Größtes Plus seit zwei Jahren: Industrie bekommt deutlich mehr Aufträge

Neue Anzeichen für eine Erholung der deutschen Wirtschaft: Die Industrie konnte im Juni deutlich zulegen - ihre Auftragseingänge stiegen um 4,5 Prozent, weit stärker als von Volkswirten erwartet. Gefragt waren vor allem Fahrzeuge und Maschinen.

Berlin - Die Auftragseingänge in der Industrie sind im Juni überraschend stark in die Höhe geschnellt. Im Vergleich zum Vormonat stiegen sie um 4,5 Prozent - und damit so stark wie seit zwei Jahren nicht mehr. Volkswirte hatten lediglich mit einem Plus von 0,7 bis 0,8 Prozent gerechnet. "Die Belebung ist breit über viele Industriezweige angelegt", teilte das Wirtschaftsministerium am Donnerstag bei Vorlage der Zahlen mit.

Maschinenbau (in Friedrichshafen): "Belebung breit angelegt" Zur Großansicht
AP

Maschinenbau (in Friedrichshafen): "Belebung breit angelegt"

Besonders ausgeprägt sei das Wachstum bei Vorleistungs- und Investitionsgüterproduzenten. Gefragt waren demnach vor allem Maschinen und Fahrzeuge. So stiegen bei den Herstellern von Investitionsgütern die Aufträge um 5,0 Prozent. Bei den Vorleistungsgütern lag das Plus bei 4,6 Prozent. Im Konsumgüterbereich gingen die Aufträge allerdings um 0,5 Prozent zurück.

Deutliche Impulse erhielt die Industrie zudem aus dem Ausland. Hier legten die Bestellungen um 8,3 Prozent zu, während der Zuwachs aus dem Inland bei 0,2 Prozent lag.

Damit haben sich aus Sicht des Ministeriums die Aussichten für die Industrieproduktion in den kommenden Monaten weiter verbessert. "Nach dem kräftigen Einbruch im Winterhalbjahr 2008/2009 hat sich die Bestelltätigkeit in der Industrie seit nunmehr vier Monaten in Folge nachhaltig belebt", kommentierte das Ministerium die Zahlen. Auch im Mai hatte es einen kräftigen Zuwachs von 4,4 Prozent gegeben.

Auftragseingänge in der Industrie
Monat Juni 2009 Vergleich zum Vormonat Mai 2009 Vergleich zum Vormonat
Insgesamt 88,3 + 4,5 84,5 + 4,4
Inland 86,6 + 0,2 86,4 + 4,1
Ausland 89,8 + 8,3 82,9 + 4,9
Eurozone 86,6 +13,2 76,5 + 1,2
Nicht-Eurozone 92,4 + 4,8 88,2 + 7,8
Quelle: Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie auf Basis vorläufiger Berechnungen des Statistischen Bundesamtes

Auch im Zweimonatsvergleich (Mai/Juni gegenüber März/April) stieg die Nachfrage deutlich um 6,8 Prozent. Auch hier legte die Auslandsnachfrage mit 8,8 Prozent kräftiger als die ebenfalls starke Inlandsnachfrage mit 4,7 Prozent zu.

Im Jahresvergleich gaben die Aufträge im Juni zwar abermals kräftig nach, der Abwärtstrend verlangsamte sich aber erneut. So lag das Minus im Juni bei 25,3 Prozent nach minus 29,4 Prozent im Vormonat.

Entwicklung der einzelnen Industriesparten
Sparte Juni 2009 Vergleich zum Vormonat Mai 2009 Vergleich zum Vormonat
Vorleistungsgüter 93,4 + 4,6 89,3 + 3,6
Investitionsgüter 84,5 + 5,0 80,5 + 5,8
Konsumgüter 91,3 - 0,5 91,8 + 2,6
Quelle: Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie auf Basis vorläufiger Berechnungen des Statistischen Bundesamtes

yes/dpa/Reuters

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1.
Galaxia, 06.08.2009
Zitat von sysopNeue Anzeichen für eine Erholung der deutschen Wirtschaft: Die Industrie konnte im Juni deutlich zulegen - ihre Auftragseingänge stiegen um 4,5 Prozent, weit stärker als von Volkswirten erwartet. Bei all den Meldungen zur Konjunktur - blicken Sie noch durch?
Im Artikel heisst es ja "Gefragt waren demnach vor allem Maschinen und Fahrzeuge." Und bei Fahrzeugen konkret ist hier sicherlich dies auf die Umwelt-Abwrackprämie zurückzuführen. Daher man muss relativieren und durch diese "Prämie" wurde nur etwas aufgeschoben. Sinn solcher Meldungen ist wohl der Gedanke, das einige meinen man kann etwas schön reden. Die Verpackung macht auch was her, nur ändert das nichts daran wenn der Inhalt faul ist. Deutschland kann nur einen nachhaltigen Aufschwung schaffen, wenn es seine Energietechnologie umstellt.
2.
Bettelmönch, 06.08.2009
Zitat von sysopNeue Anzeichen für eine Erholung der deutschen Wirtschaft: Die Industrie konnte im Juni deutlich zulegen - ihre Auftragseingänge stiegen um 4,5 Prozent, weit stärker als von Volkswirten erwartet. Bei all den Meldungen zur Konjunktur - blicken Sie noch durch?
Nein, aber das zeigt, daß die Konjunktur komplexer ist als viele Expertenmeinungen suggerieren.
3.
BTW, 06.08.2009
Zitat von sysopNeue Anzeichen für eine Erholung der deutschen Wirtschaft: Die Industrie konnte im Juni deutlich zulegen - ihre Auftragseingänge stiegen um 4,5 Prozent, weit stärker als von Volkswirten erwartet. Bei all den Meldungen zur Konjunktur - blicken Sie noch durch?
Drastisch mehr Auftraege ? Ist ja voll krass. "Im Jahresvergleich ... lag das Minus im Juni bei 25,3 Prozent nach minus 29,4 Prozent im Vormonat"
4.
mbberlin, 06.08.2009
Zitat von sysopNeue Anzeichen für eine Erholung der deutschen Wirtschaft: Die Industrie konnte im Juni deutlich zulegen - ihre Auftragseingänge stiegen um 4,5 Prozent, weit stärker als von Volkswirten erwartet. Bei all den Meldungen zur Konjunktur - blicken Sie noch durch?
Blickt ihr beim Spiegel nocht durch?
5.
Wolfghar 06.08.2009
Zitat von sysopNeue Anzeichen für eine Erholung der deutschen Wirtschaft: Die Industrie konnte im Juni deutlich zulegen - ihre Auftragseingänge stiegen um 4,5 Prozent, weit stärker als von Volkswirten erwartet. Bei all den Meldungen zur Konjunktur - blicken Sie noch durch?
Ich blicke sicher nicht durch, aber ich misstraue auch allen Volkswirten mit Parteibuch und den INSM Gefühlsermittlungsinstituten bei ihrer politischen Stimmungsmache. Was bedeuten 4,5% mehr Aufträge bei einem Einbruch von bis zu 70% teilweise? Ein Aufschwung? Was für eine demagogische Desinformation! Mit Wahrheit und Ehrlichkeit wollen diese Leute sicher nichts zu tun haben. Aber wenn es jetzt wieder neue Aufträge gibt kann man ja endlich die Löhne weiter senken um die Stellen zu halten.
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