31 Jahren bereise ich regelmäßig die USA. In den vergangenen Jahren ist der Niedergang deutlich sichtbar. Manchmal fühle ich mich an die späte DDR erinnert: verfallene Städte, geschlossene Industrieanlagen, alte Autos, arme Menschen. Der "American Way of Life" ist ausgeträumt. Mir bereitet Sorge wie das Land mit seinem Untergang zurechtkommt.
3. Defizit bleibt IMHO !
mauskeu 20.05.2011
Zitat von sysopSelbst in den USA*baut anscheinend kaum mehr jemand auf den Dollar: Erst sagt die Weltbank das Ende der Vorherrschaft der US-Währung voraus. Jetzt haben ihm*auch die Banker von Goldman Sachs eine*miese Prognose ausgestellt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,763801,00.html
Die Gründe für das hohe Defizit bleiben doch. Der Wirtschaft geht es schlecht, also weniger Steuern. Medicare und Medicaid haben Tendenzen noch mehr zu wachsen und politisch vor der Wahl nächstes Jahr wird da nur schwer etwas zu tun sein. Verteidigungskosten werden nicht stark fallen. Steuern erhöhen vor der Wahl ist unrealistisch. Konjunkturprogramme werden weitergehen. Da bleibt also ein grosses strukturelles Defizit. Jede weitere Milliarde wird immer mehr schaden.
4. Ist ja nicht das erste Mal...
vhe 20.05.2011
Zitat von scharnhorst24Der "American Way of Life" ist ausgeträumt. Mir bereitet Sorge wie das Land mit seinem Untergang zurechtkommt.
...das sowas passiert. Grossbritannien und Frankreich haben's halbwegs hinbekommen, die Russen sind ein Wrack aber zumindest noch lebensfaehig, Nordkorea muss beatmet werden. Ich wuerd die Amis, was den Niedergang angeht, irgendwo zwischen England und Russland einsortieren. Einziges Risiko fuer mich ist der kollektive Groessenwahn da drueben, den die Russen (also die normalen Leute) so nicht gehabt hatten. Als die Apparatschiks weg vom Fenster waren, hat sich das Land relativ schnell beruhigt. Sich von der "Gods Greatest Nation on Earth"-Denke zu verabschieden, duerfte schwerer werden.
5. Aussichten
aceofspade 20.05.2011
Zitat von mauskeuDie Gründe für das hohe Defizit bleiben doch. Der Wirtschaft geht es schlecht, also weniger Steuern. Medicare und Medicaid haben .....
Wenn diese unsaegliche sozialistische Blockade- und Umverteilungstruppe in Washington 2012 endlich weggefegt wird und das Land auf einen Wachtumskurs mit einem schlanken Government gebracht wird, wirds wieder besser. Heute schon sichtbar. Der billige Dollar laesst bereits heute Zweit- und Drittweltlaender in den USA Gueter einkaufen, die vormals zu teuer waren. Hat alles zwei Seiten.
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