Golf für Anfänger: Die Mieter schlagen zurück

Von , Abu Dhabi

Wohnen in den Emiraten war lange Zeit unbezahlbar - jetzt ist der Markt gekippt. Vor allem für Gut- und Bestverdiener werden Apartments und Häuser immer billiger. Die Immobilienbranche gibt offen zu: Man habe wohl an der Nachfrage vorbeispekuliert.

Emirate: Ende der Spekulation Fotos
DPA

Herbstliches Abu Dhabi. Wie es jetzt tropft von oben, wie sich die Neonlichter der Hamdan-Street abends in den Wasserpfützen spiegeln, wie alles ruhiger wird und welk die Blätter zu Boden fallen...

Okay, es ist nur das Kondenswasser aus den Klimaanlagen, was hier plätschert und einem in der Hamdan die Sandalen nässt. Wenn ein Blatt erschöpft auf die Verkehrsinseln fällt, dann ist es verdorrt, weil die Bewässerungsanlage verstopft war. Und septemberlich ruhiger war es nur, weil Malls und Behörden im heiligen Monat Ramadan nur noch das Notdürftigste tun dürfen.

Aber dennoch ist das Klima herbstlich, ja frostig, jedenfalls was Abu Dhabis Immobilienfirmen betrifft. Da wird geseufzt: Es ist vorbei. Wer jetzt keine Mieter hat, der findet keine mehr, wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben, darin die üblichen fünf Prozent Mietsteigerungen erbitten, und schnell feststellen: Die Zeit der surreal hohen Mieten ist vergangen. Die Preise fallen wie welkes Laub, sowohl für Büros wie für Wohnungen, für Villen und Villettchen.

Am Golf herrscht die Unsitte aller Boomstädte, eine Jahresmiete im Voraus bezahlen zu müssen. Noch zu Jahresbeginn waren das oft bis zu 80.000 Euro für ein Haus in zentraler Lage. Wer früher aus- oder umziehen wollte, hatte Pech gehabt. Wohnen war eben nichts für jedermann. Jetzt dagegen ist es unter den Expats Mode, sich in einseitig erklärten Mietminderungen zu übertreffen. Es wird zurückgeschlagen.

Genug damit, hastig zusammengebaute, arabisierende Zementblockbauten zu bezahlen wie eine Villa im Grunewald, und beim ersten Winterregen kam das Wasser aus den Sicherungskästen. Genug, windigen Immobilienmenschen mit goldenen Luxusschlitten die Füße zu küssen, damit sie ein original Surrogat im Nouveau-riche-Stil herausrücken, genug!

An der Nachfrage vorbeispekuliert

Die europäischen Botschaften haben ihren Leuten "minus zehn Prozent" Mietminderung als Mindestmaß genannt. Beim hiesigen Goethe-Institut bat ein Mitarbeiter seinen Landlord um minus 20 Prozent und bekam postwendend minus 25 angeboten. Man soll sich schnell einig geworden sein.

In Dubai werden freistehende Luxushäuser auf dem Palmen-Archipel für ein Fünftel der letzten Jahresmiete losgeschlagen. "Turn to tenants-market" nennen das die Maklerfirmen. "Asteco" spricht von 15 bis 20 Prozent Mietsenkung für ältere Immobilien. Und damit ist in Abu Dhabi alles gemeint, wo der Putz schon getrocknet ist.

Die Maklerfirma "Jones Lang LaSalle" hat ausgerechnet, dass mehr als die Hälfte aller Neubauten im sogenannten "High"-Bereich fertiggestellt wurden, aber nur eine Minderheit der Mieter sich die ebenso highen Mieten leisten kann. Man habe wohl, heißt es kokett, an der Nachfrage vorbeispekuliert.

Häuschen für die reicheren Expats wurden zu Hunderten in Auftrag gegeben, während sich die breiten Volksmassen in feinportionierten Wohnungsstückelungen unterbringen dürfen. "One bedplace to rent" steht auf den Zetteln an den Laternen. Der pakistanische Fahrer einer deutschen Beratungsfirma erzählt, dass er seit sechs Jahren mit acht Landsleuten in e-i-n-e-m Zimmer zusammenwohnt und dafür die Hälfte seines Lohns ausgibt.

