GM in Existenzkrise Opel-Mutterkonzern verliert 31 Milliarden Dollar

Der angeschlagene US-Autokonzern General Motors rutscht immer tiefer in die roten Zahlen: 2008 schloss der Konzern mit einem Minus von 31 Milliarden Dollar ab. Allein im vierten Quartal summierten sich die Verluste beim einst größten Autobauer der Welt auf 10 Milliarden Dollar.


Detroit/Washington - General Motors schreibt tiefrote Zahlen: Der schwer angeschlagene US-Autokonzern hat im vierten Quartal 2008 einen Verlust von 9,6 Milliarden Dollar eingefahren. Im Gesamtjahr belaufe sich das Minus auf 30,9 Milliarden Dollar, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Ein Jahr zuvor hatte die Opel-Mutter mit 38,7 Milliarden Dollar den höchsten Verlust der Firmengeschichte ausgewiesen.

GM-Chef Wagner: Dringender Bedarf nach staatlichen Hilfen
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GM-Chef Wagner: Dringender Bedarf nach staatlichen Hilfen

Das Minus fiel noch höher aus als von Marktbeobachtern erwartet. Bereinigt um Sonderfaktoren verlor GM im vierten Quartal 9,65 Dollar je Aktie. Analysten hatten mit einem Verlust von 7,40 Dollar je Anteilsschein gerechnet.

Der GM-Umsatz brach im Schlussquartal angesichts der Krise auf den Automärkten nochmals um mehr als ein Drittel auf 30,8 Milliarden Dollar ein. Im Gesamtjahr stürzten die Erlöse um 17 Prozent auf 149 Milliarden Dollar.

GM erklärte, Grund für das Minus sei die weltweite Wirtschaftskrise und der drastische Nachfrageeinbruch, unter dem die gesamte Autoindustrie leide. Das Jahr 2009 stelle den Konzern vor "Herausforderungen", weshalb GM seine Pläne für einen Umbau beschleunigen werde. Zur Sanierung plant der Autogigant unter anderem weltweit den Abbau von 47 000 Stellen, die Schließung weiterer Werke und die Trennung von Konzernmarken.

Hoffen auf Staatshilfe

GM-Markenübersicht
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General Motors ist in Deutschland vor allem durch Opel bekannt. Doch zu dem Konzern gehören weitere bekannte Namen. SPIEGEL ONLINE stellt die wichtigsten Marken vor.
Der von der Pleite bedrohte Hersteller verbrannte erneut Milliardensummen seiner Kapitalreserven. Zum Jahresende lagen die flüssigen Mittel noch bei 14 Milliarden Dollar. GM-Vorstand Fritz Henderson hatte erklärt, dass das Unternehmen zusätzliche Staatshilfen brauche, um das operative Geschäft weiter finanzieren zu können.

Der größte amerikanische Autokonzern hat bereits staatliche Hilfen in Höhe von 13,4 Milliarden Dollar erhalten. Manager des Konzerns wollen am Donnerstag mit Vertretern der US-Regierung über eine weitere Unterstützung verhandeln. Es geht um Beihilfen im Gesamtvolumen von 30 Milliarden Dollar gebeten.

Die US-Autokonzerne leiden massiv unter der weltweiten Nachfrageflaute, hinzu kommen hausgemachte Probleme wie eine verfehlte Modellpolitik in der Vergangenheit. Erst kürzlich hatte der zweitgrößte US-Autohersteller Ford Chart zeigen einen Verlust von 14,6 Milliarden Dollar für das vergangene Jahr vorgelegt. 2007 hatte das Minus noch bei 2,7 Milliarden Dollar gelegen.

Milliarden-Verlust in Europa

Auch in Europa verbuchte GM Verluste. Der Bereich, zu dem auch die Deutschland-Tochter Opel gehört, lag mit 1,6 Milliarden Dollar vor Steuern im Minus. Im vergangenen Jahr hatte die Sparte GM Europe, bei der Opel rund 80 Prozent des Geschäfts ausmacht, noch 55 Millionen Dollar vor Steuern verdient.

Bei Opel sind am Donnerstag Tausende Mitarbeiter zu einer Großdemonstration zusammengekommen, um für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze zu kämpfen. Der Betriebsrat rechnete mit bis zu 18.000 Teilnehmern bei der Kundgebung am Firmensitz in Rüsselsheim. Auch von anderen Opel-Standorten wie Bochum und Eisenach reisten demnach zahlreiche Mitarbeiter mit Bussen an.

Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Opel, Klaus Franz, hat bei der Kundgebung vehement die Trennung des Autobauers von GM gefordert. Sonst bestehe die Gefahr, dass der US-Konzern die Töchter in Europa mit in den Abgrund reißt. "Es gibt nur eine einzige Chance, die heißt Ausgliederung", sagte Franz in Rüsselsheim.

GM müsse Anteile abgeben, aber mit einer Minderheit an Opel und Vauxhall beteiligt bleiben, um auch künftig Technologietransfers und einen gemeinsamen günstigeren Einkauf zu ermöglichen, forderte Franz. Das Opel-Management will sein eigenes Rettungskonzept am Freitag dem Aufsichtsrat vorlegen.

suc/AP/dpa

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