Handelsdefizit EU warnt China vor Globalisierungsangst in Europa

Europa könnte Chinas wirtschaftlichen Aufstieg bald als Bedrohung ansehen - wenn Peking nicht Handelsbarrieren abbaut. Davor warnt EU-Kommissionspräsident Barroso kurz vor Beginn des EU-China-Gipfels. Das gigantisch hohe Handelsdefizit jedenfalls sei nicht mehr hinzunehmen.


Peking - Die EU-Kommission hat vor dem heute in Peking beginnenden EU-China-Gipfel das "unhaltbar" hohe Handelsdefizit mit China kritisiert. Europäische Unternehmen seien zunehmend frustriert über unzureichenden Marktzugang in China. In einer Rede vor der Parteischule in Peking sagte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso, das in diesem Jahr auf 170 Milliarden Euro ansteigende Handelsdefizit sei "nicht aufrechtzuerhalten". Im Vorjahr waren es bereits 131 Milliarden Euro.

Chinesische Exportware: EU beklagt milliardenschweres Handelsdefizit
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Chinesische Exportware: EU beklagt milliardenschweres Handelsdefizit

Gemeinsam müssten die Hindernisse beseitigt werden, die europäischen Waren und Dienstleistungen den Zugang zum chinesischen Markt verweigerten. Barroso warnte Chinas Führung vor wachsenden Ängsten in Europa über die Globalisierung. "Es besteht tatsächlich die Gefahr, dass Europäer den wirtschaftlichen Aufstieg Chinas als Bedrohung ansehen." Das Problem des Handelsdefizits müsse gelöst werden, um protektionistischen Druck in Schach zu halten.

Zur Eröffnung eines begleitenden Wirtschaftstreffens warnte EU-Handelskommissar Peter Mandelson vor wachsenden "Frustrationen" im China-Geschäft. Jeden Tag entgingen europäische Unternehmen wegen der Hindernisse beim Marktzugang in China Geschäftsmöglichkeiten in Höhe von 55 Millionen Euro. Das Handelsdefizit "explodiere" und sei "unhaltbar". Die EU-Staaten verkauften den 7,5 Millionen Schweizern immer noch mehr als den 1,3 Milliarden Chinesen. Unternehmen litten unter "ernsten Problemen" durch Produktpiraterie in China.

Die Handelsbeziehungen sollten allerdings nicht ausbalanciert werden, indem chinesische Exporte nach Europa reduziert werden, sagte Mandelson. Vielmehr sollten die Bedingungen verbessert werden, unter denen europäische Unternehmen in China arbeiteten. Es gehe um Gleichbehandlung und ein Ende der Diskriminierung. Europäische Unternehmen seien auch wegen des Mangels an Transparenz des behördlichen Umfelds zunehmend vorsichtiger bei Investitionen in China, die seit vergangenem Jahr rückläufig seien.

Die EU verlangt von der Regierung in Peking unter anderem eine Aufwertung der chinesischen Währung Yuan. Der künstlich niedrig gehaltene Yuan-Kurs verbillige chinesische Exporte und verhelfe dem Land zu einem Exportboom, heißt es. Europäische Exporte leiden hingegen unter einem starken Euro. Zudem hofft die EU, dass China Handelsbarrieren für Einfuhren aus der EU aufhebt. Die EU-Vertreter wollen auch über den Schutz geistigen Eigentums mit China verhandeln; das Land gilt als eine der größten Hersteller von gefälschten Produkten.

kaz/dpa-AFX/AFP

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