Kein Kran regt sich mehr

Der Chef einer Personalvermittlung sieht noch einen anderen Grund für die Wende am Wohnungsmarkt: "Abu Dhabi hat den Fehler gemacht, Bauaufträge für zig Milliarden nach Korea zu vergeben. Die Koreaner machen die Planung aber komplett zu Hause. Die brauchen hier keine Büros, keine IT-Techniker, keine Schulen, keinen Einzelhandel." Die Nachfrage sinkt, die Preise dito.

Der Industriedienstleister Ferrostaal hat fast alle seine Mitarbeiter mitten in den Ferien nach Hause zurückbeordert. Die Entwicklung der nachhaltigen Utopiestadt Masdar soll auf Eis gelegt sein. Die staatliche Kulturbehörde ADNACH bekommt seit Monaten keine Gelder mehr, die Bauarbeiten am Fort, dem einzigen historischen Bauwerk der Stadt, immerhin Sitz der Herrscherfamilie, scheinen eingestellt worden zu sein, kein Kran regt sich mehr. Hat das etwas zu bedeuten?

Unsinn, das sind Herbstgedanken, das ist Nörglertum. Zum Glück gibt es die ewigbunten Breitwandfotos, die überall aufgespannt sind, mit kleinen Scheichs, die lächelnd ins Abendlicht schauen, mit Falken und Schildkröten und Leuten mit Bauhelmen, die großen Scheichs im Abendlicht ihre Pläne zeigen. Alles wird gut werden. So ist es geplant.

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1. ich dachte der Titel sei optional?
Lutz W. 18.09.2010
Zitat von sysopDie Immobilienbranche gibt offen zu: Man habe wohl an der Nachfrage vorbei spekuliert.
Dieser Hype war mir von Anfang an suspekt. Es gibt zwar mehr als genug Superreiche, aber wollen die wirklich alle bei den Arabaren hausen? Mal ganz abgesehen von der Hitze, den fehlenden kulturellen Angeboten und den archaischen Gesetzen die es dort gibt.
2. Dubai oder Abu Dhabi?
Aleksandrs Krievs 18.09.2010
Im Artikel ist von Abu Dhabi die Rede, auf den dazugehörigen Bildern wird aber nur Dubai gezeigt. Um welche Stadt geht es denn nun? Um beide? Um die Emirate allgemein?
3. Hatten wir das hier nicht schon einmal, dass der Korrespondent die Emirate ...
Theodorant 18.09.2010
...verwechselt bzw. über einen Kamm schert ?
4. Hat der Autor vielleicht Cayenne und Kajal verwechselt?
Antidarwinist 18.09.2010
Ich kenn mich ja nicht aus mit diesem Frauengedöns, aber irgendwie kommt mir das komisch vor. Czys
5. Wüste
Dr_Lecter 18.09.2010
Das war eine Blase mit Ansage. Jeder wusste, dass das die Party schnell vorbei sein wird. Es gibt zwar immer mehr Millionäre, aber wer möchte denn schon sein Geld in der Wüste investieren? Ein paar gierige sicher mal wieder, die sich von der schönen Glitzerfassade und den märchenhaften Versprechungen aus 1001er Nacht haben locken lassen. Durch die Hintertür sicher auch viele Kleinanleger über Fonds bei denen sie nie wissen was drin ist. Aber dort wohnen? Vielleicht fährt der Eine oder Andere ja mal eine Woche im Urlaub hin, um sich das anzusehen, aber sowas wird ja auch schnell langweilig. Warum sollte man dort Ski-fahren oder andere Vergnügungen betreiben wollen? Die Wüste wird sich das alles schnell zurückholen. Das Geld verdorrt in der Sonne. Außer Spesen nix gewesen. Selber Schuld.
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Zum Autor
Alexander Smoltczyk, Jahrgang 1958, berichtet für SPIEGEL und SPIEGEL ONLINE aus den Golf-Staaten und der arabischen Welt. In seinem Blog "Golf für Anfänger" erzählt er tausendundeine Geschichten aus dem Orient.

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