Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Haushaltskrise: Goldman Sachs half Griechenland bei Schuldenkosmetik

Im Schönen ihrer Haushaltszahlen waren die Griechen Meister - und offenbar hatten sie dabei Hilfe von echten Profis. Nach SPIEGEL-Informationen unterstützte die US-Bank Goldman Sachs den nun vor der Pleite stehenden Staat mit komplexen Finanztransaktionen.

Goldman-Sachs-Hauptsitz in New York: "Keine Stellungnahme" Zur Großansicht
DPA

Goldman-Sachs-Hauptsitz in New York: "Keine Stellungnahme"

Hamburg/Iqaluit - Die Enthüllungen dürften in der EU nicht gut ankommen: Die statistischen Angaben zur griechischen Staatsverschuldung wurden in der Vergangenheit offenbar auch mit Hilfe komplexer Finanzinstrumente geschönt. Anfang 2002 einigten sich Griechenlands Schuldenverwalter und die US-Bank Goldman Sachs nach Informationen des SPIEGEL auf ein Geschäft mit sogenannten Cross-Currency-Swaps. Damit sollten in Dollar und Yen aufgenommene Staatsschulden von rund zehn Milliarden für eine gewisse Laufzeit in Euro getauscht werden und dann wieder zurück. Im Gegensatz zu herkömmlichen Swaps wurde bei diesem Geschäft mit fiktiven Wechselkursen gearbeitet.

Griechenland erhielt dadurch nicht den aktuellen Euro-Gegenwert von zehn Milliarden Dollar oder Yen, sondern dank des viel günstigeren Wechselkurses eine deutlich höhere Summe. Goldman Sachs verschaffte den Griechen so einen zusätzlichen Kredit von schätzungsweise bis zu einer Milliarde Dollar. In der Athener Schuldenstatistik erschien der Zusatzkredit nicht. Die Melderegeln von Eurostat, dem Statistischen Amt der Europäischen Union, erfassen Transaktionen mit Finanzderivaten nur unzureichend. Goldman Sachs will zu dem umstrittenen Geschäft "keine Stellungnahme" abgeben. Das griechische Finanzministerium reagierte auf eine schriftliche Anfrage nicht.

Griechenland steckt in einer schweren Haushaltskrise. Die EU-Kommission hatte dem Land deswegen am Mittwoch ein striktes Sparprogramm mit Gehaltskürzungen und Steuererhöhungen auferlegt. Der Haushalt Griechenlands wurde faktisch unter EU-Kontrolle gestellt. So will die Union sicherstellen, dass die Griechen mit der Haushaltskonsolidierung diesmal Ernst machen.

In der Vergangenheit hatte Athen der EU wiederholt geschönte Zahlen vorgelegt. Erst nach dem jüngsten Regierungswechsel im Herbst wurde das wahre Ausmaß der Schuldenmisere bekannt: Der sozialistische Ministerpräsident Georgios Papandreou meldete kurz nach seiner Wahl nach Brüssel, dass das Haushaltsdefizit 2009 bei 12,7 Prozent des BIP liege. Die Vorgängerregierung hatte ein Minus von 3,7 Prozent prognostiziert, der EU- Stabilitätspakt sieht eine Obergrenze von drei Prozent vor.

Schäuble gelassen, Oettinger besorgt

Die Finanzprobleme Griechenlands und anderer Länder der Euro-Zone bestimmten auch den Auftakt des Finanzministertreffens der sieben großen Industrieländer (G7) im arktischen Iqaluit. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble zeigte sich überzeugt, dass die ernsten Probleme den Euro letztlich nicht gefährden würden. "Der Euro bleibt stabil", sagte Schäuble. Die Unruhe an den Weltkapital- und Devisenmärkten nannte er Übertreibungen. Griechenland müsse nun einen hohen Preis für die lang andauernde Verletzung von EU-Stabilitätsregeln zahlen.

Die Aktienmärkte weltweit gerieten wegen der Befürchtungen einer Destabilisierung der Euro-Zone und Spekulationen über die Möglichkeit einer umfangreichen gemeinsamen Hilfeaktion der Euroländer unter Druck. Die Kurse fielen am Freitag zeitweise auf ein Dreimonatstief, erholten sich dann aber wieder in den USA. Der Euro schwächte sich zeitweise auf unter 1,36 Dollar ab, den niedrigsten Stand seit Mai vergangenen Jahres.

Vor diesem Hintergrund äußerte sich der designierte EU-Kommissar Günther Oettinger (CDU) weniger gelassen als Schäuble. Im Interview mit dem Reutlinger "General-Anzeiger" sagte der scheidende baden-württembergische Ministerpräsident unmittelbar vor seinem Amtswechsel: "Der Euro ist in Gefahr, instabil zu werden." Er verwies auf die dramatisch zugespitzte Haushaltslage in mehreren Euroländern. Neben Griechenland seien zunehmend auch Spanien, Portugal, Lettland, Irland und Italien betroffen. Diese Aufgabe zu bewältigen sei vordringlich, mahnte Oettinger.

