Leere Gasspeicher Grüne fordern nationale Erdgasreserve

Die jüngste Kältewelle hat die Erdgasspeicher in Deutschland kräftig geleert. Die Füllstände liegen nur noch bei gut 20 Prozent - der Grünen-Experte Krischer sieht nun den Staat in der Verantwortung.

Nord-Stream-Trasse in Lubmin bei Greifswald (Archivbild)
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Nord-Stream-Trasse in Lubmin bei Greifswald (Archivbild)

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Der Energieexperte der Grünen im Bundestag, Oliver Krischer, hat den Aufbau einer nationalen Erdgasreserve verlangt. Das Befüllen der Gasspeicher dürfe sich nicht nach Marktpreisen richten, sondern müsse von der Versorgungssicherheit bestimmt werden, sagt er dem SPIEGEL.

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Heft 12/2018
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Krischer zeigte sich beunruhigt, da sich die Erdgaslager in Deutschland in diesem Jahr sehr schnell geleert haben. In nur fünf Wochen fiel der Pegel von rund 50 auf nur noch rund 20 Prozent, wie aus der Statistik des Verbandes "Gas Storage Europe" hervorgeht. Und der Winter ist noch nicht vorbei. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

Vor einem Jahr waren die deutschen Speicher in derselben Woche noch zu rund 27 Prozent befüllt. Vor zwei Jahren lag der Wert sogar noch bei 53 Prozent - und im Februar 2015 bei gut 54 Prozent.

In die Speicher gelangt zudem immer weniger Erdgas aus deutscher Produktion. Die Förderung hat 2017 laut Bundesverband Erdgas, Erdöl und Geoenergie (BVEG) einen neuen Tiefstand erreicht. Seit dem Jahr 2000 ist sie um rund zwei Drittel gesunken, die Abhängigkeit von Quellen aus dem Ausland somit erheblich gestiegen.

Allein Russland deckt 40 Prozent des deutschen Gasbedarfs. Den Förderrückgang begründet der BVEG unter anderem mit dem faktischen Aussetzen des umstrittenen Fracking-Verfahrens.

"Der Rückgang der heimischen Erdgas- und Erdöl-Produktion lässt sich nur aufhalten, wenn wir neue Reserven in Deutschland erschließen können", sagt der BVEG-Hauptgeschäftsführer Christoph Löwer.

Zwar gilt der Kompromiss, dass die Methode in konventionellen Lagerstätten, also nicht in Schiefer- oder Kohleflözgas-Vorkommen, angewandt werden darf. Hier sind laut BVEG Projekte und entsprechende Anträge in Vorbereitung. Doch die Gesetzesänderung mache die Genehmigungsverfahren deutlich komplexer und langwieriger, so dass noch nicht feststehe, wann Fracking wieder zum Einsatz komme.

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insgesamt 34 Beiträge
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w50 17.03.2018
1. Wir müssen neue Reserven erschließen?
Eine sehr fragliche These, es würde völlig ausreichen in der lastschwachen Zeit des Jahres die Speicher zu Füllen. Das es nicht geschieht, liegt einzig und allein an der politisch gewollten Liberalisierung des Marktes. Jedes einzelne Wertschöpfungskette wurde in unabhängige Unternehmensteile zergliedert und der Speicher rechnet sich dann eben nicht. Die Politik hätte hier bereits vor Jahren handeln müssen und eine staatlich Bevorratungsreserve einführen müssen. Bisher haben immer die Marktapologeten obsiegt, so wie man im Stromsektor vehement für den Energy only-Markt a rgumentiert und meint bei fehlenden Reserven würden die dann hohen Preise es über Marktmechanismen schon richten.
kleinsteminderheit 17.03.2018
2. Versorgungssicherheit
Die nationalen Erdgasspeicher wurden als Teil der öffentlichen Infrastruktur genehmigt und gebaut, nicht zur Gewinnoptimierung ihrer Betreiber. Ihre Aufgabe ist es, die Gasversorgung bei Spitzenbedarf oder bei Lieferproblemen sicher zu stellen. Die Betreiber nutzen diese Sicherheitselemente nun offenbar spekulativ, das heißt, dass die Vorratshaltung sich nach Einkaufs- und Verkaufspreis richtet, nicht nach dem möglichen Spitzenbedarf eines kalten Winters. Die zu geringe Vorratshaltung war betriebswirtschaftlich gerechtfertigt, kann sich aber volkswirtschaftlich negativ auswirken, z.B. wenn Industrien mangels Gas ihre Produktion drosseln. Der Vorgang zeigt wieder einmal, dass öffentliche Infrastruktur und Daseinsvorsorge nicht mit Gewinnstreben in Einklang zu bringen sind.
zielweg 17.03.2018
3.
Die Lager sollten immer bis zum Ende der Heizperiode reichen, auch wenn Russland mal das Gas abdrehen sollte. Während des Sommers haben wir dann ausreichend Zeit um uns Alternativen zu kümmern
theodtiger 17.03.2018
4. Hohe Kosten - geringer Nutzen
Dieser Vorschlag erinnert schon stark an die Nationale Kohlenreserrve der 1980 er Jahre, die teuer war und nie gebraucht wurde. Seitdem ist die deutsche Energiewirtschaft viel mehr diversifiert und fest in den EU Binnenmarkt integriert. Statt der Schaffung eines weiteren nationalen Subventionsgrabs sollte der EU Binnenmarkt gestärkt und die Energiewende in Europa weiter vorangetrieben werden.
vitalik 17.03.2018
5.
Habe ich etwas überlesen oder warum wird in dem Artikel der Grund des niedrigen Standes nicht genannt? Oder ist der Grund für den niedrigen Stand die fehlende Förderung durch den Staat? Das würde bedeuten, dass es theoretisch genügen Angebot gibt, aber man diese verfügbare Menge nicht in Anspruch nimmt. Für jemanden, der nicht in de Branche tätig ist, könnte der Artikel auch ein paar mehr Informationen beinhalten.
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