Public Eye Awards: Schmähpreis für Goldman Sachs und Shell

Von Niklas Wirminghaus

Globalisierungskritiker haben die Investmentbank Goldman Sachs und den Ölkonzern Shell zu den "übelsten Unternehmen des Jahres" gekürt. Sie stünden für "besonders krasse Fälle von Profitgier und Umweltsünden". Die geschmähten Unternehmen wehren sich.

Goldman-Sachs-Händler an der Börse: "Einer der Hauptgewinner der Finanzkrise" Zur Großansicht
REUTERS

Goldman-Sachs-Händler an der Börse: "Einer der Hauptgewinner der Finanzkrise"

Davos - Die Investmentbank Goldman Sachs und der Ölkonzern Shell sind die diesjährigen Träger des Negativpreises Public Eye Award. Die globalisierungskritische Organisation "Erklärung von Bern" und die Naturschützer von Greenpeace verliehen den Preis in Davos - in Sichtweite des Weltwirtschaftsforums. Während nebenan Wirtschaftsführer und Politiker aus aller Welt tagen, werden in dem noblen Schweizer Skiort seit 2000 auch die "übelsten Unternehmen des Jahres" ausgezeichnet. Einen Preisträger kürt eine Jury, der zweite wird durch eine öffentliche Abstimmung bestimmt.

Der Publikumspreis ging an den britisch-niederländischen Ölkonzern Shell - für seine Teilnahme an "besonders kontroversen, risikoreichen und schmutzigen Ölförderprojekten". Gemeint sind damit vor allem Erkundungen und geplante Bohrungen des Ölkonzerns im Nordpolarmeer, wo immense Vorkommen von Erdöl und Gas schlummern. Die Naturschützer werfen Shell vor, damit "eines der letzten Naturparadiese der Erde" und den Lebensraum von Millionen Menschen zu gefährden. Es gebe keinen Plan und kein Know-how, um mit auslaufendem Öl im Eis umzugehen. Die Bohrungen in der Arktis seien ein "unsinniges, hochriskantes Projekt", kritisierte Greenpeace-Chef Kumi Naidoo.

Dem widerspricht der Konzern. "Die Sicherheitsmaßnahmen, die wir getroffen haben, sind weltweit unerreicht", sagte ein Unternehmenssprecher SPIEGEL ONLINE. Shell arbeite mit der US-Küstenwache zusammen und halte eine Eingreifflotte aus Schiffen der arktischen Eisklasse bereit.

Wie schwierig die Bedingungen vor Ort allerdings sein können, zeigte zu Jahresbeginn die Havarie der Shell-Bohrplattform "Kulluk". Bei schwerer See hatte sich die Plattform losgerissen und war vor Alaska gestrandet. Erst eine Woche später gelang die Bergung.

Goldman Sachs als "Hauptgewinner der Finanzkrise"

Die Jury der Public Eye Awards vergab ihren Preis an die Investmentbank Goldman Sachs, weil sie "die Profite von wenigen mit explodierender Ungleichheit und der Verarmung breiter Schichten" bezahle. Die Bank sei "einer der Hauptgewinner der Finanzkrise", erklärte der Juryvorsitzende Michael Baumgartner. Mit Buchungstricks und gegen hohe Honorare habe Goldman Sachs das wahre Ausmaß der Staatsschulden Griechenlands verschleiert. Die US-Bank sei daher mitverantwortlich für die Beinahepleite des Staats und die gesamte EU-Staatsschuldenkrise.

Tatsächlich hatte Goldman Sachs in den Jahren 2000 und 2001 mit komplizierten Währungsgeschäften geholfen, die Angaben über die griechischen Staatsschulden zu schönen - 300 Millionen ließ sich der griechische Staat das Geschäft damals kosten. Gegenüber SPIEGEL ONLINE räumte eine Firmensprecherin ein, eine Diskussion über die Transaktionen sei zwar "wünschenswert". Allerdings seien derartige Währungs-Swap-Geschäfte "sehr üblich für Staaten in der EU und anderswo". Zudem habe sich Goldman Sachs seinerzeit vergewissert, dass die Geschäfte "mit den damals geltenden Grundsätzen in Einklang" standen.

Dass die Bank von den Finanz- und Schuldenkrisen der vergangenen Jahre profitiert habe, weist Goldman Sachs ebenfalls zurück. Die Krisen hätten sich "negativ auf die Geschäfts- und Ertragsentwicklung" ausgewirkt. In der Tat machte vor allem die EU-Schuldenkrise und die schwächelnde Weltwirtschaft der Bank zwischenzeitlich zu schaffen. Im Krisenjahr 2009 konnte Goldman Sachs hingegen von der Schwäche seiner Konkurrenten profitieren - und einen Rekordgewinn einfahren.

Darüber hinaus prangerte die Jury das "undurchsichtige, weltweit einzigartige Netz an Verbündeten in höchsten Positionen" der Bank an. Viele Ex-Banker sind in Politik und internationale Organisationen gewechselt: Zu den bekanntesten Beispielen gehören der italienische Ministerpräsident Mario Monti, der ehemalige US-Finanzminister Henry Paulson und EZB-Präsident Mario Draghi. Aber profitiert die Bank wirklich von Entscheidungen ihrer Ex-Kollegen? Belege gibt es dafür bislang nicht, nur haufenweise Theorien von Verschwörungstheoretikern. Goldman Sachs jedenfalls gibt sich überzeugt: "Für eine solche Vermutung sehen wir keine sachliche Grundlage."

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insgesamt 28 Beiträge
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1. Ha, ha...
Öhrny 24.01.2013
Zitat von sysopREUTERSGlobalisierungskritiker haben die Investmentbank Goldman Sachs und den Ölkonzern Shell zu den "übelsten Unternehmen des Jahres" gekürt. Sie stünden für "besonders krasse Fälle von Profitgier und Umweltsünden". Die geschmähten Unternehmen wehren sich. http://www.spiegel.de/wirtschaft/goldman-sachs-und-shell-mit-public-eye-awards-ausgezeichnet-a-879384.html
...keine sachliche Grundlage. Natürlich nicht. Wär ja noch schöner.
2. Stört doch keinen
karlsiegfried 24.01.2013
Die machen weiter, wie bisher. Wer was anderes glaubt, glaubt auch an den Weihnachtsmann.
3. Shell
captnali 24.01.2013
Wer ist größter Anteilseigner von Shell?
4.
Stauss 24.01.2013
Die FED als Zusammenschluss der US-amerikanischen Banken (es ist keine Nationalbank in der Hand der Öffentlichkeit) wäre auch ein guter Kandidat. Die arbeitet in etwa in einem Besitzmodell wie die Pleite gegangenen West LB.
5. Ja, schon,
ich_rocke 24.01.2013
aber interessant wird es, die Personengruppen zu betrachten, die hinter diesen Firmen stehen. Mit ein wenig Recherche kann man sie auf weltweit wenige Familien zusammenfassen.
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