Der kanadische G-7-Gastgeber Jim Flaherty äußerte sich angesichts der Krise in Griechenland besorgt über die Gefahr von Staatspleiten. "Ich glaube, wir müssen sehr bewusst mit der Möglichkeit des Zusammenbruchs nationaler Volkswirtschaften und der anhaltenden Existenz von giftigen Anlagen in einigen Banken umgehen", sagte.

Der Präsident der Europäischen Zentralbank Jean-Claude Trichet wies Spekulationen zurück, die EZB-Führung könnte am Wochenende wegen der angespannten Lage in einigen Eurostaaten zu einem Krisentreffen zusammenkommen. Schäuble wandte sich gegen Mutmaßungen über gemeinsame Notfallpläne der Euroländer zur Unterstützung Griechenlands.

phw/Reuters/ddp/apn

Diesen Artikel...
Forum - Griechenland - soll die EU im Notfall einspringen?
insgesamt 1656 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
grauer kater 10.12.2009
In Griechenland stand die Wiege der europäischen Kultur, der Demokratie und der modernen Wissenschaften! Die Griechen sind es allemal wert, dass ganz Europa für sie einsteht, denn sie sind Fleisch von unserem Fleische!
2.
DJ Doena 10.12.2009
Zitat von grauer katerIn Griechenland stand die Wiege der europäischen Kultur, der Demokratie und der modernen Wissenschaften! Die Griechen sind es allemal wert, dass ganz Europa für sie einsteht, denn sie sind Fleisch von unserem Fleische!
Isn bisschen sehr philosophisch oder?
3.
grauer kater 10.12.2009
Zitat von DJ DoenaIsn bisschen sehr philosophisch oder?
Liebe zur Weisheit ist eben eine gute menschliche Eigenschaft, die man pflegen sollte. Die menschliche Gesellschaft könnte dabei viel gewinnen, wenn möglichst viele diese Eigenschaft entwickeln würden!
4.
zwangsreunose 10.12.2009
Zitat von sysopRatingagenturen stufen die Kreditwürdigkeit von Griechenland herunter, Pessimisten sprechen gar vom drohenden Staatsbankrott. Experten aber begrüßen die drastische Warnung der Finanzmärkte. Soll die EU im Notfall einspringen?
Europa lebt in erster Linie von seinem Binnenmarkt. Das ist ein geben und nehmen. Griechenland ist dabei. Aber....liebe Nachbarn, Kritik ist berechtigt. Ihr habt neu gewählt. Bringt Euren Laden in Ordnung. Außerdem wäre ich längst für eine Europaanleihe.
5.
grauer kater 10.12.2009
Es gibt nicht die Griechen, sondern normale Menschen, wie Du und ich sowie Politiker und Führungskräfte, die für bestimmte Zustände in der Gesellschaft verantwortlich zeichnen! Meine Solidarität beschränkt sich auf die normalen Menschen, die nichts mit den Machenschaften der "Führer" zu tun haben!
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fotostrecke
Finanzkrise Griechenland: Die Volksseele kocht

Die Maastricht-Kriterien
DPA
Die Teilnahme an der Europäischen Währungsunion ist nach dem Vertrag von Maastricht an fünf Kriterien geknüpft. Sie sollen sicherstellen, dass die Euro-Länder sich wirtschaftlich so angenähert haben, dass sie reif für eine gemeinsame Währung sind:

1. Die Neuverschuldung soll nicht mehr als drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) betragen.

2. Für die Staatsverschuldung gilt ein Richtwert von 60 Prozent des BIP, den die Länder einhalten oder dem sie sich annähern sollen.

3. Die Inflationsrate darf nicht mehr als 1,5 Prozentpunkte über dem Durchschnitt der drei preisstabilsten Länder liegen.

4. Die langfristigen Zinssätze dürfen nicht mehr als zwei Prozentpunkte über dem Durchschnitt der drei preisstabilsten EU-Länder liegen.

5. Die Währung muß sich mindestens zwei Jahre spannungsfrei und ohne Abwertung im Europäischen Währungssystem bewegt haben.

