Heizen mit Ökoenergie: Klima schonen - und Geld sparen

Von Henning Zander

Die Verbraucher haben den Klimaschutz entdeckt - auch beim Heizen. Als besonders günstige Alternative zu Öl und Gas gelten Pelletheizungen. Doch zuletzt sind die Preise für die kleinen Holzstücke stark gestiegen. Verbraucherschützer empfehlen deshalb einen Energiemix.

Berlin - Heizungsbaumeister Ulf Ortmann weiß, was seine Kunden wünschen. In der Regel ist das vor allem eines: umweltfreundlich heizen - und gleichzeitig Geld sparen. In jüngster Zeit hat die Nachfrage nach modernen Heizsystemen noch einmal richtig Schub bekommen: Dank der Diskussion um den Klimawandel laufen Ortmanns Geschäfte bestens. "Anlagen für Sonnenkollektoren bauen wir schon lange ein. Jetzt entwickelt sich auch der Markt für Pelletheizungen", sagt der Handwerker aus Bielefeld.

Holzpellets: Im laufenden Betrieb günstiger als herkömmliche Heizungen
DPA

Holzpellets: Im laufenden Betrieb günstiger als herkömmliche Heizungen

Doch der Klimaschutz allein motiviert kaum einen, seine Heizung von Gas oder Öl auf eine umweltfreundliche Technik umzustellen. "Entscheidend ist für den Kunden der Preis", sagt Ortmann. Schließlich rechnen sich die hohen Investitionskosten für eine Ökoheizung nur dann, wenn der Betrieb der Anlage langfristig günstiger ist.

In der Hoffnung, dass dies bei ihnen der Fall ist, haben sich im vergangenen Jahr Tausende Privathaushalte Pelletheizungen gekauft. Pellets werden aus Resten bei der Holzverarbeitung hergestellt. Da die kleinen Presslinge einfach zu lagern sind und einen hohen Energiegehalt haben, sind sie gut für eine vollautomatische Heizungsanlage geeignet. Und da beim Verbrennen nicht mehr CO2 entsteht, als die Bäume während des Wachstums aus der Atmosphäre aufgenommen haben, sind Holzpellets auch klimaneutral.

Immerhin: Im laufenden Betrieb sind Pelletanlagen günstiger als konventionelle Heizungen. Nach Angaben des Centralen Agrar-Rohstoff-Marketings und Entwicklungsnetzwerkes (Carmen) lag der durchschnittliche Preis für eine Kilowattstunde im Februar 2007 bei etwa vier Cent. Im Vergleich dazu kostete die Kilowattstunde bei einer Ölheizung knapp 5,5 Cent, bei Gas waren es sogar 6,5 Cent.

Damit sind Pellets zwar recht günstig. Doch die Preise ziehen an. Allein im Verlauf des Jahres 2006 verteuerten sich die Holzstückchen um fast 40 Prozent - vor allem wegen der hohen Nachfrage.

Im Vergleich der Gesamtkosten ist ohnehin unsicher, ob eine Pelletheizung billiger ist als ein herkömmliches System. Das gilt sogar, wenn man die staatliche Förderung in die Rechnung mit einbezieht. In der Anschaffung kosten die Anlagen 10.000 bis 14.000 Euro. Das ist etwa doppelt so viel wie bei einer herkömmlichen Gas- oder Ölheizung. Dafür bezuschusst der Staat den Kauf einer Pelletheizung mit 24 Euro je Kilowatt Leistung, mindestens gibt es jedoch 1000 Euro. Je nach Laufzeit kann sich das lohnen - oder aber auch nicht.

