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Hartz-IV-Wut trifft Berater: Polizei muss McKinsey-Party schützen

Der Consultant-Konzern McKinsey feiert 40-jähriges Deutschlandjubiläum und hat zur 5000-Personen-Party an verschiedene Orte der Hauptstadt geladen. Hartz-IV-Gegner und linke Gruppen wollen die Feierlaune mit Protesten vermiesen - darum rückte ein Polizei-Großaufgebot an, um Berater und Stargäste zu schützen.

Berlin - Die nicht öffentliche Feier findet in verschiedenen Gebäuden wie dem Roten Rathaus und der russischen Botschaft statt. Höhepunkt und Abschluss soll eine Discoveranstaltung im Palast der Republik sein. Der Party-Reigen ist nach Angaben von Firmensprecher Rolf Antrecht vor allem für die etwa 1800 McKinsey-Mitarbeiter in Deutschland gedacht. Auch eine Reihe von Kunden ist eingeladen. Erwartet werden auch Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit und Wirtschaftsminister Wolfgang Clement. Die Kosten der Veranstaltung wurden bisher nicht genannt.

Glücklichere Party: Deutschland-Chef Jürgen Kluge (Mitte) und Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (l.) beim McKinsey-Sommerfest in Düsseldorf

Glücklichere Party: Deutschland-Chef Jürgen Kluge (Mitte) und Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (l.) beim McKinsey-Sommerfest in Düsseldorf

Rund 500 Polizisten würden die Feier im Tagesverlauf und am Abend begleiten, sagte ein Polizeisprecher am Nachmittag. Einem Bericht der "Berliner Zeitung" zufolge stehen weitere Polizeieinheiten in Bereitschaft. Linke Gruppen und Gegner der Arbeitsmarktreformen hatten Protestveranstaltungen angekündigt. Einige von ihnen haben die Proteste unter das Motto "McKinsey in die Hummersuppe spucken" gestellt. Zum Auftakt gab es am Nachmittag eine "Armenspeisung". Nach Polizeiangaben verliefen die Aktionen zunächst friedlich.

"Oberberater der Hartz-Gesetze"

Der Politologe Peter Grottian sagte, die Beratungsfirma sei "in vieler Hinsicht Inspirator und Oberberater" der Hartz-Gesetze gewesen. "Und nun okkupiert diese exklusive und geschlossene Gesellschaft in einer opulenten und völlig überzogenen Weise die Mitte von Berlin."

Das Anti-Hartz-Bündnis wollte unter anderem den Berliner Dom aufsuchen, in dem der evangelische Landesbischof Wolfgang Huber ein Grußwort an die McKinsey-Beschäftigten richten soll. "Wir werden Huber daran erinnern, dass die Kirche an die Seite der Schwachen gehört", sagte Grottian. Die Gruppen verlangen, dass die Konditionen veröffentlicht werden, zu denen McKinsey Museen angemietet hat.

Grottian wiederholte seine Forderung, die Proteste sollten sich nicht "kreuzbrav" auf Demonstrationen beschränken. Gezielte Regelverstöße seien notwendig und legitim, um die ungerechten Reformen zu Fall zu bringen. Auch die globalisierungskritische Organisation Attac hat nach McKinsey-Angaben zwei Demonstrationen angemeldet, die sie am Nachmittag und Abend "Unter den Linden" abhalten will.

Roland Berger für Hartz bedeutender

McKinsey hat unter anderem das neue Controlling-Konzept zur Steuerung der Bundesagentur für Arbeit (BA) entwickelt und den Umbau der Zentrale vorangetrieben. Bei der Hartz-IV-Reform gilt indes die Unternehmensberatung Roland Berger als einflussreicher. Hinter McKinsey hält Berger das zweitgrößte Stück des Berater-Kuchens der BA.

McKinsey sieht sich als die weltweit führende Unternehmensberatung. Die Deutschland-Zentrale sitzt in Düsseldorf. Der Name McKinsey wird in der Öffentlichkeit oft als Synonym für Kapitalismus pur benutzt. Diese Stimmung hat der Bühnenautor Rolf Hochhuth in seinem Anfang des Jahres uraufgeführten Stück "McKinsey kommt" eingefangen und zu einer Abrechnung mit dem vermeintlich verantwortungslosen Kapitalismus gemacht. McKinsey schloss sich damals dem Protest aus Wirtschaft und Politik nicht an - stattdessen lud das Unternehmen die Mitarbeiter zu einer Aufführung des Stücks ein.

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