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Gutachten der Monopolkommission: Deutsche zahlen zu viel für Energie

Vernichtendes Urteil für Deutschland: Auf dem Strom- und Gasmarkt gibt es laut Monopolkommission immer noch zu wenig Anbieter, zu hohe Barrieren und nur eine einseitige Förderung. Leidtragende sind die Verbraucher, Schuld ist auch die Bundesregierung.

Berlin - Nach Ansicht von Experten ist der deutsche Strom- und Gasmarkt nach wie vor weit von einem funktionierenden Wettbewerb entfernt. "Wir sind sehr unzufrieden mit der Wettbewerbssituation", sagte der Vorsitzende der Monopolkommission, Justus Haucap, am Dienstag in Berlin. Die große Marktmacht weniger Konzerne bei der Stromerzeugung führe zu "signifikanten" Problemen auf dem Markt.

Strommast bei Schwerin: Deutscher Markt immer noch stark abgeschottet
DPA

Strommast bei Schwerin: Deutscher Markt immer noch stark abgeschottet

Etwa 85 Prozent des Stroms in Deutschland werden von den vier großen Versorgern E.on, RWE, EnBW und Vattenfall produziert. Und für neue Wettbewerber auf den Energiemärkten seien die Barrieren immer noch zu hoch, beklagte die Kommission. Sie ist ein unabhängiges Gremium, das die Bundesregierung in Fragen des Wettbewerbs und der Regulierung berät.

Zwingende Voraussetzung für mehr Konkurrenz seien verlässliche politische Rahmenbedingungen, die Investitionen in neue Kraftwerke möglich machten. Diese Sicherheit vermissten Investoren allerdings, sagte Haucap.

Zudem sei der Strommarkt in Deutschland immer noch stark abgeschottet, da es an Übergangsstellen für Strom an den Grenzen fehle, heißt es in einem Sondergutachten der Kommission. Auch blockiere der Vorrang für Ökostrom im Netz einen zunehmenden Teil des Marktes für neue Anbieter von konventionell erzeugter Elektrizität.

Um den Wettbewerb zu fördern, schlug die Kommission unter anderem vor, die Aufsicht über die Strombörsen zu verschärfen. Mit einer unabhängigen Marktüberwachungsstelle solle mehr Transparenz geschaffen und die Chance auf Manipulationen der Preise erschwert werden.

Beim Gasmarkt - wo nur ein Prozent der Kunden jedes Jahr den Anbieter wechsele - sollte ebenfalls eine Börse eingeführt werden. Gaslieferverträge über mehr als zwei Jahre sollten zudem untersagt werden.

Wie stark der Strompreis bei einem funktionierenden Wettbewerb sinken könnte, konnte Haucap allerdings nicht sagen. Der Strompreis sei zu 40 Prozent staatlich bestimmt, erklärte er. Eine kurzfristige Preissenkung sei nur zu erreichen, indem der Steueranteil heruntergeschraubt werde. Alles andere wie die Schaffung eines europäischen Binnenmarkts für Energie wirke mittel- und langfristig.

yes/Reuters/AP

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