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Hannover Messe: Das große Krabbeln

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Autonome Ameise: Bestens vernetzte Kleinroboter Zur Großansicht
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Autonome Ameise: Bestens vernetzte Kleinroboter

Autonome Ameisen, dreidimensionale Hologramme und ein Drucker für Keramik: Auf der Hannover Messe zeigen Firmen ihre Ideen für die Welt von morgen. Fünf spektakuläre Exponate im Check.

Zukunft zum Anfassen: Bei der Hannover Messe zeigen Firmen die neuesten Trends aus der Welt der Technik. Schwerpunkt der Veranstaltung ist die Industrie 4.0, die vernetzte Fabrik. Insgesamt 6500 Aussteller sind gekommen. Was man als Besucher nicht verpassen sollte und was sich abseits der Publikumsmagnete lohnt - ein Überblick.

1. Fälschungssichere Hologramme made in Witzhave

Hologramm: Buchstaben, dünner als ein Haar Zur Großansicht
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Hologramm: Buchstaben, dünner als ein Haar

Alle reden von IT-Sicherheit - aber auch die analogen Strategien gegen Fälschungen werden immer ausgeklügelter. Die Firma Hologram Company aus Witzhave stellt auf der Messe erstmals sogenannte BAS-Reliefhologramme vor. Die Besonderheit: Das dreidimensionale, farbige Hologrammsymbol scheint aus der Oberfläche herauszukommen. Schwenkt man es, erscheint eine zweidimensionale Schrift. Der technische Projektmanager der Firma, Malte Niemann, behauptet: "Diese Technik ist einmalig und deshalb absolut fälschungssicher." Die Firma versieht die Hologramme mit insgesamt vier verschiedenen Sicherheitsstufen. Neben den Reliefprägungen, die auch für den Endkunden überprüfbar sind, setzt sie zum Beispiel Mikrotexte ein. Die bestehen aus Buchstaben, die 4 Mikrometer hoch und damit 15 Mal dünner als menschliches Haar sind. Die neuen Hologramme kommen unter anderem bei den Gedenkmünzen der Expo 2015 zum Einsatz. "Hersteller kleben sie auch auf Maschinenbau- und Fahrzeugersatzteile", sagt Niemann.


2. Kukas Exoskelett - Menschliche Fernbedienung

Kuka-Roboter iiwa: Tausendmal berührt Zur Großansicht
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Kuka-Roboter iiwa: Tausendmal berührt

Italienische Forscher haben eine Art äußeres Skelett gebaut, mit dem sie einen Roboterarm fernsteuern können. Bewegt der Mensch seinen Arm, vollzieht der Roboter LBR iiwa der Firma Kuka die Bewegung fast simultan nach. Der Proband schnürt sich dazu ein sogenanntes Exoskelett um. Federn in diesem Skelett spüren, wenn sich die Armposition ändert; Sensoren geben die Daten an den Maschinenarm weiter.

Das Prinzip könnte zukünftig etwa in der Telemedizin zum Einsatz kommen. "Ärzte können so aus der Ferne operieren", sagt der Ingenieur Mario Cortese vom Institut für Biorobotik der Scuola Superiore Sant'Anna im italienischen Pontedera. Noch aber möchte man sich nicht von dem Roboter aufschneiden lassen - auch wenn Cortese eine Ungenauigkeit von weniger als einem Millimeter verspricht. Mit seinen vier Freiheitsgraden ist die Steuerung des Roboterarms dann doch noch etwas plump. "In frühestens fünf Jahren ist das System ausgereift", schätzt Cortese.


Autonome Ameise: bestens vernetzte Kleinroboter Zur Großansicht
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Autonome Ameise: bestens vernetzte Kleinroboter

3. Bionic Ants der Firma Festo - Das große Krabbeln

Wenn Entwicklerin Nadine Kärcher in Halle 15 den Befehl gibt, dann beginnt das große Krabbeln. Die bionischen Ameisen (Bionic Ants) der Firma Festo zeigen, wie Roboter künftig untereinander kommunizieren könnten. Sie suchen sich selbstständig ein Objekt und verschieben es gemeinsam dorthin, wo es hin soll. "Es gibt keinen zentralen Rechner, der alle Prozesse steuert", sagt Kärcher, Entwicklerin im Bionic-Learning-Network von Festo. "Jede Ameise entscheidet autonom, was sie tut."

