Nach Ausschreitungen an Weihnachten Neue Razzia im Hambacher Forst

An Weihnachten sind die Proteste am Hambacher Forst erneut eskaliert, Unbekannte verletzten einen RWE-Mitarbeiter. Nun hat die Polizei in einem Camp nach Molotowcocktails und Böllern gesucht.

Polizisten durchsuchen das sogenannte Wiesencamp
DPA

Polizisten durchsuchen das sogenannte Wiesencamp


Die Polizei hat nach neuen Zwischenfällen im Hambacher Forst das sogenannte Wiesencamp der Braunkohlegegner durchsucht. Es sei nach Molotowcocktails oder Bolzenschneidern gesucht worden sowie nach Mitteln, mit denen Brandsätze zusammengebaut werden könnten, sagte eine Polizeisprecherin in Aachen. Auch eine Werkstatt in Düren war Ziel der Razzia.

Der Hambacher Forst zwischen Köln und Aachen wurde in den vergangenen Monaten zum Symbol für den Widerstand gegen Braunkohleverstromung. Der RWE-Konzern will einen Teil des Waldes roden, um den benachbarten Tagebau Hambach zu vergrößern. Es kam zu Zusammenstößen zwischen Aktivisten und der Polizei. Das Oberverwaltungsgericht in Münster verhängte Anfang Oktober per Eilbeschluss einen Rodungsstopp. Seitdem ist der Wald nicht mehr Betriebsgelände, sondern öffentlich zugänglich und unterliegt dem Forstgesetz. Aktivisten bauten daraufhin das Wiesencamp auf.

Drei Personen festgenommen

Bei der Razzia seien drei Personen festgenommen worden, teilte die Polizei Aachen auf Twitter mit. Sie sollen die Beamten "aus einer Hütte heraus mit augenscheinlichem Urin" bespritzt und sich geweigert haben, aus der Hütte herauszukommen. Polizisten sollen mit Gegenständen beworfen worden sein. Nach dem Einsatz von Pfefferspray sollen drei Aktivisten versucht haben zu fliehen.

Die Polizei begründete die Festnahmen der zwei Frauen und des Mannes mit Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und in einem Fall wegen gefährlicher Körperverletzung. Neben Mobiltelefonen seien ein Beil, zwei Zwillen und ein Gefäß mit einer verdächtigen Flüssigkeit sowie Pfefferspray und Computer sichergestellt worden, teilte die Polizei mit. Im Wald entdeckten Beamte zudem versteckte "Krähenfüße", Kugeln, Wurfmesser, einen mit Benzin gefüllten Kanister und einen mit Nägeln gespickten Besenstiel, hieß es weiter.

Die Razzia ist eine Reaktion auf die Zwischenfälle der vergangenen Tage. An Heiligabend und im Verlauf der Nacht zum ersten Weihnachtsfeiertag hatten nach Polizeiangaben mehrere Vermummte das Sicherheitscamp von RWE im Hambacher Forst mit Molotowcocktails und Steinen beworfen. Dabei gerieten zwei Fahrzeuge in Brand, zwei weitere Autos wurden durch Steinwürfe beschädigt.

Bereits am Abend zuvor war ein RWE-Mitarbeiter von einem Stein am Kopf getroffen und verletzt worden. Am Morgen des zweiten Weihnachtsfeiertags entdeckten RWE-Mitarbeiter dann in einer Grundwasser-Pumpstation nahe des Tagebaus Hambach einen selbstgebauten Brandsatz, der anschließend von der Polizei entschärft wurde. Es wird wegen versuchter vorsätzlicher Brandstiftung ermittelt.

kko/dpa/AFP



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