Solarheizungen sparen 20 Prozent der Kosten

Verbraucherschützer warnen deshalb vor voreiligen Entscheidungen. "Der richtige Energiemix muss für jeden Haushalt individuell festgestellt werden", sagt Schorsch Tschürtz vom Bundesverband der Verbraucherzentralen. Sinnvoll kann es etwa sein, die vorhandene Öl- oder Gasheizung mit Wärme aus Sonnenkollektoren zu ergänzen. Denn diese Energiequelle ist frei verfügbar und wird anders als Holz nicht teurer. "Über das Jahr verteilt kann man bis zu 20 Prozent der Kosten für Warmwasser und Heizung sparen", sagt Tschürtz.

Pro Person rechnet man mit zwei bis drei Quadratmetern Solarkollektorfläche. Im Optimalfall kann man damit seinen Warmwasserbedarf zwischen Mai und September komplett decken. Auch hier unterstützt der Staat die Bauherren. Pro Quadratmeter gibt es eine Förderung von 40 Euro, pro Anlage werden mindestens 275 Euro gezahlt. Ökologisch ist diese Form des Heizens besonders sinnvoll - allerdings muss die Sonne auch wirklich scheinen. Sonst muss man doch wieder auf die alte Heizung zurückgreifen.

Beständiger ist da Erdwärme. Immer mehr Haushalte nutzen diese Energiequelle. "Gerade in Neubaugebieten wird vermehrt in Wärmepumpen investiert", sagt Heizungsbaumeister Ortmann. Das Prinzip dabei ist simpel: Denn in 100 Metern Tiefe ist es etwa ein Grad wärmer als an der Oberfläche. Diese Wärme kann von einem Trägermedium aufgenommen werden, das über ein Pumpensystem verdichtet und an die Oberfläche geführt wird.

Auch moderne Ölkessel verbessern die Ökobilanz

Die Heizleistung solcher Systeme liegt bei etwa 35 bis 40 Grad. Zum Betrieb eines Heizkörpers ist das zu wenig. Deshalb werden Wärmepumpen vor allem in Neubauten eingesetzt, in denen das Heizsystem auf niedrige Temperaturen ausgelegt ist, beispielsweise bei Fußbodenheizungen. Doch allein die Bohrung für die Wärmepumpe kostet rund 10.000 Euro. Und ganz lupenrein ist die Umweltbilanz der Wärmepumpe auch nicht: Zu ihrem Betrieb muss Energie aus dem Stromnetz hinzugezogen werden.

Alles in allem ist es nur in seltenen Fällen realistisch, die Energieversorgung komplett umzustellen. Handwerker Ortmann rät vielen Kunden deshalb nur zu einem neuen konventionellen Heizkessel. Dann bleibt es zwar bei Öl oder Gas - aber die Ökobilanz ist definitiv besser als vorher. "Bei modernen Geräten wird die Wärme aus der Abluft mitgenutzt", erklärt Ortmann. Damit steigt die Effizienz, der Energieverbrauch sinkt.

Und das spart richtig Geld, sagt Verbraucherschützer Tschürtz. "Mit jeder Kilowattstunde, die nicht verbraucht wird, werden Heizkosten gespart."

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Forum - Kann Ökostrom Deutschlands Energieproblem lösen?
insgesamt 3045 Beiträge
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1.
Gabri 21.02.2007
Im Jahr 2005 betrug der Anteil erneuerbarer Energien in Deutschland 6.6% (BMU-Bericht 01/07). Diese Zahl bezieht sich auf die Stromerzeugung, die Wärmebereitstellung sowie die Kraftstoffe. Seit 1998 hat sich dieser Anteil mehr als verdoppelt, was über diesen doch recht langen Zeitraum allerdings erschreckend wenig ist. Die höchsten Zuwächse finden sich absolut in der Stromerzeugung (insbesondere Windkraft und Solarenergie), relativ gesehen in der Kraftstofferzeugung Biodiesel, Pflanzenöl und Ethanol). Realistische Vorstellungen gehen dahin, bis 2020 25 bis 30 % der Stromversorgung mit erneuerbaren Energien abzudecken, bis 2050 will man die Hälfte des Primärenergiebedarfs aus regenerativen Quellen decken. So weit so gut. Das bedeutet aber auch, dass selbst bei diesen sehr optimistischen Schätzungen Deutschland wohl kaum eine Vollversorgung erreichen kann und infolge dessen stets auf Importe angewiesen sein wird, egal ob es sich um bis dahin vermutlich knapp gewordenes Erdöl/Erdgas, Atomstrom oder regenerative Energien aus Ländern mit besseren Ressourcen, Flächen, Solarausbeute, Wasserkraft o.ä. handelt. Unter diesen Umständen wäre eine genaue Kosten/Nutzenanalyse der heimischen Möglichkeiten wichtig. Zum Beispiel die Frage, welche regenerativen Energien ausgebaut werden sollten und welche besser auch in Zukunft besser importiert werden. Beispielsweise gehören die deutschen Böden zu den fruchtbarsten der Welt und es wäre ernsthaft zu überlegen, ob man sie z.B. für den Rapsanbau vergeuden sollte und sich stattdessen nicht besser auf die Produktion hochwertiger Lebensmittel konzentrieren sollte um diese dann zu exportieren und gegen Energien einzutauschen. Länder wie Spanien mit diesen riesigen Dürregebieten eignen sich nun mal weitaus besser für Photovoltaik als die Norddeutsche Tiefebene und die Alpenregionen bieten bessere Möglichkeiten für Wasserkraft. Offshore-Windanlagen sind dagegen eine gute Option für Deutschland, ebenso aufgrund der Mehrheit der Böden dezentrale Geothermie-Anlagen für den einheimischen privaten und öffentlichen Wärmegewinn. Vorsichtig wäre ich dagegen bei dem verstärkten Einsatz von Holz (Pellets). Ein relativ waldarmes Land wie Deutschland kann hier im Verhältnis zu Skandinavien nur beschränkt punkten. Deshalb wäre ich auch vorsichtig mit dem möglichen Ziel der energetischen Unabhängigkeit. Diese wird in Deutschland nicht erreichbar sein ohne den Nachteil der Unwirtschaftlichkeit. Zum Ausbau regenerativer Energien würde ich ein klares Ja sagen, aber immer mit der Einschränkung, dass wir nicht den Ausbau jeder Energiequelle unbedingt fördern sollten, dieses nur im Verbund mit den europäischen Nachbarn.
2. Alles was geht ! Ökostrom sofort !
17 Träume 21.02.2007
Zitat von GabriIm Jahr 2005 betrug der Anteil erneuerbarer Energien in Deutschland 6.6% (BMU-Bericht 01/07)... Unter diesen Umständen wäre eine genaue Kosten/Nutzenanalyse der heimischen Möglichkeiten wichtig. Zum Beispiel die Frage, welche regenerativen Energien ausgebaut werden sollten und welche besser auch in Zukunft besser importiert werden. Beispielsweise gehören die deutschen Böden zu den fruchtbarsten der Welt und es wäre ernsthaft zu überlegen, ob man sie z.B. für den Rapsanbau vergeuden sollte und sich stattdessen nicht besser auf die Produktion hochwertiger Lebensmittel konzentrieren sollte um diese....
Ökostrom ist ja ein kleiner Teil bezogen auf die Primärenergieverbäuche Deutschlands, aber ein Anfang. Sie haben völlig Recht, daß eine Vollversorgung viel Schritte und Effizienzverbesserungen braucht. Es gibt bereits Studien, die auch unser Umweltminister kennt, welche z.B. Biogas klar präferiert (bis 2020 sind 10% Anteil geplant obwohl heute nur 1% Beitrag hieraus resultiert). Ebenso wie Kraftstoffe aus Biomasse (BtL statt Biodiesel) ist Biogas sehr umweltfreundlich in der Herstellung und in der Flächeneffizienz sowie Speicherfähigkeit und bietet hohe Nutzungsausbeuten aus vielfältigen pflanzlichen Rohstoffen. Hierzu gibt es im März eine Neujustierung durch die Politik, die auch eine Verbesserung von Wärmeeinsatz bzw. ein Wärmeinspeisegesetz erwarten lässt aufgrund der hohen Wirkungsgrade von Kraftwäremkopplungsanlagen, die Strom und Wärme gleichzeitig produzieren. ein ausführlicher Beitrag über die Energiemöglichkeiten http://forum.spiegel.de/showthread.php?p=967925#post967925 eigene Ideen für politische Sofortrahmensetzungen http://forum.spiegel.de/showthread.php?p=974921#post974921
3.
aloa5 21.02.2007
Zitat von sysopDie Energieversorgung in Deutschland ist in hohem Grad von Importen abhängig. Neben der klimaschädlichen Braunkohle und der hoch subventionierten Steinkohle sind die erneuerbaren Energien der einzige relevante heimische Energieträger. Sollten sie deshalb stärker ausgebaut werden - auch wenn das teuer ist?
Und wo bzw. wie viele Windkrafträder lassen sich aufstellen ? Begrenzt. Solaranlagen ? Nun - auf Dächern wird es bei derzeitigem Klimawechsel wohl immer interessanter. Neuere Häuser haben meisst welche auf dem Dach. Längerfristig kann dies vielleicht ein relevanter Faktor werden. Geht aber nur langsam vorwärts und hängt mit den Stückpreisen und unserem Wohlstand zusammen. Auto - keine wirkliche Lösung in Sicht. Wir können gar nicht ausreichend Raps u.ä. herstellen - auch wenn es mit Verknappung (und verteuerung) der Ressourcen (China,Indien) durchaus die landwirtschaftliche Beschäftigungsalternative sein kann (und lohnend dazu). [[Was machen eigentlich die arabischen Ölstaaten mit Ihrem Geld, wenn das Öl (die Geldquelle) versiegt ist ? (habe ich mich schon immer gefragt.... Krieg? Oder werden dort Solaranlagen aufgebaut und wir so versorgt ? ) ]] Ich finde, man muss dies nicht auf biegen und brechen fördern. Mit der Winkraft wird viel Subventionsbetrug mit Mafia-Ähnlichen Kartellen getrieben. Solaranlagen auf Dächern können durchaus helfen. Bei steigenden Rohstoff- und Strompreisen wird evtl. das ganze sogar im Verhältnis immer billiger. Etwas fördern: ja - erzwingen: nein. Wenn es sich wirklich lohnt, dann kommt es später automatisch. Grüsse ALOA
4. 100% regenrativ ist machbar !
17 Träume 21.02.2007
sagt auch Prof.Dr. Hohmeyer, der einen UN-Bericht über die sinnvollsten Maßnahmen weltweit verfassen wird bis 2010 im Auftrag der IPCC. http://www.innovations-report.de/html/berichte/energie_elektrotechnik/bericht-79206.html
5. Biogas bringt Strom oder Wärme
17 Träume 21.02.2007
he nachdem man es ins Gasnetz einspeist um z.B Haushalte zu beheizen oder aber Strom und Wärme gleichzeitig erzeugt. Das Potential von Biogas allein liegt laut einer aktuell veröffentlichten Studie europaweit bei + 100% Ersatz des Erdgasverbrauchs + 2 Mio Arbeitsplätze zusätzlich + Wertschöpfung von 63 Milliarden € + bereits bis 2020 Kyoto allein hierdurch zu erfüllen (10% zusätzliche CO²-Einsparung) + Zusatzeinkommen für Landwirte statt subventionierten Nahrungsmittelüberschüssen http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/14/0,1872,4339566,00.html nicht genannter Nebeneffekt sind Speicherfähigkeit wie auch Grundlastfähigkeit, ökologischer Kreislauf möglich durch Wiederausbringung von Restkompost auf die Fläche. Das heißt sehr effizient ließen sich 25% des Primärenergieverbrauchs (ohne zusätzliche Einsparungen) bis 2020 decken. Biogas nach vorn !
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