Grüne Technologien Gabriel sieht Chance auf zwei Millionen neue Umweltjobs

Unterstützung für den "Deutschland-Plan" von SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier: Umweltminister Gabriel hat gleich zwei Studien präsentiert, die Chancen für Millionen neuer Jobs aufzeigen. Umwelttechnik von der Windkraft bis zur Kohlendioxid-Speicherung spielt dabei eine große Rolle.


Berlin - Zwei Millionen neue Jobs in der Umweltbranche - Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hält das für machbar. In Berlin präsentierte der SPD-Minister zwei Studien dazu, wie Deutschland seine Stellung bei grünen Technologien sichern und ausbauen kann. Damit schloss sich Gabriel dem "Deutschland-Plan" an, den SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier am Montag für seinen Wahlkampf vorgestellt hatte. Steinmeier verspricht darin vier Millionen neue Arbeitsplätze, zwei Millionen davon im Bereich grüner Technologien.

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD): Das Potential von Umwelttechnologien lasse sich "dramatisch erweitern"
DPA

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD): Das Potential von Umwelttechnologien lasse sich "dramatisch erweitern"

Gabriel sagte, ohne ein Umsteuern sei für Deutschland mit einem deutlichen Arbeitsplatzabbau in den kommenden Jahren zu rechnen. Es reiche daher nicht aus, Jobs zu erhalten, sondern es müssten neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Dazu böten Umwelttechnologien wie Offshore-Windkraftanlagen und andere erneuerbare Energien ein Potential, das sich "dramatisch erweitern" lasse.

Die Bundesrepublik hat laut Gabriel bei den Umwelttechnologien einen Weltmarktanteil von 20 Prozent, bei den erneuerbaren Energien sogar von 30 Prozent. Auch künftig könne Deutschland aufgrund seiner Erfahrung am weltweiten Boom der Branche teilhaben. Allerdings müssten dafür die richtigen Rahmenbedingungen geschaffen werden.

Der Staat müsse Investitionsanreize setzen, indem er umweltfreundliches Verhalten belohne, den Atomausstieg vollenden und die Einlagerung von Kohlendioxid in unterirdischem Speichern fördern. Seine Forderungen stützte er auf eine Studie des Instituts für Konjunkturforschung und Makroökonomie (IMK) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung und auf eine Expertise der Beraterfirma Roland Berger Consultants.

Studie: Zu viele kleine Unternehmen

In dem Roland-Berger-Gutachten heißt es, die deutsche Führungsrolle in der Umwelttechnik sei vor allem durch die USA, Indien und China bedroht. Diese Staaten investierten massiv in Forschung und Förderung der Technik, hierzulande seien hingegen die Forschungsausgaben zu gering. Ein weiterer Nachteil liege in der Struktur der Branche: Der Anteil kleiner Unternehmen sei durchgehend zu hoch. "Ein Konsolidierungsprozess ist notwendig." Laut IMK steht Deutschland an "einer Weggabelung der wirtschaftlichen Dynamik". Wenn das Land weiter mache wie bisher, gingen kommendes Jahr eine Million Jobs und in den Folgejahren noch mehr Arbeitsplätze verloren, sagte der wissenschaftliche Direktor des Instituts, Gustav Horn.

Gabriel sagte, obwohl die Studien schon lange vor dem "Deutschland-Plan" Steinmeiers in Auftrag gegeben worden seien, kämen sie in etwa zu denselben Ergebnissen wie der SPD-Kanzlerkandidat. Der Umweltminister verteidigte Steinmeiers Vorschläge für Vollbeschäftigung bis 2020. Die Kernfrage des Bundestagswahlkampfs sei: "Trauen wir uns überhaupt noch, über die Überwindung der Geißel der Massenarbeitslosigkeit zu reden?" CDU und FDP hätten deutlich gemacht, dass sie sich mit dem Problem abfinden, kritisierte Gabriel.

Der Umweltminister wies zudem den Vorwurf seines Amtsvorgängers Jürgen Trittin von den Grünen zurück, er habe den Begriff "Green New Deal" von den Grünen geklaut. Die Bundesregierung habe den Begriff bereits während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft im Jahr 2007 verwendet.

tko/AFP/dpa/ddp



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