Noch staksen die Ameisen mit ihren dünnen Beinchen eher ungelenk über die Fläche, und mit Unebenheiten würden sie nicht zurechtkommen. Den Entwicklern ging es jedoch in erster Linie um die Software, die dahintersteckt. Sie kann künftig bei Robotern eingesetzt werden, die selbstständig durch die Fabrik fahren, sich ihre Aufgaben suchen - und gemeinsam abarbeiten.


4. Sanfter ABB-Automat Yumi - Hand in Hand ins Zukunftsland

ABB-Roboter: Yumi tut nichts. Zur Großansicht
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ABB-Roboter: Yumi tut nichts.

Der zweiarmige Yumi soll den kollaborativen Robotern zum Durchbruch verhelfen. Kollaborativ bedeutet: Mensch und Maschine arbeiten in der Fabrik 4.0 künftig Hand in Hand, so zumindest stellen sich die Ingenieure das vor. Im Gegensatz zu herkömmlichen Industrierobotern muss Yumi von der Firma ABB nicht mehr hinter einem Sicherheitszaun verschwinden.

Sobald ABB-Ingenieur Christian Goy den Roboter am Arm berührt, verharrt er in seiner Position. "Die Motoren erkennen, dass etwas im Weg ist", sagt Goy. "Die Drehmomente seiner Gelenke sind so begrenzt, dass Yumi einem Menschen niemals Schaden zufügen kann." Am Stand der Firma ABB setzt Yumi Taster für Schaltschränke zusammen und nimmt dabei dem Menschen den ersten von zwei Fertigungsschritten ab.

5. Keramikdrucker Lithoz GmbH - Keramik aus dem Drucker


Töpferscheibe 2.0: So arbeitet man heute mit Keramik Zur Großansicht
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Töpferscheibe 2.0: So arbeitet man heute mit Keramik

3D-Drucker sind eine Innovation von gestern, mittlerweile gibt es sie sogar in Elektromärkten zu kaufen. Neu ist dagegen ein Gerät der Wiener Firma Lithoz, das Keramik drucken kann. Dazu wird keramisches Pulver mit flüssigem Bindermaterial gemischt, in das ein Bauteil mehrere hundert Mal eingetaucht wird. Spiegel leiten daraufhin blaues Licht an bestimmte Stellen. Nur dort, wo Licht hinfällt, härtet das Material aus.

Dass sich jeder bald im eigenen Haus sein Geschirr selbst ausdruckt, glauben die Entwickler nicht. Ihr Gerät haben sie für Spezialkonstruktionen entwickelt. Für Kleinserien musste bisher immer aufwendig eine Spritzgussform erstellt werden. "Mit dem Drucker geht die Fertigung deutlich schneller", sagt Brand. So entstand bereits ein Propeller für eine Herzpumpe. "Keramik kann dort zum Einsatz kommen, wo andere Materialien versagen oder sich abnutzen", sagt Jürgen Brand, Vertriebsmanager von Lithoz.

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insgesamt 3 Beiträge
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1. Die Festo-Leute haben ihren Stanislaw Lem verinnerlicht ...
Methusalixchen 14.04.2015
"Der Unbesiegbare" ...
2. kurze Episode
wolleh 15.04.2015
Wenn man das liest und etwas vom Menschen versteht, bekommt man Angst. Man weiß dann, dass das Lebewesen Mensch nur eine kurze Episode in der Weltgeschichte sein wird. Und man fängt an, von den 50iger und 60iger Jahren zu träumen, als die soziale Marktwirtschaft auf ihrem Höhepunkt war und die Menschen in Schlicht- und Bescheidenheit zusammenlebten. Man begreift auch die Zerstörungskraft der ungezügelten Gier des Staates und vieler großer Firmen. Man sehnt sich nach einfachem Leben auf dem Land, fernab des Internets, der Digitalisierung, dem Euro und falschen Wachstumsglauben. Auch wenn technisch vieles möglich ist, der Mensch wird mit rasantem Tempo immer dummer. Seiner Selbstvernichtung steht fast nichts mehr im Wege. Deshalb: Zurück zur Natur.
3.
hotgorn 15.04.2015
Ich denke es ist ein Punkt erreicht wo die Auswirkungen der Technik größere negative Folgen haben können als bisher. Als Beispiel nenne ich haushaltsroboter wie staubsaugroboter klar parktisch und gut für Menschen mit körperlichen Einschränkungen aber man wird abhängiger von Strom Technik Software. Auch wird man fauler gleichzeitig wirds aber bürokratischer und komplizierter. Freiheit ist vielleicht wenn man ohne Roboter oder Maschine einen besen schwingt.
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