Großinvestor Buffett US-Milliardär auf Einkaufstour in Deutschland

Warren Buffett in Shoppinglaune: In Frankfurt trifft sich der US-Milliardär mit Vertretern deutscher Familienunternehmern. Der reichste Mann der Welt sucht ein neues Investitionsfeld - und wirbt um Vertrauen.

Von Felix Ehlert


Hamburg - Private Investoren haben bei Familienunternehmen ein schlechtes Image. Viele haben erhebliche Vorbehalte gegenüber Minderheitsbeteiligungen von Private-Equity-Gesellschaften. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie der Technischen Universität (TU) München, die im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen erfolgte.

Milliardär Buffett: Wertschätzung für deutsche Ingenieurskunst
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Milliardär Buffett: Wertschätzung für deutsche Ingenieurskunst

Demnach fürchten jeweils 29 Prozent der befragten Firmen um ihre Unabhängigkeit, ebenfalls 29 Prozent blicken sorgenvoll auf vermeintlich zu hohe Gewinnerwartungen des Investors. 24 Prozent geben zu bedenken, das Engagement von außen könnte nicht langfristig angelegt sein.

Doch die Studie zeigt auch, dass die Familienunternehmen, die sich einen Investor ins Haus geholt haben, überwiegend zufrieden sind.

Wenn Warren Buffett heute in Frankfurt mit deutschen Familienunternehmern über mögliche Beteiligungen spricht, werden sie deshalb genau zuhören. Denn der reichste Mann der Welt, dessen Vermögen auf 62 Milliarden Dollar geschätzt wird, gilt als gemäßigt, gar als Heilsbringer für die Firmen, in die er investiert. Er tut dies in der Regel langfristig und mischt sich nicht in Angelegenheiten des Managements ein. Zuletzt war er wegen der spektakulären Übernahme des Kaugummi-Herstellers Wrigley durch Mars in den Schlagzeilen, die erst mit Buffetts Finanzhilfe möglich wurde.

Buffett ist auf Europa-Tour. Nach der 80-prozentigen Beteiligung am israelischen Industriekonzern Iscar - seit 1952 in Familienbesitz - will er sich in Deutschland, aber auch in Lausanne, Madrid und Mailand als verlässlicher Geschäftspartner präsentieren. Dass der Amerikaner dabei besonders auf den deutschen Markt schaut, machte er bereits im Vorfeld deutlich. Er wolle hierzulande "auf den Radarschirm kommen", sagte er. An die Familienunternehmen schickte er schon die Botschaft: "Wenn Ihnen Ihr Geschäft wichtig ist, dann sind wir die beste Adresse." Heute legte er gewohnt amerikanisch nach: "Ich hoffe, wir können in Deutschland, in den USA und anderswo große Deals machen. Je größer, desto besser", sagte er während der Pressekonferenz am Montag.

Es verwundert nicht, dass Buffett seine Investitionen verstärkt nach Europa tragen will - die USA sind angesichts des Dollarverfalls und als Epizentrum der weltweiten Kreditkrise ein deutlich riskanteres Investitionsumfeld. Erstaunlich ist jedoch, dass er sich ausgerechnet am deutschen Mittelstand beteiligen möchte. Angeblich ist es die hiesige Ingenieurskunst, die den 77-Jährigen lockt. Es hält sich das Gerücht, dass Buffett großes Interesse am Einstieg bei Heidelberger Druck Chart zeigen habe - der Hersteller von Druckmaschinen selbst dementiert.

Die Unternehmer, zu denen Buffett heute spricht, kommen nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" aus der Maschinenbaubranche, aber auch aus Nahrungsmittelproduktion und Handel. Unter den Geladenen befinden sich auch BMW-Großaktionär Stefan Quandt und Matthias Graf von Krockow von Sal. Oppenheim, heißt es. Die Gästeliste ist geheim.

Glaubt man Analysten, schöpft der deutsche Mittelstand sein Potential noch nicht völlig aus. Die Eigenkapitalquote liegt dort selten über 20 Prozent. Die Beschaffung neuen Kapitals wiederum wird teilweise durch die geänderten Kreditrichtlinien der Bank für internationalen Zahlungsausgleich, bekannt als "Basel II", erschwert. Da könnten Buffetts Millionen durchaus hilfreich sein.

Laut der Studie der TU München legen Familienunternehmer, die private Investoren ins Boot holen, besonders Wert auf die Professionalisierung der Unternehmensführung, die Verbesserung der Kapitalstruktur oder einen neutralen Gesellschafter als Moderator. Buffetts gutes Image und seine Erfahrung könnten überzeugende Argumente sein.

Auch Torsten Groth vom Institut für Familienunternehmen an der Universität Witten/Herdecke sieht gute Chancen für Buffett, Fuß zu fassen. "Er steht als Person für das Denken eines Familienunternehmers", sagt Groth.

Warren Buffetts Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway Chart zeigen hat einen Jahresumsatz von 118 Milliarden Dollar. Die Aktien sind die teuersten der Welt. Eine kostet derzeit über 122.000 Dollar.



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