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19. Februar 2013, 17:58 Uhr

Schneeballsystem

Großrazzia wegen Betrug - Tausende Anleger geschädigt

Es geht um Anlagebetrug im großen Stil: Bei einer bundesweiten Razzia hat die Polizei 130 Büros und Wohnungen durchsucht, sechs Verdächtige wurden festgenommen. Ermittler werfen ihnen vor, Tausende Anleger über ein Schneeballsystem um ihre Ersparnisse gebracht zu haben.

Frankfurt am Main - Der Frankfurter Staatsanwaltschaft ist ein Schlag gegen eine Bande mutmaßlicher Anlagebetrüger gelungen. Sie werden verdächtigt, mit der Frankfurter Firmengruppe S&K ein umfassendes Schneeballsystem aufgebaut zu haben. Man gehe von einem "extrem hohen Schaden im dreistelligen Millionenbereich" aus, berichtete die Frankfurter Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftsstrafsachen am Dienstag.

Sechs Männer wurden in Frankfurt und Hamburg in Haft genommen, gegen weitere 44 Personen wird ermittelt. An den rund 130 Durchsuchungen mit Schwerpunkten in Hessen, Hamburg und Bayern haben rund 1200 Ermittlungsbeamte und 15 Staatsanwälte teilgenommen. Weitere beteiligte Länder waren Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Brandenburg.

Die Ermittlungen richten sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft gegen die Deutsche S&K Sachwert AG in Frankfurt (S&K), die zusammen mit weiteren Firmen aus Hamburg und Köln Kern eines betrügerischen Firmennetzes sein soll. Das Unternehmen war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Tausenden Kunden sollen beispielsweise Anteile an geschlossenen Fonds verkauft worden sein, die wiederum ihre Mittel an eine Immobilien-GmbH der S&K-Gruppe als Darlehen weiterreichten. Als Verzinsung wurden laut Verkaufsprospekt zwölf Prozent versprochen. Um die Ansprüche älterer Anleger zu befriedigen, seien im Schneeballsystem neue Zuflüsse verwendet worden, lautet ein Vorwurf der Staatsanwaltschaft. Ebenfalls im Angebot waren Fonds für Risikokapital.

Die Beschuldigten sollen einen "exzessiven Lebensstil" geführt haben

Die geschädigten Anleger waren als Lehre aus der Finanzkrise 2008 offenbar auf der Suche nach neuen ertragreichen und dennoch sicheren Formen der Geldanlage. Immobilien wurden damals als "wahrscheinlich sicherste Anlageform der Welt" in den Vordergrund der Werbung gestellt. S&K verwaltete nach eigenen Angaben ein Portfolio im Wert von 1,7 Milliarden Euro.

Dem Vernehmen nach gehören die beiden S&K-Gründer zu den festgenommenen Hauptverdächtigen. Insgesamt werde gegen etwa 50 Beschuldigte ermittelt, weitere Haftbefehle gebe es derzeit nicht. Unter den Beschuldigten seien auch mehrere Notare und Rechtsanwälte.

Fraglich ist, was bei den mutmaßlichen Betrügern noch zu holen ist. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass von den Anlagegeldern nicht mehr viel übrig ist: Sie seien unter anderem für "den extrem aufwendigen und exzessiven Lebensstil der Beschuldigten" verwendet worden.

Im Internet kursieren Fotos der beiden S&K-Chefs mit teuren Sportwagen. Zudem sind die Gelder nach Einschätzung der Strafverfolger in großem Stil in das Eigentum verbundener Unternehmen, beschuldigter Personen und deren Familienangehöriger verschoben worden. Die Justiz hat nach eigenen Angaben Vermögenswerte von mehr als 100 Millionen Euro gesichert. Dazu gehörten Immobilien, Autos und Konten.

stk/dpa/Reuters

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