Staatsschulden EZB und IWF zweifeln an Griechenlands Kreditfähigkeit

Griechenlands Geldgeber zweifeln, ob das Land bald wieder auf eigenen Füßen stehen kann. Nach SPIEGEL-Informationen werfen Europäische Zentralbank und Währungsfonds Athen Reformdefizite vor.

Europäische Flagge
DPA

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Die griechische Wirtschaft kommt offenbar nicht aus der Krise. Die Europäische Zentralbank (EZB) und der Internationale Währungsfonds (IWF) bezweifeln, dass das Land bald wieder in der Lage sein werde, sich dauerhaft Geld an den Kapitalmärkten zu besorgen. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGELfinden Sie hier.)

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Heft 9/2018
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EZB-Präsident Mario Draghi warnte nach Informationen des SPIEGEL beim Finanzministertreffen der Eurostaaten zu Beginn dieser Woche in Brüssel, dass die Kreditwürdigkeit der griechischen Regierung leide, wenn sie nicht entschieden weiter reformiere. Deren Zögerlichkeit habe "Volatilität an den Märkten" hervorgerufen, beanstandete Draghi. Das Land komme entgegen seiner Zusagen zum Beispiel bei elektronischen Auktionen von notleidenden Krediten nicht voran.

IWF-Europachef Poul Thomsen kritisierte, dass seine Organisation die Wachstumsaussichten aller Länder der Eurozone ständig nach oben korrigieren könne, nur die Griechenlands nicht. Noch immer enttäusche das Krisenland mit Blick auf das Wirtschaftswachstum.

Griechenlands Finanzminister Euklid Tsakalotos verteidigte sich nach Auskunft von Mitarbeitern mehrfach damit, dass die Schwierigkeiten außerhalb der Kontrolle der griechischen Regierung lägen.

EU-Währungskommissar Pierre Moscovici stand ihm bei: Die griechische Regierung habe alles versucht, was von ihr verlangt worden sei, sagte er nach SPIEGEL-Informationen.

Dieses Jahr läuft das dritte Hilfspaket für Griechenland aus, dann muss das Land finanziell wieder auf eigenen Beinen stehen.

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Seite 1
Nachtsegler 23.02.2018
1. Es wird immer so weitergehen,
dass Griechenland über seine Verhältnisse lebt und die dabei unvermeidlichen Defizite andere tragen müssen - Deutschland zuerst. Wo kämen wir auch hin, wenn Griechenland seine Verfassung ändern müsste und dann die Elite des Landes Steuern zu zahlen hätte. Da ist es doch viel besser, das Ausland zahlen zu lassen! Das gilt insbesondere im Hinblick darauf, dass das bisher immer funktioniert hat. Zuerst: Schuldenschnitt bei privaten Gläubigern. Dann: Ein EU - Rettungsfond, der sein (zumeist deutsches) Geld garantiert nie wiedersehen wird. Und, ich wette, so geht es lustig weiter bis in alle Ewigkeit.................
joG 23.02.2018
2. Im Gegensatz zur EZB....
....hat die IWF rechtzeitig laut gewarnt und sich neuer Geldgabe verweigert. EZB und Bundesfinanzministerium haben trotz früherer Zusage an Bundestag und deutsche Bürger trotz des de facto Ausstiegs der IWF neues Geld eingeschossen indem sie sagten, die IWF wäre eigentlich nicht ausgestiegen. Sie hätte lediglich kein Geld gegeben. Mal sehen, wie die EUler das nun für das Volk aufbereiten.
tendigr 23.02.2018
3. Kreditwürdig?
Ich habe 15 Jahre in Griechenland gelebt. Nein, ich habe nie an der Kreditwürdigkeit Griechenlands gezweifelt, ich habe schon nach wenigen Monaten gewußt, daß es nicht kreditwürdig ist. Ich kann nicht einmal sagen, daß sie, die Griechen, nicht kreditwürdig werden könnten. Ich kann aber sagen, daß die Griechen, zumindest die, die ich dort getroffen habe, nicht kreditwürdig werden wollen. Zitat: Why should we work, as long as Merkel pays. Oder ein deutsch sprechender Grieche: Wenn ich Steuern zahlen muß, schließe ich meinen Laden und arbeite nicht mehr.
joG 23.02.2018
4. Es wäre schon pikant....
....wenn EZB und Regierungen bereits früher in der Woche mit einem Scheitern der Griechen rechneten aber erst jetzt die Öffentlichkeit und Investoren informierten. In der Privatwirtschaft kann so etwas Gefængnis bedeuten.
Sportzigarette 23.02.2018
5.
Zitat von Nachtseglerdass Griechenland über seine Verhältnisse lebt und die dabei unvermeidlichen Defizite andere tragen müssen - Deutschland zuerst. Wo kämen wir auch hin, wenn Griechenland seine Verfassung ändern müsste und dann die Elite des Landes Steuern zu zahlen hätte. Da ist es doch viel besser, das Ausland zahlen zu lassen! Das gilt insbesondere im Hinblick darauf, dass das bisher immer funktioniert hat. Zuerst: Schuldenschnitt bei privaten Gläubigern. Dann: Ein EU - Rettungsfond, der sein (zumeist deutsches) Geld garantiert nie wiedersehen wird. Und, ich wette, so geht es lustig weiter bis in alle Ewigkeit.................
Sie haben in fast allen Punkten zu Griechenland recht. Aber dennoch hat Deutschland bisher nicht einen Cent für Griechenland bezahlt, sondern auf Grund der gesunkenen Zinsen (Dank der Finanzkrise) jedes Jahr über 25 Mrd. gespart! Auch das sollte man bedenken, wenn man immer vom Zahlmeister in Europa spricht!
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