Länderlexikon
Wichtigste Eckdaten
Eigenname: Hellenische Republik

Offizieller Eigenname: Elliniki Dimokratia

Staatsoberhaupt:
Prokopis Pavlopoulos (seit März 2015)

Regierungschef: Alexis Tsipras
(seit September 2015)

Außenminister: Nikos Kotzias (seit September 2015)

Staatsform: Parlamentarische Republik

Mitgliedschaften: EU, Nato, OECD, OSZE, Uno

Hauptstadt: Athen

Amtssprache: Griechisch

Religionen: mehrheitlich orthodoxe Christen

Fläche: 131.957 km²

Bevölkerung: 11,063 Mio. Einwohner (2013)

Bevölkerungsdichte: 83,8 Einwohner/km²

Bevölkerungswachstum: 0%

Fruchtbarkeitsrate: 1,3 Geburten/Frau

Nationalfeiertag: 25. März

Zeitzone: MEZ +1 Stunde

Kfz-Kennzeichen: GR

Telefonvorwahl: +30

Internet-TLD: .gr

Mehr Informationen bei Wikipedia | Griechenland-Reiseseite

Wirtschaft

Währung: 1 Euro (EUR) = 100 Cent

Bruttosozialprodukt: 242,002 Mrd. US$

Wachstumsrate des BIP: 0,8%

Anteile am BIP: Landwirtschaft 4%, Industrie 13%, Dienstleistungen 83%

Inflationsrate: 1,7% (2015; geschätzt)

Arbeitslosenquote: 27,5% (2013; geschätzt)

Staatseinnahmen: 81,5 Mrd. EUR

Steueraufkommen (am BIP): 22,4%

Staatsausgaben: 87,7 Mrd. EUR

Haushaltsdefizit/-überschuss (am BIP):
-3,6%

Staatsverschuldung (am BIP): 199,7%

Handelsbilanzsaldo: +2,348 Mrd. US$

Export: 72,557 Mrd. US$

Hauptexportgüter: industrielle Vorprodukte (20,0%), Nahrungsmittel und Vieh (18,8%), chemische Erzeugnisse (14,5%) (2010)

Hauptausfuhrländer: Deutschland (10,9%), Italien (10,8%), Zypern (7,1%), Bulgarien (6,5%), Türkei (5,3%), Großbritannien (5,2%), (2010)

Import: 70,209 Mrd. US$

Hauptimportgüter: Maschinen- und Transportmittel (24,2%), Brennstoffe und Schmiermittel (23,5%), chemische Erzeugnisse (15,23%) (2010)

Hauptlieferländer: Deutschland (10,5%), Italien (9,8%), Russland (9,8%), Volksrepublik China (6,0%), Niederlande (5,3%), Frankreich inklusive Monaco (4,9%) (2010)

Landwirtschaftliche Produkte: Gemüse und Obst, Getreide, Zuckerrüben, Tabak

Rohstoffe: Braunkohle, Magnesit, Silber, Marmor, Uran, Gold, Erdgas, Erdöl, Eisen und Stahl, Aluminium

Gesundheit, Soziales, Bildung

Öffentliche Gesundheitsausgaben (am BIP): 9,8%

Medizinische Versorgung: Ärzte: 6,2/1000 Einwohner

Säuglingssterblichkeit: 4/1000 Geburten

Müttersterblichkeit: 5/100.000 Geburten

Lebenserwartung: Männer 78 Jahre, Frauen 83 Jahre

Schulpflicht: 6-15 Jahre

Energie, Umwelt, Tourismus

Energieproduktion: 9,6 Mio. Tonnen Öleinheiten (ÖE)

Energieverbrauch: 26,7 Mio. t ÖE

Geschützte Gebiete: 34,7% der Landesfläche

CO2-Emission: 86,717 Mio. t

Energieverbrauch/Kopf: 2404 kg ÖE

Verwendung des Süßwassers: Landwirtschaft 89%, Industrie 2%, Haushalte 9%

Zugang zu sauberem Trinkwasser: 100% der städtischen, 99% der ländlichen Bevölkerung

Tourismus: 17,920 Mio. Besucher

Einnahmen aus Tourismus: 16,188 Mrd. US$

Militär

Allgemeine Wehrpflicht: 9 Monate

Streitkräfte: 144.950 Mann (Heer 93.500, Marine 18.450, Luftwaffe 21.400, Sonstige 11.600)

Militärausgaben (am BIP): 2,2%

Nützliche Adressen und Links

Griechische Botschaft in Deutschland
Jägerstraße 54/55, D-10117 Berlin
Telefon: +49-30-206260
Fax:
+49-30-20626444
E-Mail: gremb.ber@mfa.gr

Deutsche Botschaft in Griechenland
Karaoli und Dimitriou 3, 106 75 Athen - Kolonaki
Telefon: +30-210-7285111
Fax:
+30-210-7285335
E-Mail: info@athen.diplo.de

Länder- und Reiseinformationen des Auswärtigen Amts

Mehr Informationen bei Wikipedia | Griechenland-Reiseseite



Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: