Von Henning Zander
Berlin - Heizungsbaumeister Ulf Ortmann weiß, was seine Kunden wünschen. In der Regel ist das vor allem eines: umweltfreundlich heizen - und gleichzeitig Geld sparen. In jüngster Zeit hat die Nachfrage nach modernen Heizsystemen noch einmal richtig Schub bekommen: Dank der Diskussion um den Klimawandel laufen Ortmanns Geschäfte bestens. "Anlagen für Sonnenkollektoren bauen wir schon lange ein. Jetzt entwickelt sich auch der Markt für Pelletheizungen", sagt der Handwerker aus Bielefeld.
Doch der Klimaschutz allein motiviert kaum einen, seine Heizung von Gas oder Öl auf eine umweltfreundliche Technik umzustellen. "Entscheidend ist für den Kunden der Preis", sagt Ortmann. Schließlich rechnen sich die hohen Investitionskosten für eine Ökoheizung nur dann, wenn der Betrieb der Anlage langfristig günstiger ist.
In der Hoffnung, dass dies bei ihnen der Fall ist, haben sich im vergangenen Jahr Tausende Privathaushalte Pelletheizungen gekauft. Pellets werden aus Resten bei der Holzverarbeitung hergestellt. Da die kleinen Presslinge einfach zu lagern sind und einen hohen Energiegehalt haben, sind sie gut für eine vollautomatische Heizungsanlage geeignet. Und da beim Verbrennen nicht mehr CO2 entsteht, als die Bäume während des Wachstums aus der Atmosphäre aufgenommen haben, sind Holzpellets auch klimaneutral.
Immerhin: Im laufenden Betrieb sind Pelletanlagen günstiger als konventionelle Heizungen. Nach Angaben des Centralen Agrar-Rohstoff-Marketings und Entwicklungsnetzwerkes (Carmen) lag der durchschnittliche Preis für eine Kilowattstunde im Februar 2007 bei etwa vier Cent. Im Vergleich dazu kostete die Kilowattstunde bei einer Ölheizung knapp 5,5 Cent, bei Gas waren es sogar 6,5 Cent.
Damit sind Pellets zwar recht günstig. Doch die Preise ziehen an. Allein im Verlauf des Jahres 2006 verteuerten sich die Holzstückchen um fast 40 Prozent - vor allem wegen der hohen Nachfrage.
Im Vergleich der Gesamtkosten ist ohnehin unsicher, ob eine Pelletheizung billiger ist als ein herkömmliches System. Das gilt sogar, wenn man die staatliche Förderung in die Rechnung mit einbezieht. In der Anschaffung kosten die Anlagen 10.000 bis 14.000 Euro. Das ist etwa doppelt so viel wie bei einer herkömmlichen Gas- oder Ölheizung. Dafür bezuschusst der Staat den Kauf einer Pelletheizung mit 24 Euro je Kilowatt Leistung, mindestens gibt es jedoch 1000 Euro. Je nach Laufzeit kann sich das lohnen - oder aber auch nicht.
Solarheizungen sparen 20 Prozent der Kosten
Verbraucherschützer warnen deshalb vor voreiligen Entscheidungen. "Der richtige Energiemix muss für jeden Haushalt individuell festgestellt werden", sagt Schorsch Tschürtz vom Bundesverband der Verbraucherzentralen. Sinnvoll kann es etwa sein, die vorhandene Öl- oder Gasheizung mit Wärme aus Sonnenkollektoren zu ergänzen. Denn diese Energiequelle ist frei verfügbar und wird anders als Holz nicht teurer. "Über das Jahr verteilt kann man bis zu 20 Prozent der Kosten für Warmwasser und Heizung sparen", sagt Tschürtz.
Pro Person rechnet man mit zwei bis drei Quadratmetern Solarkollektorfläche. Im Optimalfall kann man damit seinen Warmwasserbedarf zwischen Mai und September komplett decken. Auch hier unterstützt der Staat die Bauherren. Pro Quadratmeter gibt es eine Förderung von 40 Euro, pro Anlage werden mindestens 275 Euro gezahlt. Ökologisch ist diese Form des Heizens besonders sinnvoll - allerdings muss die Sonne auch wirklich scheinen. Sonst muss man doch wieder auf die alte Heizung zurückgreifen.
Beständiger ist da Erdwärme. Immer mehr Haushalte nutzen diese Energiequelle. "Gerade in Neubaugebieten wird vermehrt in Wärmepumpen investiert", sagt Heizungsbaumeister Ortmann. Das Prinzip dabei ist simpel: Denn in 100 Metern Tiefe ist es etwa ein Grad wärmer als an der Oberfläche. Diese Wärme kann von einem Trägermedium aufgenommen werden, das über ein Pumpensystem verdichtet und an die Oberfläche geführt wird.
Auch moderne Ölkessel verbessern die Ökobilanz
Die Heizleistung solcher Systeme liegt bei etwa 35 bis 40 Grad. Zum Betrieb eines Heizkörpers ist das zu wenig. Deshalb werden Wärmepumpen vor allem in Neubauten eingesetzt, in denen das Heizsystem auf niedrige Temperaturen ausgelegt ist, beispielsweise bei Fußbodenheizungen. Doch allein die Bohrung für die Wärmepumpe kostet rund 10.000 Euro. Und ganz lupenrein ist die Umweltbilanz der Wärmepumpe auch nicht: Zu ihrem Betrieb muss Energie aus dem Stromnetz hinzugezogen werden.
Alles in allem ist es nur in seltenen Fällen realistisch, die Energieversorgung komplett umzustellen. Handwerker Ortmann rät vielen Kunden deshalb nur zu einem neuen konventionellen Heizkessel. Dann bleibt es zwar bei Öl oder Gas - aber die Ökobilanz ist definitiv besser als vorher. "Bei modernen Geräten wird die Wärme aus der Abluft mitgenutzt", erklärt Ortmann. Damit steigt die Effizienz, der Energieverbrauch sinkt.
Und das spart richtig Geld, sagt Verbraucherschützer Tschürtz. "Mit jeder Kilowattstunde, die nicht verbraucht wird, werden Heizkosten gespart."
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